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Flüchtlinge im Niederkasseler Schulzentrum Nord: Viel Mitgefühl und ein großer Kraftakt

Flüchtlinge im Niederkasseler Schulzentrum Nord : Viel Mitgefühl und ein großer Kraftakt

Die Ankunft von 120 Flüchtlingen an der Dreifachturnhalle im Niederkasseler Schulzentrum Nord war für 18 Uhr gestern Abend vorgesehen. "

Wir möchten den Flüchtlingen die Gelegenheit geben, in Ruhe anzukommen", begründete Bürgermeister Stephan Vehreschild bei der Bürgerinformationsveranstaltung am Mittwoch, also einen Abend zuvor, die Absperrung der Straße. Rund 200 Niederkasseler waren in die Aula des Kopernikus Gymnasiums, in direkter Nachbarschaft zur Dreifachturnhalle, gekommen, um sich ein Bild darüber zu machen, was auf die Stadt zukommt.

Die Sporthalle war zu diesem Zeitpunkt schon als Notunterkunft für 120 Flüchtlinge vom DRK-Niederkassel, der Feuerwehr und den Mitarbeitern der Stadt mit Unterstützung des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe hergerichtet worden. Die Stimmung bei der Bürgerversammlung war ausschließlich geprägt von dem Willen, Hilfe und Unterstützung zu leisten. Dass jegliche rassistische Äußerung keinen Raum habe, machte Vehreschild zu Beginn seiner Ausführungen unmissverständlich klar. "Rassistische oder menschenverletzende Äußerungen werden nicht akzeptiert", schickte er seinen Worten voraus, die sich mit dem Kraftakt befassten, in nur vier Tagen alles für die 120 Flüchtlinge vorzubereiten.

Die Bürger applaudierten, nachdem Vehreschild erläutert hatte, welche logistische Leistung notwendig gewesen sei, um Flüchtlinge, von denen man vorab nicht wisse, ob es Familien, Männer, Frauen oder viele Kinder seien, angemessen zu empfangen. Von der Außentoilette über Koffer, die Schränke ersetzen, bis hin zu Duschvorhängen in der Damendusche, die ein wenig Privatsphäre bieten sollen, sei an vieles gedacht worden.

"Ob das alles ausreicht, werden wir erst sehen, wenn die Flüchtlinge angekommen sind", sagte Vehreschild am Mittwochabend. Lediglich die Beschilderung war noch nicht überall angebracht zu diesem Zeitpunkt. Wachdienst, Caterer und Polizei waren informiert und auch schon vor Ort. Als besonders leistungsfähig lobte der Bürgermeister die DRK-Ortsgruppe und wurde nicht müde, auch das Engagement seiner städtischen Mitarbeiter hervorzuheben. Vehement wies Vehreschild Gerüchte zurück, die Stadt habe sich freiwillig zur Aufnahme von Flüchtlingen in einer Notunterkunft gemeldet.

"Dann hätten wir anders gegenüber Vereinen und Schulen vorgehen müssen", die nun zusammenrücken müssten und kreativ nach Lösungen für den Sportunterricht suchten. Die Aufnahme sei im Rahmen der angeordneten Amtshilfe geschehen, da gebe es keine Alternative.

Auch zur Frage eines Bürgers, was in Zukunft zu erwarten sei, konnte und wollte der Bürgermeister sich nicht festlegen. In Niederkassel würden zurzeit sechs weitere Immobilien zur Aufnahme von Flüchtlingen saniert. Die Wohnungen seien über die gesamte Stadt verteilt. Unter den aktuell 330 Flüchtlingen in Niederkassel gebe es jedoch zu viele Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen seien. Hier müsse sich politisch etwas ändern.

Das formulierte auch CDU-Fraktionschef Marcus Kitz. "Wir erwarten vom Bund, dass die Verfahren beschleunigt werden, und von der Landesregierung, dass sie abgelehnte Asylbewerber auch abschiebt, sofern sie nicht freiwillig ausreisen", forderte er in einer Presseerklärung. Einen Fragenkatalog zu Herkunft, Verweildauer und tatsächlichen Kosten hat die CDU an die Stadt geschickt.

Immer wieder gab es an dem Abend Unterstützungsangebote und Fragen nach Möglichkeiten, zu spenden. Kleidung oder Spielzeug, die von einigen Bürgern angeboten wurden, könnten derzeit nicht angenommen werden, sagte Harald Mutke vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe. Er appellierte jedoch an alle Bürger, die Spenden weiter vorzuhalten, denn es sei absehbar, dass schon bald wieder Kleidung, Spielzeug oder Toilettenartikel benötigt würden.

Wie die Situation sich knapp eine Woche nach Ankunft der 120 Flüchtlinge in der Notunterkunft darstellt, soll in einer Informationsveranstaltung des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe am Mittwoch, 16. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Auferstehungskirche an der Spicher Straße mitgeteilt werden. Dort werden auch weitere Hilfsangebote aufgenommen.

Auf den Internetseiten der Stadt (www.niederkassel.de), der Kirchen und des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe wird über das Spendenkonto und weitere Details informiert.

Vorbereitungen in der Dreifachturnhalle

Gut vorbereitet ist die Stadt auf die Ankunft der Flüchtlinge. Feldbetten hatte Bürgermeister Stephan Vehreschild schon vor drei Wochen geordert. Am Montagabend wurde die Dreifachturnhalle komplett geräumt, Dienstagmorgen der Fußboden mit Folie ausgelegt. Fünf Waschmaschinen und fünf Trockner wurden installiert sowie eine Außentoilette aufgestellt.

Bevor Flüchtlinge die Halle betreten, werden sie erfasst sowie von drei DRK-Notärzten einer medizinischen Begutachtung unterzogen. Jeder Ankömmling bekommt einen Ausweis mit Foto, Namen und Adresse. Zudem gibt es ein Taschengeld (30 Euro für Erwachsene, 15 Euro für Jugendliche) sowie einen Stadtplan. Danach werden die Betten zugewiesen. DRK und Mitarbeiter des Sozialamtes sind vor Ort.

Bettbezüge, Handtücher, Toilettenartikel und Windeln gehören zum Erstausstattung, die die Flüchtlinge bekommen und in Koffer packen können, die ebenfalls ausgegeben werden. Der Zutritt zur Halle ist nur mit entsprechendem Ausweis möglich.