Schuldnerberater im Rhein-Sieg-Kreis Wenn Armut krank macht

Rhein-Sieg-Kreis · Mit dem Job von TV-Schuldnerberater Peter Zwegat hat der Alltag von Stefanie Crawford und Sonja Jarosch wenig gemein. Denn in nur einer Stunde können die beiden Schuldnerberaterinnen des SKM, dem Katholischen Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis, den wenigsten ihrer Klienten helfen.

 Sehen Zusammenhänge zwischen Armut und Krankheit (von links): Sabine Graaf, Stefanie Crawford und Sonja Jarosch.

Sehen Zusammenhänge zwischen Armut und Krankheit (von links): Sabine Graaf, Stefanie Crawford und Sonja Jarosch.

Foto: Silke Elbern

"Manche kommen auch und denken, wir würden wie Peter Zwegat Hausbesuche machen", klärt Juristin Jarosch einen Irrtum auf. Gemeinsam mit der Leiterin des Sozialpsychiatrischen Zentrums des SKM für den linksrheinischen Kreis, Sabine Graaf, hatten die Finanzfachfrauen im Vorfeld des Weltspartags am 30. Oktober zu einem Pressegespräch eingeladen.

"Denn die meisten unserer Klienten können den Tag nicht nutzen, um etwas für jetzt oder ihr Alter zu sparen", sagt Graaf. Bei ihren kostenlosen Beratungen am Standort Bornheim, vor allem aber in Meckenheim haben die drei laut Graaf festgestellt: "Armut macht krank, und Krankheit macht arm."

Immer öfter stellten sich Schuldnerberatung und Sozialpsychiatrisches Zentrum folglich gegenseitig die Klienten vor: den chronisch Kranken, der Schulden angehäuft hat oder den Armen, den seine Mittellosigkeit krank gemacht hat. "Beide Gruppen geraten ohne Hilfe immer tiefer in eine Spirale hinein", sagt Sozialpädagogin Crawford.

Sei jemand suchtkrank oder habe Depressionen, sei es sinnvoll, zunächst dieses Problem zu lösen, bevor man die Entschuldung angehe. "Wir schreiben dann aber trotzdem die Gläubiger an und sagen, dass sich der Klient gerade in Therapie befindet", erklärt Jarosch. Es sind übrigens nicht nur Bezieher von Hartz IV, die ihren Weg in die Beratungsstellen im Linksrheinischen finden.

"Viele arbeiten, verdienen aber sehr wenig, weil sie eine geringe Berufsausbildung haben", sagt Crawford. Irgendwann reiche das Geld dann nicht mehr. "Die Leute kommen eher nicht am Monatsende, sondern zu bestimmten Anlässen. Also kurz bevor der Strom abgestellt wird oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht", sagt Jarosch.

Bei psychisch Kranken sei meist Verdrängung das Problem. "Ihnen fehlt zum Beispiel die Kraft, die Post zu öffnen", meint Graaf. Dann verhindere die mentale Blockade, sich rechtzeitig um ein finanzielles Problem zu kümmern. Wie aber kann man jemandem, der kein Geld hat, helfen, noch weniger Geld auszugeben? "Wir müssen Einsparpotenziale entdecken.

Manchmal ist die Wohnung zu groß, oder der Trockner sollte lieber aus bleiben, genau wie der Durchlauferhitzer nicht 24 Stunden lang laufen muss", so Crawford. Manchmal aber bleibe eben nur noch der Weg in die Insolvenz. Doch auch da steht der SKM, der ein Fachverband der Caritas ist, den Betroffenen bis zur Einleitung des Verfahrens zur Seite.

Die Lage, so befürchten die Frauen, könnte sich im Kreis noch verschlimmern. Als Gründe nennen sie unter anderem Zuzahlung für Medikamente, Arztgebühr und immer höhere Nebenkosten. Und wer im Winter nicht heizt, wird auch krank.

Kontaktmöglichkeiten

SKM-Schuldnerberatung

  • Bornheim: Königstraße 130
  • Meckenheim: Adolf-Kolping-Straße 2
  • Für beide Standorte gilt die Rufnummer 02225/7084790
  • E-Mail: sb-linksrheinisch@skm-rhein-sieg.de

Sozialpsychiatrisches Zentrum des SKM für den links-rheinischen Kreis

  • Bornheim: Königstraße 130, Rufnummer 02222/9392395
  • Meckenheim: Adolf-Kolping-Straße 5, Rufnummer 02225/999760
  • E-Mail: spz@skm-rhein-sieg.de
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