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Alfter - Neubaugebiet: Witterschlicker warten seit sechs Jahren auf Fußweg

Neubaugebiet „Gartenweg“ : Anwohner in Alfter warten seit sechs Jahren auf Fußweg

Das Neubaugebiet „Gartenweg“ soll eigentlich eine sichere Anbindung an den Witterschlicker Ortskern erhalten. Nach Jahren ist der Weg aber immer noch nicht gebaut. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Der Begriff „Neubaugebiet“ passt für den Bereich um die Straßen Am Missionskreuz und Gartenweg in Witterschlick eigentlich nicht mehr. Der zugrundeliegende Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 2014, die Häuser sind seit Jahren bezogen, die Straßen fertiggestellt. Wobei: Auf einen Weg trifft das nicht zu. Seit Jahren warten die Anwohner auf einen von der Gemeinde versprochenen Verbindungsweg aus dem Neubaugebiet hin zur Duisdorfer Straße, also auch in Richtung Grundschule und Bahnhof.

An diesem Donnerstag wird sich der Alfterer Gemeinderat erneut mit dem Rad- und Fußweg beschäftigen. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass das Vorhaben beerdigt wird. Schließlich schlägt die Gemeindeverwaltung dem Rat drei Alternativen in Sachen Weg vor: ihn in den Haushaltsjahren 2021/22 zu bauen oder in den Haushaltsjahren 2023/24 oder das Projekt derzeit nicht weiter zu verfolgen. Der letzte Vorschlag hat mit den Kosten für den Weg zu tun. Nach Darstellung der Gemeinde reichen die im Jahr 2019 berechneten rund 300.000 Euro nämlich nicht mehr aus. Mittlerweile taxiert die Gemeinde die Bauarbeiten auf rund 450.000 Euro.

Und warum ist das so? Alfters Gemeindesprecherin Maryla Günther weist darauf hin, dass der Rad- und Fußweg neben dem Betriebsgelände der Deutschen Steinzeug verlaufen würde. Da das Unternehmen dort beladene Paletten bis zum Abtransport lagere, müsse eine Absturzsicherung und ein Anprallschutz zum Weg hergestellt werden, um die gefahrlose Benutzung zu gewährleisten.

Zusätzliche Kosten durch Schutzmaßnahmen

Nach Prüfung durch einen Statiker sei eine aufwendige Stahlrahmenkonstruktion notwendig, die die beim Umkippen einer Palette auftretenden Kräfte aufnimmt und den Absturz von Material auf den Gehweg verhindert, so Günther weiter. „Die zusätzlichen Kosten entstehen durch die hohen Schutzmaßnahmen, die an dieser Stelle umgesetzt werden müssen“, führt die Sprecherin weiter aus – betont aber auch, dass die Gemeindeverwaltung grundsätzlich an dem Vorhaben festhalte. „Der Verwaltung ist es wichtig, die absehbar steigenden Kosten zur Beratung in den Gremien vorzulegen und, wenn gewünscht, auch Alternativen anzubieten.“

Für Levke Sörensen und die anderen Anwohner des Neubaugebiets wird über eine Sache verhandelt, „die eigentlich nicht mehr verhandelbar ist“, so Sörensen. Die Witterschlickerin engagiert sich als Ansprechpartnerin der Anlieger seit Jahren für den Weg, den die Anwohner mit ihren Erschließungsbeiträgen im Voraus mitfinanziert hätten, wie sie sagt. „Wir warten nun schon seit sechs Jahren auf die Realisierung dieses Verbindungswegs, dessen Bau immer wieder mit den unterschiedlichsten Begründungen verschoben wurde“, führt Sörensen aus. Sie kritisiert, dass die Flächen für den Weg nicht bereits bei der Aufstellung des Bebauungsplans gekauft wurden und damals auch keine Kostenschätzung erfolgte.

Mit dem Weg würde etwa der Schulweg aus dem Neubaugebiet sicherer. Derzeit müssen die Kinder entlang der viel befahrenen Hauptstraße zur Schule gehen. Sörensen: „Der Schulweg unserer Kinder ist hochgefährlich, drei Gefahrenstellen wurden explizit durch einen unabhängigen Gutachter ausgewiesen.“

Weg auch für Senioren wichtig

Ihren Angaben nach werden ab Sommer insgesamt 17 Grundschulkinder aus dem Wohngebiet auf dem Weg zur Grundschule und mindestens neun Kinder weiterführender Schulen auf dem Weg zum Bahnhof oder Bus über die Hauptstraße gehen müssen. Weitere 30 Kinder besuchen in den kommenden Jahren die Grundschule.

Wichtig wäre der Weg aber auch für die dort wohnenden Seniorinnen und Senioren, die dann teils mit Gehhilfen nicht mehr über die Hauptstraße in die Ortsmitte gehen müssten. Laut Sörensen dient der Verbindungsweg aber nicht nur den Bewohnern des Neubaugebiets, sondern wäre eine deutlich sicherere Anbindung des gesamten nordöstlichen Ortsteils an die Infrastruktur Witterschlicks. „Unseres Erachtens besteht nicht nur ein Rechtsanspruch auf eine vollständige Erstellung der öffentlichen Erschließungsanlagen eines Bebauungsplans durch den Erschließungsträger, sondern auch eine moralische Verpflichtung der Politik“, so die Anwohnerin.

Der Alfterer Rat tagt an diesem Donnerstag ab 18 Uhr im Ratssaal. Aufgrund der Corona-Beschränkungen ist eine Anmeldung erforderlich: ratsbuero@alfter.de oder ☏ 0228/64-84-137.