Ansteckende Blutarmut Auf der Suche nach dem Virus

ALFTER/BONN · Tierärzte nehmen Blutproben in der Region. 2039 Pferde werden auf Infektiöse Anämie überprüft, allein 1400 in NRW. Anlass ist ein Fohlen, das im August an der Krankheit erkrankt war und zuvor in einer Wachtberger Klinik behandelt worden war.

Falko lässt die Blutabnahme gelassen über sich ergehen. Für seine Besitzerin Barbara Frommhold bedeutet der Besuch der Tierärztin in dem Reitstall bei Alfter dagegen eine gewisse Anspannung. Ihr Wallach gehört zu den insgesamt 2039 Tieren, die nach der Erkrankung eines Pferdes in der Wachtberger Tierklinik am Kottenforst auf den Erreger der Ansteckenden Blutarmut (Infektiöse Anämie) bei Einhufern untersucht werden. Sollte der Erreger bei weiteren Pferden gefunden werden, müssen sie eingeschläfert werden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Wallach Falko hat eine Kolik-Behandlung in der Wachtberger Klinik im Februar dieses Jahres hinter sich. Damit gehört er zu einer der Risiko-Gruppen. Ein Schnelltest der Blutprobe soll nun Klarheit bringen, ob er sich während seines Aufenthalts dort angesteckt hat. Eine Woche dauert es, bis Besitzerin Frommhold das Ergebnis erfährt. "Das ist schon ziemlich lang", meint die Pferdehalterin. "Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sehr gering ist, macht man sich natürlich Sorgen."

Auch Falkos Stallgenosse Hobbit muss als ehemaliger Patient der Tierklinik zur Blutprobe. Seine Besitzerin Susanne Voß hat wie viele andere Pferdehalter in der Region einen Brief des Veterinäramtes erhalten. Sie sollte den Standort ihres Pferdes melden und wartet nun auf den Termin für die Untersuchung. Hobbit gehört aber offenbar zu den weniger dringlichen Fällen, da sein Klinikaufenthalt bereits fast drei Jahre zurückliegt. "Für die Untersuchungen habe ich Verständnis", sagt Voß. "Schließlich liegt es im Interesse aller Pferdehalter, dass sich solche Krankheiten nicht ausbreiten."

Bisher haben die Tests nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) keine weiteren Krankheitsfälle aufgedeckt. 2039 Tiere will das Amt insgesamt überprüfen, davon rund 1400 in Nordrhein-Westfalen. Aber ehemalige Patienten der Tierklinik Kottenforst leben heute auch in Russland, den USA, Saudi-Arabien und Qatar. "Die Ermittlungen sind daher recht aufwendig und werden wohl auch noch länger dauern", sagt Behördensprecher Eberhard Jacobs. Vier Pferde seien nach den ersten 600 Untersuchungen positiv getestet worden. Sie seien eingeschläfert worden.

Im August war ein Fohlen an der Blutarmut erkrankt, das zuvor in der Wachtberger Klinik behandelt worden war. Das Tier hatte dort Plasma von einem Spenderpferd übertragen bekommen, das als Quelle der Krankheit gilt.

Wie dieses Pferd sich wiederum angesteckt hat, sei bisher ungeklärt, so Klinikchef Carsten Rohde. "Das Spenderpferd stand seit Jahren bei uns im Stall", sagt der Tiermediziner. "Vielleicht zeigt ja nun die Reihenuntersuchung, wo das Virus herkommt."

Das Spenderblut und -plasma wurde in der Tierklinik nicht vor der Übertragung auf das Virus getestet. Dazu bestehe keine rechtliche Verpflichtung, so Rohde. Die Pferde der deutschen Olympiamannschaft, die Rohde betreut, seien nicht von der Reihenuntersuchung betroffen. Auch der Klinikbetrieb laufe weiter.

Hobbits Halterin Susanne Voß hofft nun, dass der Test eine Ansteckung ihres Pferdes ausschließt. Die begeisterte Reiterin besitzt ihr Pferd seit 13 Jahren. Der 25-jährige Warmblut-Wallach werde regelmäßig geritten und verbringe den restlichen Tag mit seinen Artgenossen auf der Weide. "Sollte er diese Krankheit haben, wäre das für mich eine Tragödie", sagt Susanne Voß.

Ansteckende Blutarmut

Die Pferdekrankheit Ansteckende Anämie (Blutarmut) tritt in Deutschland äußerst selten auf. Sie wird vor allem durch Blutübertragung weitergegeben. Bremsen oder Mücken können das Virus auf der Weide von einem Tier zum anderen tragen.

Die Krankheit kann über Jahre hinweg unerkannt bleiben. Erst bei besonderen Belastungen wie Stallwechseln oder Leistungsdruck vermehrt sich das Virus und die Pferde zeigen erste Anzeichen wie Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Ansteckende Anämie ist eine anzeigepflichtige Krankheit. Daher wird sie von staatlichen Stellen verfolgt und bekämpft.

Als möglicher Überträger des Virus werden immer wieder importierte Pferde aus Osteuropa genannt. Dort kommt die Krankheit deutlich häufiger vor. Die infektiöse Anämie betrifft ausschließlich sogenannte Einhufer wie Pferde, Esel oder Zebras. Menschen sind von der Krankheit nicht bedroht.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Das ist nicht das Ende
Kommentar zum Abwahlbegehren gegen Alfters Bürgermeister Das ist nicht das Ende
Zum Thema
Aus dem Ressort