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Stippvisite im Kräutergarten: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auf Sommertour im Kreis Ahrweiler

Stippvisite im Kräutergarten : SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auf Sommertour im Kreis Ahrweiler

Jetzt ist die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auch ein gekröntes Haupt. Eine gebackene Krone überreichte ihr die Chefin der Kastellaney der Burg Olbrück, Brigitte Keiper, und sogleich steckte sich die Bundespolitikerin in königsblauer Bluse das Geschenk ihrer früheren Klassenkameradin ins dunkle Haar.

Als Verbandsgemeinde-Bürgermeister Johannes Bell auch noch betonte, dass sie darauf gedrängt habe, Mitglied im Förderverein Burg Olbrück zu werden und sie sogar ein Burg-T-Shirt mit Wappen für ihren Mann bestellt habe, da war klar: Der Besuch ist für Nahles, die aus dem nahen Weiler stammt, ein Heimspiel. "Wenn ich aus Berlin komme und die Burg sehe, dann weiß ich immer: Geschafft, ich bin zu Hause."

Trotzdem gab es auf der fünftägigen Sommerreise zu insgesamt 15 Zielen dort oben für die Bundespolitikerin Neues zu hören, zum Beispiel vom Verkauf der Burg an eine slowakische Firma (der GA berichtete), und Neues zu sehen, wie zum Beispiel den Kräutergarten. Burgführerin Jutta Dietz erläuterte ihr anschaulich, wie Pflanzen nützen und wo sie schaden. Mit Meerrettich wurde im Mittelalter gewürzt, da Pfeffer zu teuer war.

"Daher kommt der Ausdruck "gepfefferte Preise", so Dietz. Rosmarin war zum Heilen da, Heiligenkraut zum Desinfizieren und Belladonna aus dem Saft der Tollkirsche erweiterte die Pupillen der Burgfräulein, damit sie den Rittern nicht nur schöne, sondern auch große Augen machen konnten.

Nach dem Besuch des Wohnturms gab Nahles noch das Versprechen, die Swingolf-Anlage des Brohltals zu besuchen. "Ich habe noch nie Golf gespielt, das war mir immer zu elitär. Aber wenn ich nur einen Schläger brauche und die Anlage naturbelassen ist, dann kann ich mir das schon vorstellen." Reich beschenkt mit einer Tontasse für Tochter Ella, einem Burg-Kalender und einer Flasche des "Hainer Südhangs" brach sie gen Niederzissen auf.

Nächste Station war dort die Synagoge, die im März eröffnet wurde. Richard Keuler, Ortsbürgermeister und Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, hieß Andrea Nahles willkommen. Sie war beeindruckt von dem bürgerschaftlichen Engagement, das aus einer alten Schmiede ein solches Schmuckstück gemacht hat.

"Es gab viele Kritiker, es musste ein Bürgerbegehren her", so Keuler. "Der Kampf hat sich gelohnt", lobte Nahles. "Wenn Sie was brauchen, rufen Sie mich gerne an." Das hörte Keuler gern, auch die Botschaft von Johannes Bell, dass das Land für die Außenanlage einen Zuschuss von 37 300 Euro angekündigt hat.

Vom mittelalterlichen Kräutergarten der Burg Olbrück zum Kräutergarten des "Vieux Sinzig"-Gastronomen-Paares Collette und Jean-Marie Dumaine: Beim selbst gemachten Traubensaft des Trüffel-Papstes, der 450 Rezepte kreiert hat, erklärte der Mann aus der Normandie seine Philosophie: "Wir müssen prägen und nachhaltig sein und die Region auf den Teller bringen, dann kommt der Gast wieder."

Die SPD-Generalsekretärin bat er aufgrund des Nachwuchsmangels in der Gastronomie um Hilfe: "Es muss ein Austausch ins Leben gerufen werden, durch den wir gute junge Leute aus anderen Ländern zur Ausbildung zu uns holen können." "Da hängen wir uns rein und schauen, ob wir was anschieben können", versprach Nahles.