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Alfter: Eiche für Mehrfamilienhaus gefällt - Erfolgloser Protest

Protest erfolglos : Eiche in Alfter für Wohnhaus gefällt

Seit Monaten protestieren Anwohner in Alfter gegen ein Bauprojekt und für den Erhalt einer Eiche. Obgleich der Baum nun gefällt ist, wollen sie nicht aufgeben.

Im Streit um das Bauvorhaben am Alfterer Strangheidgesweg und den Erhalt einer rund 80 Jahre alten Eiche sind am Donnerstag unwiderrufliche Fakten geschaffen worden. Am Donnerstagmorgen waren Arbeiter angerückt, um den Baum zu fällen. Nach rund zwei Stunden war das Schicksal der Eiche besiegelt – und der Kampf der Anwohner um den Schutz des Baumes verloren.

Wie berichtet, protestieren Anwohner seit Monaten gegen den Plan eines privaten Investors, auf der Fläche am Strangheidgesweg ein Haus mit sieben öffentlich geförderten, also preisgünstigen, Wohnungen zu bauen – wofür nun der Baum gefällt wurde. Die Anwohner um Michael Anders hatten rund 1000 Unterschriften zum Schutz des Baums gesammelt und bereits im vergangenen Jahr an Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher übergeben.

Warten auf den neuen Spielplatz

„Wir haben schweigend dabeigestanden, als der Baum gefällt wurde“, sagte Anders am Donnerstagmittag dem General-Anzeiger. Eine Handvoll Menschen hätte die Arbeiten verfolgt. Es tue ihm so leid um den Baum und den Spielplatz, sagte Anders weiter. Besagter Spielplatz auf der Fläche wurde bereits vor geraumer Zeit abgebaut, allerdings wurde den Anwohnern von der Gemeinde ein neuer Spielplatz in einem nahegelegenen Neubaugebiet versprochen. Dieser ist allerdings noch nicht gebaut.

Von den Geräuschen der Maschinen sei sie wach geworden, berichtete eine andere Anwohnerin dem GA. Sodann sei sie nachschauen gegangen, was vor sich geht. Sie sei traurig, dass der Baum nicht stehen geblieben ist, so die Anwohnerin weiter. Für sie stehe die Eiche symbolisch für alle Bäume im Ringen um den Umweltschutz.

Wie berichtet, hatte Anders in der vergangenen Woche dem GA mitgeteilt, dass die Anwohner gegen die Baugenehmigung für das Mehrfamilienhaus klagen wollen. Aus Sicht der Anwohner ist das Gebäude viel zu massiv geplant. „Wir wollen weiter gegen die Baugenehmigung vorgehen“, sagte Anders am Donnerstag. „Das sind wir dem Baum schuldig.“ Das Bauaufsichtsamt des Rhein-Sieg-Kreises hatte am vergangenen Freitag die Baugenehmigung für das Mehrfamilienhaus erteilt.

Kreis sieht keine Hinderungsgründe

Es hätten keine baurechtlichen Hinderungsgründe mehr vorgelegen, nachdem unter anderem das Artenschutzgutachten für die Eiche vorgelegen habe, hatte es geheißen. Der Kreis ist die für die kreisangehörigen Gemeinden zuständige Genehmigungsbehörde bei Bauvorhaben. Dazu wird bei Bauanträgen die Zustimmung der Gemeinde eingeholt, allerdings ist die Bauaufsichtsbehörde des Kreises nicht an eine positive oder negative Stellungnahme gebunden.

Das Einvernehmen seitens der Gemeinde Alfter liegt allerdings vor. Mit großer Mehrheit – bei zwei Gegenstimmen von den Freien Wählern und zwei Enthaltungen aus den Reihen der Grünen – hatte der Ausschuss für Gemeindeentwicklung das Einvernehmen am Dienstag vergangener Woche erteilt. Auf Antrag der Grünen wurde zusätzlich beschlossen, dass nicht nur der Investor sieben Bäume als Ersatz pflanzen muss, sondern auch die Gemeinde.

Kritik von Freien Wählern und Grünen

Zuvor hatten Freie Wähler und Grüne erneut die Verwaltung und Bürgermeister Schumacher dafür kritisiert, dass die Fällung der Eiche aus ihrer Sicht gezielt vorangetrieben worden sei, ohne auf den Konflikt zwischen Baum und Wohnhaus hingewiesen zu haben. Besagte Flächen hatte die Gemeinde an den Investor vor einigen Jahren verkauft, ein Beschluss des Alfterer Gemeinderats sieht öffentlich geförderten Wohnbau an der Stelle vor.

Nach der Alfterer Baumschutzsatzung musste die Fällung der Eiche bei der Gemeindeverwaltung beantragt werden. Nach Angaben von Alfters Gemeindesprecherin Maryla Günther hatte der Investor die Fällung am 21. September 2020 beantragt.

Die Fällgenehmigung wurde am Mittwoch vergangener Woche – also nach der Alfterer Ausschusssitzung erteilt. Dies laut Günther unter dem Vorbehalt, dass eine Baugenehmigung durch den Rhein-Sieg-Kreis vorliegt, was wiederum zwei Tage später der Fall war. Der Investor und der Architekt des Bauvorhabens am Strangheidgesweg waren am Donnerstag für eine Stellungnahme erneut nicht zu erreichen.