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Alfter: Heimatverein trotzt Vandalismus

Aussichtspunkt „Böhling“ : Alfterer Heimatverein trotzt Vandalismus

Während das interne Vereinsleben coronabedingt ruht, haben die Mitglieder des Alfterer Heimatvereins draußen viel zu tun. Sie kümmern sich um zwei Aussichtspunkte und einen Park, die immer wieder von Vandalismus betroffen sind. Vorsitzender Georg Melchior erzählt, warum und wie der Verein trotzdem weitermacht.

Es herrscht ein reges Kommen und Gehen am Böhling, dem beliebten Ausflugsziel oberhalb von Alfter-Ort, der dem Heimatverein Alfter gehört. Die Vereinsfahne, traditionell am Karsamstag gehisst, weht im Wind, die Sonne strahlt und trotz der leicht diesigen Sicht blickt man vom Aussichtspunkt weit über die Köln-Bonner Bucht bis ins Bergische, das Siebengebirge und hinein ins Drachenfelser Ländchen. Deutlich zeichnet sich die „Kugel“, die Radarkuppel bei Berkum, am Horizont ab.

„Der Böhling, das ist weit mehr als der Aussichtspunkt mit seinen Wegen und Bänken“, berichtet Georg Melchior, der 66-jährige Vereinsvorsitzende. Das Privatgelände, das der Verein der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, umfasst mit seinen 8000 Quadratmetern den halben Berghang. Das bedeutet viel Arbeit für die Ehrenamtler, die die Wege verkehrssicher sowie Bänke und Treppe instand halten, die Mülleimer täglich entleeren und den Platz säubern. Aktuell müssen dort die Wege neu gemacht, die Treppe repariert und zwei große abgestorbene Bäume gefällt werden. Der regelmäßige Totholzschnitt und die Baumfällarbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch. Der Bewuchs angrenzender Grundstücke muss ebenfalls in Schach gehalten werden, weil der dortige Baumbestand die Sicht einschränken würde.

Verein investiert viel Geld und Zeit

Zusätzlich investieren die Mitglieder des Heimatvereins viel Geld und Zeit, um die durch Vandalismus entstandenen Schäden zu beseitigen. Der Böhling und der ebenfalls dem Verein gehörende Wahlenpark sind beliebte Treffpunkte bei Jugendlichen, um zu feiern und zu grillen. Oftmals sind die Plätze danach völlig vermüllt und die Brandgefahr bei Trockenheit wird unterschätzt, so dass sogar schon die Feuerwehr zu Nachlöscharbeiten ausrücken musste.

Was motiviert die Ehrenamtler, wie den Vereinsvorsitzenden Georg Melchior, weiterzumachen, obwohl ihre eigene Arbeit von manchen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wird, Bänke zerstört, Schilder zerkratzt und besprüht oder Poller umgetreten werden? „Für das Lächeln und die Anerkennung der anderen. Das sind Sachen, die man sich nicht kaufen kann. Das ist so schön, dafür lohnt sich jeder Einsatz“, sagt Melchior. Der großen, friedlichen Mehrheit, den tobenden Kindern auf dem Spielplatz, den Spaziergängern und Radfahrern, die an den Bankanlagen Rast einlegen, oder die am Böhling das Panorama genießen, möchte der Verein diese Erholungs- und Ausflugsmöglichkeiten erhalten.

Neue Projekte

Es kommt noch mehr Arbeit auf die Mitglieder zu. Erst diesen Monat hat der Verein ein 3000 Quadratmeter großes, an den Wahlenpark angrenzendes Grundstück erworben, auf dem der Borkenkäfer den Fichtenbestand schwer beschädigt hat. Sobald eine Holzerntemaschine in der Umgebung verfügbar ist, wird das Gelände gerodet, um es danach wieder aufzuforsten. Bei der Auswahl der circa 600 neuen Setzlinge, die den Auswirkungen des Klimawandels und Schädlingen standhalten sollen, berät Revierförster Frank Mayer den Verein. „Außerdem wollen wir spätestens Anfang 2022 das Wegenetz im Wahlenpark erneuern und langfristig gibt es Bestrebungen, dort einen Baumlehrpfad zu errichten“, so Melchior.

Es wird also trotz Corona nicht langweilig. Denn obwohl der interne Vereinsbetrieb ruht, weil keine Hauptversammlungen und Abstimmungen stattfinden können und die Vermietung des Grillplatzes im Wahlenpark weitestgehend wegfällt, haben die knapp 500 Mitglieder alle Hände voll zu tun. Sie kümmern sich auch um die zehn Wegekreuze und 64 aufgestellten Bänke rund um Alfter, die zwar der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, aber alle dem Heimatverein gehören und durch seine Mitgliedsbeiträge finanziert werden.