Vater soll in Waldbröl seine Frau vor den Augen der Kinder erstochen haben

Bonner Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen Totschlag vor - 47-jähriges Opfer verblutete nach 26 Messerstichen

Waldbröl/Bonn. Eine Familientragödie, die sich am 7. November 2008 in Waldbröl ereignete, beschäftigt demnächst das Bonner Schwurgericht: Die Staatsanwaltschaft wirft einem 24-jährigen Familienvater vor, an jenem Tag seine 23 Jahre ältere Ehefrau mit 26 Messerstichen getötet zu haben - vor den Augen der beiden gemeinsamen, fünf und zwei Jahre alten Kinder.

Nun hat sie den Westafrikaner wegen Totschlags angeklagt. Den Ermittlungen zufolge hatte der Mann bereits vor der Tat Todesdrohungen gegen seine ganze Familie ausgestoßen. Wie aus der Anklage hervorgeht, war der 24-Jährige 2002 von Guinea in der Hoffnung auf Asyl nach Deutschland gekommen.

In Waldbröl hatte er die bedeutend ältere Deutsche kennengelernt, 2003 war ihr erstes Kind geboren und er abgeschoben worden. Doch er kam zurück, 2004 heiratete das Paar und bekam 2006 das zweite Kind. Die Probleme begannen laut Anklage einige Monate vor der Tat. Da verlor der 24-Jährige seinen Job bei einer Zeitarbeitsfirma und wurde immer öfter gewalttätig gegen seine Frau.

Die setzte ihn vor die Tür, erwirkte bei Gericht ein Annäherungsverbot, das er ignorierte, zeigte ihn wegen Körperverletzung an. Und als er sie am 27. September wieder aufsuchte und angriff, rief sie die Polizei, die den Ehemann der Wohnung verwies. Doch auch in der Folgezeit tauchte er bei ihr auf, rief an und drohte laut Anklage, sie, die Kinder und sich selbst umzubringen.

Am Nachmittag des 7. November verschaffte er sich den Ermittlungen zufolge schließlich Zugang zu der Wohnung und machte seine Drohung wahr: Mit einem Messer ging er laut Anklage auf seine Frau los und stach insgesamt 26 Mal auf sie ein. Dann verließ er die Wohnung, wobei er, so ein Justizsprecher, von einer Nachbarin gesehen worden sein soll. Ein anderer Nachbar wurde auf die Tat aufmerksam, als er nebenan ein Kind entsetzlich schreien und weinen hörte.

Als er in die Wohnung eilte, sah er die 47-Jährige blutüberströmt, aber noch lebend am Boden liegen und hörte, wie sie flüsterte: "Notarzt." Als er über Handy Hilfe rief, kam der 24-Jährige zurück, schlug dem Nachbarn laut Anklage das Handy aus der Hand, holte seinen Rucksack und ging. Die 47-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Der 24-Jährige bestreitet die Bluttat.