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Initiative zum Tierschutz : Zwölf Rehkitze in Lohmar mit Hilfe von Drohnen gerettet

Initiative zum Tierschutz : Zwölf Rehkitze in Lohmar mit Hilfe von Drohnen gerettet

Andrea Surrey hat in Lohmar eine Initiative gegründet, die Wildtiere vor den Mähern schützt. Mit Drohnen gehen die rund 40 Helfer auf die Suche.

Sie sind kleiner als eine Katze und haben kaum Eigengeruch: Rehkitze. Wenn sie jünger als drei Wochen sind, liegen sie flach auf dem Boden und verharren im Feld, bis die Ricke kommt. Selbst Hunde laufen an ihnen vorbei. Der fehlende Fluchtinstinkt der kleinen Lebewesen kann ihnen jedoch zum Verhängnis werden, wenn der Landwirt sein Feld mäht. Und das geschieht aufgrund des sich verändernden Klimas immer früher im Jahr und ausgerechnet zu einer Zeit, wenn die Kitze noch zu klein zum Flüchten sind. „Kitze flüchten etwa ab einem Alter von drei Wochen“, erklärt Andrea Surrey.

Vor einem Jahr hat die Lohmarerin die Rehkitzhilfe Rhein-Sieg gegründet, inzwischen heißt die Initiative Rehkitzhilfe Lohmar. „Der Rhein-Sieg-Kreis ist einfach zu groß“, begründet sie die Namensänderung und verweist zudem auf die Bürgerstiftung Lohmar, die ihre Privat-Initiative großzügig unterstützt. Denn ohne Spenden und aktive Hilfe ließe sich der Einsatz der inzwischen bereits 90 Personen umfassenden Whatsapp-Gruppe, die auch auf Facebook vertreten ist, nicht leisten.

„Die Bürgerstiftung hat 500 Euro gespendet und leitet auch weiterhin Spenden an uns weiter“, sagt die 51-Jährige. Das Geld bildete den Grundstock für ein wichtiges Instrument, das die Initiative gerade angeschafft hat: eine Drohne mit Wärmebildkamera. „So können wir die Tiere viel effektiver aufspüren“, erklärt die Tierschützerin. Den Rest des Betrags für das 5000 Euro teure Gerät hat eine Privatperson aus der Gruppe vorgestreckt.

Rund 40 Helfer für den Tierschutz aktiv

Begonnen hat Surreys Engagement mit dem Fund eines Rehbeins auf einem frisch gemähten Feld während des Hunde-Spaziergangs. „Schon auf dem Weg nach Hause ist die Idee in mir gereift, so etwas zu verhindern“, erzählt die Ehrenamtlerin. Sie sprach andere mögliche Mitstreiter an, fragte im Bekanntenkreis herum und startete kurze Zeit später nach Absprache mit einem Jäger die erste Rehkitzsuche an ihrem Wohnort, einem kleinen Dorf in Lohmar. Ihr Engagement verbreitete sich „wie ein Lauffeuer“, so Surrey, heute besteht der harte Kern aus etwa 40 Personen.

Auch bei den Landwirten und Jägern sprach sich ihr Engagement herum. „Die Landwirte sind verpflichtet, die Jäger zu informieren, bevor sie mähen wollen“, erklärt die Tierretterin. Die Jäger wiederum teilen ihr dann das Datum mit, und Surrey trommelt über Whatsapp die Helfer zusammen, die in einer Menschenkette durch die Felder ziehen, um die Kitze aufzuspüren.

Besonderes hilfreich ist dabei die Drohne, für die die Lohmarerin mit Unterstützung des erfahrenen Drohnenpiloten Konrad Eilers einen Kenntnisnachweis erworben und die sie aus eigenen Mitteln haftpflichtversichert hat. „Einer fliegt die Drohne, der andere kontrolliert ständig die Wärmebildkamera“, erklärt Surrey, die zuvor die Flugrouten festlegt. Über Funkgeräte werden die Helfer auf dem Feld informiert, wo sich ein Kitz befindet. Dann wird das Tier entweder mit einem Wäschekorb geschützt, bis die Mahd vorüber ist, oder aber das Kitz wird mit Grasbüscheln aufgehoben und an einem anderen Ort platziert.

Einsatz nur am frühen Morgen

„Ideal ist es, wenn wir kurz vor der Mahd aktiv werden können“, sagt die Tierschützerin. Der Einsatz der Wärmebildkamera kann indes nur in den frühen Morgenstunden erfolgen, da am Tag die Temperaturen zu hoch sind, als dass das Gerät die Kitze, aber auch Hasen-Babys und Kibitz-Nester erfassen könnte. Das Einsatzgebiet der Rehkitz-Retter reicht bis ins Naafbachtal, nach Much und Neunkirchen-Seelscheid. Zudem ist die Rehkitzhilfe mit anderen Organisationen vernetzt. „Es gibt bundesweit viele Gruppen“, erzählt die Initiatorin.

Von Rehkitzsuchen auf eigene Faust rät Surrey dringend ab. Hunde etwa bergen die Gefahr, dass sie das Tier berühren und es dann von der Mutter nicht mehr angenommen wird. Zudem gilt eine Suche nach einem Wildtier nach dem Gesetz als Wilderei. Daher muss immer ein Jäger mit von der Partie sein. Die Tierschützer verstehen sich als Unterstützer der Landwirte, betont sie. Bei ihrer letzten Aktion haben die Helfer, auf die Surrey sehr stolz ist, zwölf Kitze gefunden.