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Evangelisches Jugendwerk rückt die Sorgen von Jugendlichen in den Fokus: Viele sind psychisch und wirtschaftlich am Ende

Evangelisches Jugendwerk rückt die Sorgen von Jugendlichen in den Fokus : Viele sind psychisch und wirtschaftlich am Ende

Das Evangelische Jugendwerk zeigt auf, was der Lockdown mit jungen Menschen macht. Mit verschiedenen Aktionen möchte es Jugendlichen Raum für ihre Sorgen und zudem Lösungen bieten.

Von Inga Sprünken

Rhein-Sieg-Kreis. „Du bist uns wichtig“ - eine Aussage, die in Zeiten des Lockdowns wichtiger ist, denn je. Denn sie strahlt Interesse und Hoffnung aus. Und diese brauchen nicht nur die von den Corona-Maßnahmen betroffenen Unternehmen, sondern auch deren (junge) Angestellte. Einer von ihnen ist Leon Ehrenberg. Der 25-Jährige arbeitet seit neun Jahren als Koch. „Den ersten Lockdown konnte ich gerade noch überleben, jetzt beim zweiten gehen wir alle vor die Hunde“, schildert der junge Mann in einer Pressekonferenz des Evangelischen Jugendwerks seine Situation. Mit 70 Prozent seines ohnehin nicht üppigen Bruttogehaltes versucht er, zu überleben. „Ich bekomme weniger als jeder Hartz-IV-Empfänger“, sagt er und betont, wie gerne er doch arbeiten geht. Doch letztlich werde man dafür bestraft.

Es sind aber nicht nur wirtschaftliche Dinge, die viele jungen Erwachsene belasten. Es ist auch der Verlust der sozialen Kontakte. Seit acht Jahren kommt Leon regelmäßig ins Siegburger Kulturcafé, eine Einrichtung des Evangelischen Jugendwerks Sieg-Rhein-Bonn. Dort trifft er Freunde, spielt mit ihnen Billard und tauscht sich aus. Doch das ist nun verboten. „Jetzt muss ich allein Zuhause herumhocken. Da fällt einem die Decke auf den Kopf“, sagt er resigniert. Das Kulturcafè empfängt zwar immer noch Jugendliche, aber nur einzeln zu einer Beratung. Die Mitarbeiter hören sich 50 Minuten lang ihre Sorgen und Nöte an. Dann ist Schluss, der nächste wartet schon. „Zu uns kommen täglich hundert junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren“, erklärt Stephan Langerbeins. Immer nur einer kann rein. „Wir erleben gerade, was der zweite Lockdown mit ihnen macht“, erklärt der Geschäftsführer des Jugendwerks.

Besonders hart trifft es junge Geflüchtete. „Viele sind mit dem Homeschooling überfordert“, erklärt seine Stellvertreterin. Charlotte Dückers berichtet von fehlender Struktur und dem Verlust der deutschen Sprachkenntnisse. Zudem seien bereits zugesagte Praktika abgesagt worden. „Das, was passiert, wird Folgen haben für die psychische Gesundheit der Jugendlichen“, so Dückers. Almut von Niekerk ergänzt: „Es drohen lebensprägende Auswirkungen für eine ganze Generation". Die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises verweist auf eine dreiteilige Aktion: Am Freitag, 5. Februar, können Jugendliche unter dem Hashtag "#dubistunswichtig" Fotos und Statements online stellen. Bereits seit Montag läuft unter "#ichbingefragt" eine Umfrage, in der junge Leute ihren Gefühlen Ausdruck verleihen können.

Dritter Teil ist eine Stellungnahme des Evangelischen Jugendwerks. Mit dem Appell „Jugend wichtig nehmen – Jugend stärken – jetzt und sofort“ suchen dessen Vertreter das Gespräch mit den Bürgermeistern. Es geht darum, gemeinsam Lösungen für junge Menschen zu erarbeiten. „Vielleicht könnte man große Säle wie die leer stehende Rhein-Sieg-Halle für weitere Angebote nutzen“, überlegt Langerbeins. Auch die Versorgung mit Tablets, WLan-Verstärkung etwa durch Freifunk oder Einzelunterricht durch Lehramtsstudenten könnten helfen. Besonders bedauert er, dass das Essens-Angebot des Kulturcafés verboten ist. Ein solches würde auch dem jungen Leon Ehrenberg helfen. www.evaju.de