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Stadtporträt Troisdorf: Wo sich Kultur und Natur die Hand geben

Stadtporträt Troisdorf : Wo sich Kultur und Natur die Hand geben

Troisdorf ist die größte Stadt des Rhein-Sieg-Kreises und bietet eine große Vielfalt an Kultur und Natur, Arbeiten und Einkaufen, Wohnen und Reisen. Zwischen Flughafen Köln/Bonn und Rhein findet jeder sein Refugium.

Die Stadt Troisdorf ist so etwas wie der Rhein-Sieg-Kreis in Miniaturformat. Wobei von klein gar nicht die Rede sein kann, immerhin hat die größte Stadt des Kreises etwa 77 000 Einwohner und damit auch alle Herausforderungen zu schultern, die urbane Zentren so haben.

Troisdorf ist Industrie, Troisdorf ist Dienstleistung, Troisdorf ist Kultur und Natur. Deshalb zieht es Ausflügler aus dem ganzen Umland regelmäßig hierher. Zum Beispiel in die Wahner Heide am Rande des Flughafens Köln/Bonn. Die Landschaft mit sandigen Magerböden hat ausgedehnte Birkenwälder und Heideflächen hervorgebracht. Letztere stehen im August und September in violetter Blüte. Überhaupt ist die 5000 Hektar große Heide ein Gewinn für den Naturschutz.

Die intakte Heideterrasse verdankt ihre Existenz auch der Tatsache, dass sie seit 1817 Truppenübungsplatz preußischer Soldaten war. Auch danach wurde das Gelände als Übungsplatz genutzt, so dass sich dort die Tier- und Pflanzenwelt über weite Strecken unbeeinträchtigt entwickeln konnte. Erst seit 2004 ist das Gebiet ohne Beschränkung für die Öffentlichkeit zu betreten.

Die Heide und das Militär

Übrigens ist die frühere militärische Nutzung der Heide auch der Grund, warum man die Einwohner des Ortsteils Spich im Dialekt die „Spicher Bleimöpp“ nennt. Denn es gab Zeiten, als die Spicher ihr Haushaltsgeld damit aufbesserten, nachts auf das Truppenübungsgelände zu schleichen und die abgeschossenen Bleikugeln einzusammeln. Die wurden dann gewinnbringend verkauft. Und weil sie umgangssprachlich das „Blei mopsten“, erhielten sie ihren Spitznamen.

Auf dem Übungsgelände sind auch heute noch die Überreste einer Panzerwaschanlage zu erkennen. Die ist vor allem für Liebhaber von Lost Places, also verlassenen Orten, ein Anziehungspunkt. Was das dortige Gelände angeht, muss man auch festhalten, dass ein Teil der Fläche des Flughafens Köln-Bonn auf Troisdorfer Stadtgebiet liegt. Als Lokalpatriot müsste man fast bedauern, dass der Airport nicht die Aggerstadt im Namen trägt. 

Ohne verwegen zu sein, könnte man deshalb Troisdorf auch als Zentrum Europas bezeichnen. Das legen sowohl die geografische als auch die infrastruktuelle Lage nahe. Die Stadt touchiert auf immerhin einem Meter den Rhein im Südwesten und im Nordosten die Autobahn 3. Die Autobahn 59 geht einmal quer durch.

Last but not least liegt die Stadt an der wichtigsten Bahn-Güterstrecke zwischen Rotterdam und Genua. Aktuell wird da im Zuge der Bauarbeiten der Linie S 13 sehr viel Erde bewegt. Ziel ist es, in knapp zehn Jahren die Gleise so erweitert zu haben, dass sich Güterzüge und Personenzüge nicht mehr in die Quere kommen. Das wird aller Voraussicht nach auch zu mehr Bahnverkehr führen. Parallel zu den Bauarbeiten werden deshalb Schallschutzvorrichtungen eingebaut, sodass es für die Anwohner erträglicher werden soll.

Ebenfalls von europäischer Dimension – aber im Kultursektor– ist das Bilderbuchmuseum in der Burg Wissem. Es ist ein Solitär in Sachen Bilderbuchhistorie und Anlaufpunkt für kleine und große Liebhaber bebilderter Geschichten.

Wie es dazu kam? Vor knapp 40 Jahren schenkte Wilhelm Alsleben, ein Troisdorfer Kaufmann, der Stadt eine umfängliche Sammlung alter Originalillustrationen für Bilderbücher. Daraus erwuchs der Entschluss, den Werken eine angemessene Heimat in einem Museum zu geben. Inzwischen sind weitere bedeutende Bilderbuchwerke zur Sammlung hinzugekommen, unter anderem vom Tigerenten-Erfinder Janosch.

Was Troisdorf industriell groß gemacht hat, war der Kunststoff. Die Stadt gilt als Keimzelle dieses Industriezweiges. Hier wurden weltweit die ersten Fensterprofile aus Kunststoff und die ersten PVC-Böden sowie die ersten Hartschalenkoffer hergestellt. Auch heute noch sind mehr als 60 Unternehmen der Kunststoffindustrie dort ansässig. Dazu gehört auch Weltmarktführer Reifenhäuser. Er hat 800 Mitarbeiter und baut Maschinen für die Plastikverarbeitung. Der Industriestandort war in der Vergangenheit immer wieder einem Strukturwandel unterworfen. So ist 2004 das Chemie- und Rüstungsunternehmen Dynamit Nobel mit damals 13 000 Mitarbeitern zerschlagen worden.

Ein großes Kapitel der Troisdorfer Industriegeschichte ist im Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte ablesbar. Vor knapp 200 Jahren entstand dort ein Hüttenwerk an der Aggermündung der Sieg, direkt jenseits des heutigen Sankt Augustiner Stadtteils Menden. 1911 erwarb die Mannstaedt AG aus Köln-Kalk die Hütte und verlagerte ihre ganze Produktion hierher. Für die zahlreichen Fabrikmitarbeiter baute man direkt neben dem Werk Häuser, die als schwarze und rote Kolonie bezeichnet wurden. Die Namen bezeichnen die unterschiedlichen Farben der Dachziegeln. Die Siedlungen stehen heute unter Denkmalschutz.

Wen es mehr in die Natur zieht, der kann sich einerseits die Kleinodien Sieglarer See oder Rotter See vornehmen und bewandern oder gleich in die liebliche Siegaue marschieren. Am südwestlichen Zipfel wartet die traditionsreiche Siegfähre. Es ist die letzte Einmann-Fähre Deutschlands.

Fährmann Gabriel Gaic lässt sie in der Sommersaison täglich zwischen den Siegufern in Troisdorf-Bergheim und Bonn-Geislar pendeln. An dieser Stelle ist der Fluss gerade mal ein paar Meter breit, und es gäbe auch die Möglichkeit, hoch oben über die Landstraßenbrücke das Ufer zu wechseln. Aber wer einmal in das Idyll der Siegauen eingetaucht ist, möchte nicht mehr hinaus in die Unwirtlichkeit des dröhnenden Straßenverkehrs.

Hier, kurz bevor die Sieg in den Rhein mündet, treffen sich seit Generationen an sonnigen, müßiggängigen Tagen Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer. Sie machen Halt am Ufer, verweilen am sanft fließenden Wasser oder kehren ein in den Biergarten „Zur Siegfähre“. Kurz: Hier herrscht sommers Hochbetrieb.

Die Fähre steht im Schnittpunkt all dessen. Rechtes Ufer, linkes Ufer, Hunger und Durst, Gaststätte, warme Sonnenstrahlen, kühlendes Nass. Und sie führt ihren klingenden Namen nicht von ungefähr: Sankt Adelheid. Er erinnert an eine rund tausendjährige Geschichte.

Denn just, wo Sieg und Rhein sich treffen, wird es interessant für alle, die sich für Fische interessieren. Reiher, Angler und Fischer. Nicht von ungefähr ist dort auch der Standort der Fischereibruderschaft Bergheim. Diese Zunftorganisation ist schon ein paar Tage alt. Sie gilt als die älteste Deutschlands. Im Jahre des Herrn 987 erhielt sie von Adelheid von Vilich den Freibrief zum Fischen. Und dieses Recht hat sich seitdem weiter vererbt.

Fische, Fähre und Sankt Adelheid

Alles rund um Fische, Netze und Bruderschaft und deren Geschichte erfährt man gleich um die Ecke im rot gestrichenen Fischereimuseum Bergheim.

Als Mittelzentrum hat Troisdorf vor allem in der Innenstadt viel zu bieten. Rund um die Kölner Straße ist Einkaufen angesagt nach Herzenslust. Und wer in seiner Freizeit die sportliche Herausforderung sucht, der ist im Gewerbegebiet nahe der Kriegsdorfer Straße gut aufgehoben. Fußball spielen im Soccerdome, Bowling in der Arena Spich, Tennishalle und Skatepark Haus Rott, Eislaufhalle oder Golfplatz. Die Auswahl ist riesig. Im Tierheim Troisdorf finden verlassene Tiere aus dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis Aufnahme und Pflege und regelmäßig treffen Tierfreunde dort ihr neues Familienmitglied.