Haus der Alfterer Geschichte Von Hexenverbrennung und Kirchenbauten - 400 Jahre Pfarrei Alfter

Alfter · Bis die Sankt-Matthäus-Pfarrkirche 1624 zu einer selbstständigen Pfarrei wurde, war es ein langer Kampf. Doch auch in den Jahrhunderten danach gab es in Alfter viel zu erleben. Eine Ausstellung zeigt nun die denkwürdige Geschichte der Pfarrei.

Das Rechercheteam umrahmt die Stahlhuth-Orgel: (von links) Jakob Köhn, Hertha Bauer, Irene Urff, Bärbel Steinkemper, Robin Huth, Holger Scherer

Das Rechercheteam umrahmt die Stahlhuth-Orgel: (von links) Jakob Köhn, Hertha Bauer, Irene Urff, Bärbel Steinkemper, Robin Huth, Holger Scherer

Foto: Jan-Oliver Nickel

Kirchengebäude dienen oft als Portale in längst vergangene Zeiten. Denn im Gegensatz zu vielen Wohnhäusern, die nach einigen Jahren oder Jahrzehnten verwittern und abgerissen werden, bleiben die Gotteshäuser oft über Jahrhunderte hinweg erhalten. Seit 1624 besteht die selbstständige Pfarrei Alfter, und somit kann die örtliche Kirchengemeinde in diesem Jahr ihr 400-jähriges Bestehen begehen.

Aus diesem Grund widmet sich eine Ausstellung im Haus der Alfterer Geschichte den Jahrhunderten der selbstständigen Pfarrei St. Matthäus mit ihren Pfarrern, sich verändernden Kirchenbauten und der Entstehungsgeschichte in der Zeit zuvor. Zudem wird den Besuchern anhand eines Kirchenpuzzles ein Einblick ins heutige Gemeindeleben gewährt. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 28. April, um 10.30 Uhr. Danach ist die Ausstellung bis zum 30. Juni geöffnet, jeweils donnerstags von 17 bis 19 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr.

40 Minuten Fußweg bis zur Eucharistie

Die Geschichte der Alfterer Kirche St. Matthäus beginnt vermutlich bereits vor dem 12. Jahrhundert mit einer Kapelle auf dem Kirchberg, die von einem fränkischen Gutsbesitzer errichtet wurde. Während sich um sie herum das Dorfleben entwickelte, übernahm sie auch die kirchlichen Dienste, nicht jedoch als selbstständige Pfarrei, sondern als Filialkirche der Pfarrei Lessenich.

Denn wie auf einer der Ausstellungstafeln zu lesen ist, legte Kaiser Karl der Große um das Jahr 800 herum fest, „welche Kirche innerhalb eines Gebietes zur Pfarrkirche mit dem Recht der Taufe, der Bestattung und der Aufbewahrung der heiligen Öle wurde.“ Unglücklicherweise für die Alfterer Kirche und die Gemeinde vor Ort fiel hierbei der Zuschlag dem kleineren Ort Lessenich zu. Somit wurde auch festgesetzt, dass die Abgaben in Form des Kirchenzehnt ebenfalls an die Pfarrei Lessenich zu entrichten waren. Wer in den folgenden Jahrhunderten an Taufen, Eheschließungen oder der Sonntagsmesse teilnehmen wollte, musste aus Alfter einen 40-minütigen Fußweg nach Lessenich hinter sich bringen, da dort unter anderem auch die heiligen Öle aufbewahrt wurden.

Von Orgelpfeifen und intensiver Rechercheleistung

Zudem wurden die Bürger aus Alfter nach ihrem Tod nicht daheim sondern auf dem Lessenicher Kirchhof bestattet. Dies änderte sich erst mit der Pfarrerhebung Alfters im Jahr 1624, doch bis dahin ereigneten sich noch zahlreiche Streitigkeiten und Gerichtsprozesse, die das Rechercheteam vom Haus der Alfterer Geschichte in Kooperation mit dem Matthäusrat sorgfältig dokumentiert hat.

„Manches, gerade aus der Vorgeschichte, ist in einem Buch über Alfter zu finden. Einem Geschichtsbuch über Einzelthemen in Alfter. Es gibt einen Kirchenführer, es gibt Kirchenliteratur, es gibt die Kirchenchronik“, berichtet die Vorsitzende des Fördervereins des Hauses der Alfterer Geschichte, Bärbel Steinkemper, dem GA. „Wir haben versucht aus allen Ecken etwas zusammenzutragen, was wir finden konnten.“ Zusätzlich sei auch noch im Internet recherchiert worden.

So entstand eine Ausstellung, in der zahlreiche Informationen zum historischen Werdegang der Pfarrei Alfter, wie auch ihrer Pfarrer, beginnend mit Hilger Düren, seit 1624 gesammelt wurden. Untermalt werden diese mit visuellen Exponaten wie einem originalen Kirchenfenster der alten Sakristei und verschiedenen Heiligenfiguren, die im Rahmen der Kirchen-Umgestaltung im Jahr 1964 aussortiert wurden.

Als Blickfang findet sich im Ausstellungsraum zudem zentral ein defekter Teil der alten Stahlhuth-Orgel der Kirche Sankt Matthäus aus dem Jahr 1941. Die restliche Orgel wurde 2008 grundlegend saniert. Beigefügt liegt eine Orgelpfeife, die dem Haus der Alfterer Geschichte nach einer Versteigerung geschenkt wurde. Für Architektur-Interessierte gibt es im Glaskasten zudem mehrere Modelle des Alfterer Kirchenbaus. Von einer rekonstruierten Version der alten Kapelle bis hin zur fertiggestellten Kirche.

Eine der wenigen Quellen für Hexenverbrennung in Bonn

Während Josef Hoff, der von 1962 bis 1974 in Alfter Pfarrer war, mindestens den älteren Besuchern noch ein Begriff sein dürfte, wurden auch über seine Vorgänger bis hin zu Hilger Düren einige Informationen zusammengetragen. Düren, der erste reguläre Pfarrer der selbstständigen Pfarrei Alfter, sei dabei für „die Geschichtswissenschaft vor allen Dingen im Rheinland von großer Bedeutung, weil er lange Zeit die einzige Quelle über wirkliche Hexenverbrennung hier in unserer Region“ gewesen sei, erklärt Robin Huth, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins.

1628 berichtete er dem Grafen Werner von Salm etwa in Briefen „von der Verhaftung und Verurteilung der als Hexe verdächtigten Bonner Wirtin Elisabeth Kurtzrock.“ Wer war die Frau, die einst das Gasthaus „Zur Blomen“ führte, dem heutigen „Em Höttche“ am Bonner Marktplatz? Und wie spielte sich die weitere Pfarrgeschichte in Alfter ab? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Interessierte ab dem 28. April im Haus der Alfterer Geschichte.

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