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Alanus Hochschule: Studierende gestalten Kunstwerk für Mayschoß

Projekt der Alanus Hochschule : Ein künstlerisches Zeichen der Hoffnung für Mayschoß

Sie ist nicht für die Ewigkeit gedacht, die künstlerische Installation auf dem Brunnenplatz in Mayschoß. Das Werk von 15 Studierenden der Alfterer Alanus Hochschule soll dem von der Flut sehr stark betroffenen Ort Hoffnung geben.

Der Brunnenplatz in Mayschoß war ein beliebter Treffpunkt im Ort. Rings um den Brunnen spendeten Bäume im Sommer Schatten. War, denn von der Idylle ist nach der Flut vom 14./15. Juli nicht viel übrig geblieben. Die Wassermassen rissen Bäume mit und zerstörten Teile des Kriegerdenkmals. Zurück blieb ein trauriger Ort, der die ganze Tristesse nach der Katastrophe symbolisiert.

Damit wollten sich 15 Studierende der in Alfter beheimateten Alanus Hochschule nicht abfinden. Unter der Leitung von Willem-Jan Beeren, Professor für Architektur und Kunst, setzten sie ein ungewöhnliches Kunstprojekt um: ein aus 600 Dachlatten zusammengeschraubtes Baum-Ensemble, das in der Dunkelheit von innen beleuchtet wird. Das Licht als Zeichen der Hoffnung.

Bäume aus Dachlatten

Den Impuls für das Projekt lieferte eine ehemalige Mitarbeiterin des Professors, die in Mayschoß lebte. Beeren beschäftigt sich und seine Studierenden schon seit längerem mit Kunst im öffentlichen Raum. „Es geht um Gestaltung und Inszenierung an einem konkreten, passenden Ort“, erläutert er im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Bei den Überlegungen für ein Kunstwerk in Mayschoß kam ihm ein Projekt in den Sinn, das er vor Jahren auf dem Gelände der Alanus Hochschule verwirklicht hatte: künstliche Bäume. Diese Bäume, bestehend aus Hunderten von zwei Meter langen zusammengebauten Dachlatten aus dem Baumarkt „pflanzte“ er damals auf der Wiese zwischen dem Hochschulgebäude und der angrenzenden Landstraße.

Stofflicher Kreislauf

Von diesen Latten waren im Materiallager der Hochschule noch jede Menge übrig. Und so schlug der Professor den Studierenden seines Master-Studiengangs das Baum-Projekt vor. Es symbolisiert einen stofflichen Kreislauf: Aus lebenden Bäumen entstehen Dachlatten, aus Dachlatten künstliche Bäume. Die Gebilde sind nicht für die Ewigkeit gedacht, räumt Beeren ein. Es handele sich um temporäre Kunst, die sich, Wind und Wetter ausgesetzt, mit der Zeit verändert. Die jetzt noch hellen Bäume werden Patina ansetzen, andere Farben annehmen, auch an Stabilität verlieren. „Bevor sie dann irgendwann auseinander brechen, werden sie abgebaut“, kündigt Beeren an.

Ehe die Studierenden sich vor drei Wochen ans künstlerische Werk machten, packten sie im Ort mit an, halfen dabei, die Ahrauen in Richtung Rech zu säubern. Auch der Professor hatte einen besonderen Zugang zum Projekt an diesem besonderen Ort: Beeren selbst ist daheim in Erftstadt auch von der Flut betroffen, „allerdings bei weitem nicht so schwer wie die Bürger von Mayschoß“, sagt er. „Das konnte ich mir zunächst kaum vorstellen.“

Neue Beziehung zur Ahr

Nun ist das aus statischen Gründen im Geäst verbundene dreistämmige Baum-Ensemble der erste Teil der Neugestaltung des Brunnenplatzes. Auf der Natursteinmauer befestigten die jungen Leute Sitzgelegenheiten, sodass die Bürger von Mayschoß und Besucher dort wieder Platz nehmen und auf die Ahr blicken können, die derzeit wieder friedlich in ihrem Bett dem Rhein entgegen plätschert.

„Uns ging es darum, dass an diesem Platz eine neue Beziehung zur Ahr gebildet wird“, sagt Beeren. Die Aufenthaltsqualität soll wieder im Mittelpunkt stehen, weniger der zerstörte Platz. Dabei sei er anfangs durchaus skeptisch gewesen, ob diese Gedanken so kurz nach der Katastrophe vermittelbar gewesen seien, „so nach dem Motto ‚Wir haben derzeit andere Sorgen als Kunstobjekte an der Ahr’.“ Aber, so berichtet der Professor weiter, er habe inzwischen viel positive Resonanz bekommen. Und damit habe das Projekt seinen Zweck erfüllt: „Die Menschen an der Ahr sollten wenigstens ab und zu auf andere Gedanken kommen.“