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Musikszene in Troisdorf: Wie in Chicago kreist der Hut

Musikszene in Troisdorf : Wie in Chicago kreist der Hut

Im „Troisdorfer Blues Club“ spielen regelmäßig regionale und europäische Genregrößen auf. Am Freitagabend spielt die italienische Band "Morblues".

Dicht gedrängt bis zurück ins Foyer stehen die Zuschauer an diesem Abend hinter den vollbesetzten Stuhlreihen im Konzertsaal der Realschule Am Heimbach. Als aus den Hallenlautsprechern die wuchtigen Intro-Akkorde von Creams „White Room“ donnern, brandet ein Johlen im Halbdunkel auf. Wenige Minuten später – die Musik ist auf „Black Magic Woman“ von Fleetwood Mac umgeschwenkt – ist das Publikum endgültig nicht mehr zu halten. Zahlreiche „Best Ager“, wie die Werbeindustrie die überwiegend anwesende Klientel jenseits der 50 nennt, klatschen und wippen im Takt. Für die Musiker der „Open Blues Band“, die an diesem Abend auf der Bühne des „Troisdorfer Bluesclubs“ stehen, verspricht es ein umjubelter und somit auch lukrativer Auftritt zu werden.

„Das ist hier jedes Mal so“, sagt Bob Bresser im Eingangsbereich der Halle. Ein schwarzes T-Shirt mit weißem Schriftzug lässt ihn als Mitglied der Hausband „BB’s Bluesmile“ erkennen. Seit der Eintragung in das Vereinsregister im Jahr 2007 ist Bresser zudem der erste Vorsitzende des Bluesclubs. „Die Leute sagen oft, wir sollen in etwas Größeres gehen. Aber es hat seinen besonderen Reiz und ist sehr familiär, wenn es eng ist.“ Dass der 72-Jährige, der als Mitglied von „The Boots“ in den 60ern selbst auf dem Sprung zum Profimusiker stand, immer wieder Grüße erwidern und die eine oder andere Hand schütteln muss, während er spricht, scheint dies zu belegen.

Unter anderem aus Köln, Aachen und dem Ruhrgebiet sind Zuschauer nach Troisdorf angereist. Klemens Kübber hatte es da nicht ganz so weit. Er ist aus Bergisch Gladbach zum Konzert in die Aggerstadt gekommen. „Das Besondere ist, dass hier echte Leidenschaft und ganz viel Herz und Seele drinstecken. Und das merken sowohl die Musiker als auch das Publikum“, begründet Kübber, warum er dem Bluesclub bereits seit rund drei Jahren die Treue hält. „Zudem werden einem hier richtige Genre-Highlights geboten.“ Wie viele Stammgäste freut auch er sich besonders auf den Auftritt der finnischen Gitarristin und Sängerin Erja Lyytinen im November. „Dann wird es wieder rappelvoll hier.“

Der Weg, den die „Open Blues Band“ an diesem Tag zurückgelegt hat, ist verhältnismäßig kurz. Aus Wermelskirchen und Wuppertal sind die Musiker nach Troisdorf gekommen. Doch den richtigen Mix aus regionalen Semiprofis und internationalen Szenegrößen zu finden, gehört laut Bresser zum selbsterklärten Ziel des Troisdorfer Bluesclubs. „Wir sind inzwischen in der komfortablen Lage, dass wir uns die Bands selbst aussuchen können“, so der Vereinsvorsitzende. Aus zahlreichen Anfragen aus dem In- und Ausland wähle eine Programmkommission bereits im September mehrere Künstler für das Folgejahr aus. Geachtet werde auch darauf, dass möglichst viele Stilrichtungen und Subgenres vertreten seien. Manchen Musikern wie etwa der schottischen Band „King King“ habe der Bluesclub gar als Sprungbrett gedient, erzählt Bresser stolz. Die vier Bluesrocker können inzwischen auf den Gewinn mehrerer „British Blues Awards“ und einen Auftritt im WDR-Rockpalast zurückblicken.

Doch dem Bluesclub ging es nicht immer rosig. Finanzielle Engpässe machten dem Verein zu schaffen. Laut Bresser verdient er allein am Getränkeverkauf, muss gleichzeitig aber Saalmiete, Gema-Gebühren und Technik zahlen und oft auch für die Unterbringung angereister Musiker aufkommen. Nachdem erst die Remise zu klein und später das Bürgerhaus samt „Spitze“ abgerissen wurde, fehlte es zudem an einem Veranstaltungsort. Erst nach langem Hin und Her mit der Stadt durfte der Bluesclub 2012 in die Realschule.

In dieser Zeit formierte sich auch ein Förderkreis. „Mir imponiert, dass das hier vier Leute als Amateure und umsonst machen und was dieses Engagement für eine Atmosphäre schafft“, sagt der 74-jährige Hans Bahn, der sich damals mit einem Bürgerantrag für den Bluesclub einsetzte. „Die Leute wissen das zu schätzen“, meint er. Das gilt an diesem Abend auch für die Musik der „Open Blues Band“. Zehn-, 20- ja sogar den einen oder anderen 50-Euro-Schein werfen die Zuschauer den Musikern in den Hut, der in diesem Fall eine Kiste ist. Im Stile der Chicagoer Blues Clubs entscheidet auch in Troisdorf die Leistung der Musiker über ihre Gage. Der Eintritt selbst ist frei. „Wenn einer aber nichts geben kann, dann ist das auch in Ordnung“, sagt Bresser. „Das Ganze hier hat auch einen sozialen Gedanken.“ Das Finanzamt hat den Bluesclub, der auch ein Straßenkinderprojekt in Äthiopien unterstützt, auch deshalb als gemeinnützig anerkannt.

Das nächste Konzert des Troisdorfer Bluesclubs findet am Freitag, 16. September, statt. An diesem Tag ist die italienische Blues-Band „Morblues“ zu Gast. Mehr Infos unter: www.troisdorferbluesclub.de