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Weniger Zuschauer: Die Kultur leidet im Rhein-Sieg-Kreis

Kultur leidet unter Corona-Krise : Weniger Zuschauer für die Kultur im Rhein-Sieg-Kreis

Das Kunsthaus Seelscheid startet am 21. Juni wieder. Die Studiobühne Siegburg bleibt geschlossen. Die strengen Abstandsregeln machen den Betrieb schwierig

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen haben die Kultur auch im Rhein-Sieg-Kreis hart getroffen. Inzwischen sind Ausstellungen, Theaterstücke und Filmvorführungen wieder erlaubt, die strengen Hygiene-Auflagen reduzieren aber die Zuschauer-Zahl ebenso wie die Möglichkeiten auf der Bühne.

Die Siegburger Studiobühne plant deshalb bis zum Herbst keine Vorstellungen. „Für unser kleines Theater mit gerade einmal acht mal vier Metern Bühnenfläche sterben fünf von sieben Theaterstücken“, bedauert der künstlerische Leiter René Böttcher. Theaterspielen gilt nach dem Infektionsschutzgesetz als „expressives Sprechen“ – die Regelung dafür sieht sechs Meter Abstand zwischen den Schauspielern vor.

Hürden zu groß, finanzielle Mittel zu klein

„Für eine Wiedereröffnung sind die Hürden zu groß und die finanziellen Mittel, um die Hürde zu überwinden, zu klein“, so die offizielle Stellungnahme der Studiobühne. In einer Video-Grußbotschaft dankt Böttcher den vielen Spendern. „Mehr als 10 000 Euro und 30 neue Fördervereinsmitglieder helfen mit, das tiefe Loch durch 40 abgesagte Veranstaltungen und ausgefallene Projektfördermittel von mehr als 60 000 Euro zu füllen.“

Das Kunsthaus Seelscheid wird dagegen am Sonntag, 21. Juni, für eine musikalisch begleitete Lesung die Pforten wieder öffnen. Inhaber Burkard Sondermeier bat das Ordnungsamt um eine Begehung des denkmalgeschützten Kunsthauses und bekam grünes Licht für die Öffnung. Sondermeiers Vorteil im Hinblick auf die Wiedereröffnung: Er kann den Saal frei bestuhlen. Nun stehen 50 Stühle unterschiedlicher Bauart und alte Sessel in großzügigem Abstand vor der kleinen Bühne. Auf ihr wird Jola Shkodrani ihr Cello erklingen lassen.

Namensschilder auf den Sitzen

„Mir ist bewusst, dass ich hier auch aufpassen muss“, sagte Sondermeier bei der Inspizierung des Veranstaltungsortes. Das Kunsthaus beherbergt neben dem Veranstaltungsraum ein buntes Sammelsurium an Antiquitäten und Kunstwerken, die zum Verkauf stehen. Neben der Kultur hat er damit ein weiteres Standbein. Seine Gäste kommen aus Siegburg, Troisdorf oder Sankt Augustin, aber auch aus Bonn und Köln. Die Frage, ob die Vorstellung voll wird, nimmt Sondermeier gelassen. „Keine Ahnung. Ausprobieren.“ Auf den Sitzen legt er Namensschilder für die vorbestellten Karten aus. Das hat er schon immer so gemacht.

Burkard Sondermeier freut sich auf die erste Veranstaltung in seinem Kunsthaus Seelscheid nach der Corona-Pause. Foto: Stefan János Wágner

„Wirtschaftlich sind die Einschränkungen für die Betreiber ein Desaster“, sagt Claudia Oberdörfer von der Stadt Sankt Augustin. Für den Kulturort Haus Menden bedeute die neue Regelung eine Reduzierung auf 45 Plätze. Veranstaltungen im Rhein-Sieg-Gymnasium sind limitiert auf eine Anzahl von maximal 100 Gästen. „Wir haben jedoch das Glück, dass die Spielzeit für Theater und Kleinkunst erst im September startet“, so Oberdörfer.

Hoffnung auf weitere Lockerungen

Die Sankt Augustiner Kulturszene hofft bis dahin auf weitere Lockerungen. Die Sommerabende im Klostergarten, die für den 20. bis 23. August geplant sind, werden auch mit weniger Publikum auskommen müssen. Um den Zutritt zu beschränken und Kontakte nachverfolgen zu können, wird es Eintrittskarten im Vorverkauf geben. So will die Stadt Warteschlangen an der Abendkasse vermeiden.

Das Kur-Theater in Hennef informiert auf seiner Internetseite in einem knappen Satz: „Live-Veranstaltungen müssen leider verschoben werden.“ Über dem Eingang des Programmkinos, in dem es auch kulturelle Veranstaltungen gibt, steht in großen roten Lettern: „Bis auf weiteres geschlossen.“