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Vierbeiner müssen im Rhein-Sieg-Kreis fast überall an die Leine genommen werden

Vierbeiner müssen im Rhein-Sieg-Kreis fast überall an die Leine genommen werden

"Irgendwo müssen meine Hunde doch frei herumlaufen können", sagt Birgit D., die mit ihren beiden Golden Retrievern Aramis und Silas regelmäßig in den Siegauen spazieren geht. Die Hundeliebhaberin weiß, dass sie dort oder etwa in den ebenfalls bei Hundehaltern beliebten Aggerauen ihre Vierbeiner eigentlich an der Leine führen muss. Denn die beiden Flussniederungen stehen unter Naturschutz. Deshalb gibt es regelmäßige Kontrollen von Ordnungsamt und Landschaftswarten.

In Naturschutzgebieten gelten bekanntermaßen Leinenzwang und Wegegebot. Das heißt, Hunde müssen an die Leine und Mensch und Hund müssen auf den Wegen bleiben. Angeleint werden müssen Hunde laut Landeshundegesetz grundsätzlich in Fußgängerzonen und Bereichen mit hohem Publikumsverkehr.

Auch in Parks und Grünanlagen müssen die Tiere an die Leine, eine Ausnahme bilden besonders gekennzeichnete Hundefreilaufflächen - und die sind rar gesät oder liegen häufig weitab vom Schuss.

In Sankt Augustin befindet sich die Hundewiese in Niederpleis zwischen Schulstraße, Autobahn und Pleisbach. Den Vierbeinern wird mit 10.000 Quadratmetern zwar ein üppiges Areal geboten, aber dafür liegt es weit abseits. Für die meisten Augustiner ist die Hundewiese nur mit dem Auto zu erreichen. Im wesentlich zentraler gelegenen Pleiser Park gilt dagegen die Leinenpflicht.

Etwas einfacher haben es die Siegburger. Der Freilauf für die Hunde ist zentral am Osthang des Michaelsberges, dort wo bei Schnee auch gerodelt wird. Mit 7500 Quadratmetern hat das Areal eine ausreichende Größe.

Über die gleiche Fläche verfügt die Hennefer Hundewiese im Park zwischen dem Schulzentrum an der Fritz-Jacobi-Straße und Autobahn. Allerdings ist sie nur für die Hundefreunde aus Geistingen zu Fuß erreichbar, die Tierhalter aus dem Zentralort müssen ins Auto steigen.

Vor allem in den bei Spaziergängern und Hundehaltern so beliebten Flussauen und Naturschutzgebieten sind freilaufende Hunde eine Gefahr für andere Tiere. "Die Vierbeiner", so Achim Baumgartner, Kreisvorsitzender des BUND, "werden von vielen Wildtieren nun einmal als Raubtiere wahrgenommen.

Darüber hinaus wird die Ruhe seltener Brutvögel an den Ufern der Sieg von der Stöberlust der Hunde gestört". Die Folge sei, dass viele Vögel ihre Gehege verlassen, ohne dass sich die Hundebesitzer daran stören. "Wenn selbst im Naturschutzgebiet keine erfolgreiche Brut mehr möglich ist", so Baumgartner, "dann läuft etwas grundlegend falsch." Bester Beweis sei die Tatsache, dass schon jetzt aufgrund der häufigen Störungen seltene Entenarten von den Ufern der Sieg verschwunden seien.

"Die Situation ist besorgniserregend", sagt auch Bernd Zimmermann, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde beim Rhein-Sieg-Kreis. "Immer wieder lassen Hundehalter ihre Hunde im Naturschutzgebiet frei laufen, was verheerende Auswirkungen haben kann." So wurden im vergangenen August elf Schafe im Siebengebirge Opfer der Attacken von frei laufenden Hunden.