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Rhein-Sieg-Kreis: Wellness für Milchkühe

Rhein-Sieg-Kreis : Wellness für Milchkühe

Wolfühlmomente für die Vierbeiner: Einen Offen-Laufstall hat Marcel Andree für seine Vierbeiner errichtet. Der junge Landwirt führt in Neunkirchen-Seelscheidhat einen modernen Milchviehbetrieb.

„Das ist ein super Beruf, aber die Rahmenbedingungen sind ganz schlecht“, sagt Marcel Andree. Der staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt führt seit 2015 seinen Milchviehbetrieb in Neunkirchen-Seelscheid mit 150 Tieren sowie an die Hundert Jungrindern. Und das bereits in der siebten Generation und zusammen mit Lebensgefährtin, Vater, Tante und Onkel. „Wir werden als Tierquäler und Bodenverseucher dargestellt, dabei sind wir top ausgebildet und wirtschaften nachhaltig“, so der junge Landwirt in Bezug auf den schlechten Ruf der Bauern. Bei der jährlichen Informationsveranstaltung des Förderkreises Landwirtschaft im Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn trat er den Gegenbeweis an. Er führte die Repräsentanten des Kreises, Bürgermeister, Landes- und Bundespolitiker durch seinen modernen Betrieb.

Fast schon als Wellness-Tempel präsentiert sich etwa der 2016 errichtete Offen-Laufstall. Neugierig betrachten die Kühe die Besucher und kauen dabei genüsslich an ihrem Futter herum. Manche haben es sich im Liegebereich gemütlich gemacht, andere lassen sich von Kuhbürsten massieren oder machen einen Ausflug ins Freie. Eine kleine Warteschlange hat sich an den beiden Milch-Robotern gebildet. „Die Kühe können sich hier melken lassen, wann sie möchten“, erklärt der Landwirt. Angelockt durch Kraftfutter, aber auch von einer leichten Massage des gefüllten Euters geben sie gerne ihre Milch, die wiederum in zwei Tanks fließt. Alle zwei Tage wird die Milch an die Hochwald-Molkerei und den Hofladen Jules Käsekiste geliefert. „Ich bin sehr daran interessiert, dass es den Tieren gut geht, schließlich spiegelt sich das auch in der Milch-Leistung wider“, so der Jung-Bauer.

Über die Situation der Tierhaltungsbetriebe allgemein informiert bei dem Termin Nora Weeg. So sei etwa die Futtersituation durch die Trockenheit angespannt. Die neue Düngeverordnung und die ausufernde Bürokratie bringe zudem manche Betriebe dazu, über eine Aufgabe nachzudenken, erklärt die Studentin der Agrarwissenschaften. „Die Milchpreise liegen derzeit bei 35,3 Cent je Kilo brutto, die Fleischpreise befinden sich auf Vorjahresniveau“, erläutert sie und nannte Beträge zwischen 2,85 Euro je Kilo für Schlachtkühe bis zu 3,50 Euro je Kilo für Bullen. Ebenfalls unter der Trockenheit litten die Ackerbaubetriebe, legt deren Situation Marc Grohmann dar: „Im Weizen macht sich weiterhin der in der Praxis verbreitete Trend zu gesünderen Sorten bemerkbar, sagt der Agrarwirt. Je nach Standorten seien Erträge zwischen fünf und zwölf Tonnen beim Getreide erzielt worden. Der Corona-Virus habe indes den Kartoffelabsatz sinken lassen, so Grohmann.

Das träfe auch auf den Gemüse- und den Zierpflanzenbau zu, wie Felix Schmitz erklärt. „Große Mengen an späten Frühlingsblühern und Schnittblumen mussten vernichtet werden“, so der Fach-Geselle. Grund: abgesagte Feiern.

Über Erfolg und Misserfolg einzelner Betriebe resümiert indes der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, Johannes Brünker: „Persönlichkeit und Qualifikation des Betriebsleiters sind entscheidend.“