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Troisdorfer vor Bonner Landgericht: Zwei Schwager attackieren Jugendliche und stehlen Rad

Troisdorfer vor Bonner Landgericht : Zwei Schwager attackieren Jugendliche und stehlen Rad

Zwei Schwager aus Troisdorf müssen sich seit Mittwoch wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Der Tatvorwurf hatte es in sich: Zwei 34 und 35 Jahre alte Schwager aus Troisdorf müssen sich seit Mittwochmorgen vor dem Bonner Landgericht verantworten, weil sie am 13. Juni vergangenen Jahres drei Jugendlichen unter Einsatz eines Teleskopschlagstocks ein Fahrrad geraubt haben sollen. Der ältere der beiden muss sich außerdem noch wegen mehrere Verkehrsdelikte verantworten. Zug um Zug kristallisierte sich aber im Verlauf des ersten Verhandlungstages heraus, dass die Geschichte mit den Jugendlichen möglicherweise nicht ganz so einfach ist.

Jugendliche hätten es auf Konflikt angelegt

Sein Mandant habe einen der Jugendlichen mit dem Teleskopschlagstock geschlagen, so der Anwalt des älteren Angeklagten. Daran gebe es nichts zu rütteln. Ein Raub, wie von der Staatsanwaltschaft angenommen, liege allerdings nicht vor. Die zum Tatzeitpunkt 14- bis 15-jährigen Opfer seien nämlich mitnichten die „armen Hascherl“ als die sie sich verkaufen wollten. Vielmehr seien die drei jugendliche „Rotzlöffel“. Der Anwalt des jüngeren Angeklagten sah das ähnlich: Er habe nicht den Eindruck, dass die Jugendlichen dem Konflikt aus dem Weg gegangen seien, bemerkte er in einem Statement nach der Vernehmung jenes Jugendlichen, dem schließlich das Fahrrad weggenommen worden war. Das mache er neben den widersprüchlichen Aussagen der Opfer auch an deren Statur fest. Mit 1,85 Meter überragte der sportlich-schlanke Jugendliche tatsächlich die beiden Schwager überdeutlich.

Die beiden Angeklagten seien ihnen „mit breitem Gang“ entgegengekommen, als sie zu dritt mit ihren Fahrrädern im Gebiet der Einmündung der Saarstraße in den Willy-Brandt-Ring unterwegs gewesen seien, sagte der 15-jährige im Zeugenstand aus. Sie seien erkennbar betrunken gewesen und nur mit Not habe man die Männer auf dem Fahrrad passieren können. Sofort hätten sich die mit Jogginghose und T-Shirt beziehungsweise einem Trainingsanzug bekleideten Männer umgedreht und sie auf russisch beschimpft. Weil man es mit der Angst zu tun bekommen habe, habe er schnell sein Handy gezückt und die Männer gefilmt. Auf den Aufnahmen, die vor Gericht mehrfach abgespielt wurden, ist allerdings nur zu sehen, wie sich einer der Angeklagten wütend an den Filmenden wendet und dann zurückweicht.

Beschimpfungen auf Russisch

Der eigentliche Vorfall ereignete sich dann an der Einmündung einer Treppe in die Auffahrt zu einer Fahrradbrücke über den Willy-Brandt-Ring. Sie seien überrascht gewesen, die Männer dort wiederzutreffen, so der mittlerweile 15-jährige Zeuge. Trotz ihrer Ortskenntnis hätten sie die Treppe nicht gekannt. Sofort habe der ältere Angeklagte ihn mit dem Schlagstock attackiert und am rechten Ellbogen verletzt. Daraufhin habe er zu Fuß die Flucht angetreten. In der Folge sei es noch zu einem weiteren Angriff auf einen seiner Freunde gekommen und die Angreifer seien mit seinem Fahrrad davongefahren.

Möglicherweise kam es aber im Nachgang zu einer Art Rückholaktion: Verwandte der Opfer hätten nämlich seinen Mandanten in dessen Wohnung aufgesucht, ihn „grün und Blau“ geschlagen und das Fahrrad wieder mitgenommen, ließ der Verteidiger des älteren Angeklagten das Gericht zur allgemeinen Überraschung wissen. Davon wisse er nichts, so der junge Mann im Zeugenstand. Sein Fahrrad sei seit dem Tattag verschwunden.