Bilderbuchmuseum würdigt Künstler zum 80. Geburtstag KP Kremer lässt im künstlerischen Spiel Neues entstehen

Troisdorf · Im Januar ist der Siegburger Künstler KP Kremer 80 Jahre alt geworden. Die Ausstellung „Vivace“, die das Bilderbuchmuseum Burg Wissem ihm widmet, bezeichnet er selbst als „wunderbares Geschenk“. Das verbindende Thema sind Drucksachen.

 In den Werken, die KP Kremer im Bilderbuchmuseum zeigt, setzt er sich künstlerisch mit Büchern und Gedrucktem auseinander.

In den Werken, die KP Kremer im Bilderbuchmuseum zeigt, setzt er sich künstlerisch mit Büchern und Gedrucktem auseinander.

Foto: Nadine Quadt

In KP Kremers Atelier am Siegburger Trerichsweiher stand die Ausstellung schon lange, bevor seine Werke den Weg über die Agger ins Bilderbuchmuseum auf Burg Wissem geschafft haben. Im Maßstab 1:20 hatte der Siegburger die Troisdorfer Ausstellungsräume nachgebaut und genau überlegt, wo welche Arbeit hängen oder stehen sollte. Sein Plan ist aufgegangen: Abgesehen von drei Werken hängt alles exakt da, wo der Künstler es in seinem Atelier gesehen hat. „Vivace“ ist die Ausstellung überschrieben, mit der das Bilderbuchmuseum ab Sonntag, 21. April, seine Reihe „Künstlerbücher“ fortsetzt und die es als Würdigung KP Kremers sieht, der im Januar 80 geworden ist.

„Das ist ein wunderbares Geschenk“, sagt der Künstler bei der Vorbesichtigung auf Burg Wissem. Passend zum Ort hat Kremer aus seinem reichen Werk Arbeiten ausgewählt, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Büchern oder Gedrucktem auseinandersetzen. Mal sind es tatsächlich kleine Bücher, auf deren Seiten er mit Farben gearbeitet oder Collagen geschaffen hat. Mal nutzt er bedruckte Seiten aus Büchern oder Zeitungen als Grundlage für seine Kunst. Oder aber er setzt die Schrift selbst ins Zentrum seiner Arbeiten. Es ist ein Querschnitt durch verschiedene Werkphasen seines 50 Jahre währenden künstlerischen Schaffens.

„Das Künstlerbuch kann viel mehr als bloß Texte verbildlichen“, sagt Museumsleiterin Pauline Liesen. Deswegen durchbreche ihr Haus einmal im Jahr bewusst sein Konzept und zeige Arbeiten von Künstlern aus der freien Szene, deren Arbeiten nicht Inhalte illustrieren. Die Farbmalerei und das Ausloten der Möglichkeiten und Wirkungen von Farbe seien das große Thema von KP Kremer. „Es war ihm aber auch immer wichtig, Materialien zu untersuchen und sie in neue Kontexte zu überführen“, sagt Liesen. Diese Auseinandersetzung stehe im Zentrum der Ausstellung. Als Beispiel nennt sie etwa das geschredderte Papier, das Kremer in einen Plexiglaskasten gesetzt hat. Oder seine Überarbeitungen von Schnittmustern. Deren Linien greift er in Struktur und Farbe auf, überformt diese künstlerisch und löst dadurch die ihnen eigentlich innewohnende strenge Anweisung auf.

„So entsteht Kunst, die man lesen kann“, hält Liesen fest. Oft sei dabei auch ein leichtes Augenzwinkern zu entdecken. „Das ist Spielerei“, sagt Kremer selbst mit Blick auf seine künstlerische Auseinandersetzung mit entwerteten Sparkassenbüchern. Die seien ihm während einer Kur in die Hände gefallen, hätten ihn fasziniert und inspiriert. Rund um den ausgestanzten Stern hat er mit Aquarellfarben kleine Farblandschaften entworfen. Ein weiteres Beispiel seiner künstlerischen „Experimentierfreude“ sind die Collagen „Metamorphose“, die er aus zerschnittenen Dias zusammengesetzt hat.

Entwertete Sparkassenbücher haben KP Kremer zu diesen Werken inspiriert.

Entwertete Sparkassenbücher haben KP Kremer zu diesen Werken inspiriert.

Foto: Nadine Quadt

Aus Zeitungseiten entsteht Kunst

Immer wieder überführt Kremer bekannte Materialien zu etwas Neuem. So entstehen aus Zeitungsseiten, die er zum Schutz unter seine Aquarellarbeiten legt, eigene Kunstwerke: „Der Weg zum Glück“ lautet eine der Schlagzeilen, die Farbspuren trägt, und die der Reihe ihren Namen gibt. Oder er macht eigene Gedichte zum Sujet, indem er seinen Worten auf großer Leinwand Abschriften alter Urkunden gegenüberstellt.

Gemalt und gezeichnet hat der Siegburger schon immer, aber nie eine reine Laufbahn als Künstler eingeschlagen. Nach der Schule machte er zunächst eine Lehre als Grafiker, gründete früh eine Familie, holte später seine Mittlere Reife nach, machte in der Abendschule sein Fachabitur, studierte Verwaltungswissenschaften und arbeitete bis zur Rente bei der Bundesfilmförderung. Nach Stationen in Bonn und am Starnberger See ist Kremer nach Siegburg zurückgekehrt. Der Mitbegründer der Bonner Gruppe „konkret" wohnt inzwischen in seinem Elternhaus. Von dort ist es nicht weit in sein Atelier, in dem noch immer das Modell seiner Ausstellung steht. Nicht mehr lange, denn auch das soll ins Bilderbuchmuseum umziehen.

Die Ausstellung „KP Kremer Vivace“ wird am Sonntag, 21. April, ab 16 Uhr in der Remise auf Burg Wissem eröffnet. Zur Vernissage gibt es am 16. Juni ein Künstlergespräch. Es erscheint ein Katalog.

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