„Bibs für Kids“ Warum die Arbeiterwohlfahrt ihre Kitas mit Bibliotheken ausstatten will

Alfter-Oedekoven · In der Kita „Sonnenblume“ in Alfter-Oedekoven gibt es sie schon: Eine eigene Bibliothek, die bei Weitem nicht nur dazu dient, dass die Kinder jederzeit Bücher anschauen können. Mithilfe von Spenden will die Awo Bonn/Rhein-Sieg es schaffen, alle ihre 19 Kitas mit „Bibs für Kids“ auszustatten. Was dahinter steckt

 Eine Mini-Bücherei: Fachberaterin Nicole Klein zeigt den rollbaren und aufklappbaren Bücherschrank, der in der Awo-Kita "Sonnenblume" in Alfter-Oedekoven zur Ausleihe von Büchern dient.

Eine Mini-Bücherei: Fachberaterin Nicole Klein zeigt den rollbaren und aufklappbaren Bücherschrank, der in der Awo-Kita "Sonnenblume" in Alfter-Oedekoven zur Ausleihe von Büchern dient.

Foto: Antje Jagodzinski

Jeden Montag ist Ausleihe-Tag. Dann dürfen die Mädchen und Jungen der Kita „Sonnenblume“ in Alfter-Oedekoven sich einen Schmöker aus einem großen, aufklappbaren Bücherschrank aussuchen. In diesem Schrank werden die Titel gut sichtbar mit dem Cover statt dem Buchrücken präsentiert. Mittels eines einfachen Karteikartensystems, das auf Farben und Fotos der Kinder setzt, können die Kinder selbst hinterlegen, welches Buch sie für eine Woche mit nach Hause nehmen. Der rollbare Bücherschrank ist Teil der Kampagne „Bibs für Kids“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bonn/Rhein-Sieg. Unter diesem Titel möchte der Kreisverband mithilfe von Spenden nach und nach Bibliotheken in allen seinen 19 Kindertagesstätten in Bonn und dem Kreis einrichten.

Lesenlernen beginnt nicht erst mit dem Schuleintritt

„Es gibt Kinder, die vor einem Buch sitzen und versuchen zu wischen wie bei einem Tablet“, verdeutlicht Nicole Klein, Fachberaterin für Sprachförderung in den Awo-Kitas, warum es nötig sei, die Beschäftigung mit Büchern zu fördern. Und das schon früh, im Kleinkindalter, denn: „Lesen- und Schreibenlernen beginnt nicht erst mit dem Eintritt in die Schule.“ Es sei wichtig, dass Kinder schon in der Kitazeit erste vorbereitende Fähigkeiten erwerben könnten, etwa was ihren Wortschatz, das Hören von Lauten und das Bewusstsein für sprachliche Strukturen betreffe. Jüngste Bildungsstudien wie unter anderem die Pisa-Studie hätten gezeigt, dass viele Grundschüler keine ausreichende Lesekompetenz hätten.

„Wir möchten Kindern das Lesen wieder nahe bringen“, betont Awo-Vorsitzender Heinz-Willi Schäfer bei einem Pressegespräch in der Kita „Sonnenblume“. Die Einrichtung verfügrt bereits über eine eigene kleine Bibliothek mit einem gemütlichem Sofa, Kindersesseln sowie einem Tipi als gemütliche Leseecke und Rückzugsort. Jederzeit könnten die Kinder sich hier Bücher anschauen, sagt Klein. Gemeinsam mit den Erziehenden suchten sie auch regelmäßig neuen Lesestoff für die einzelnen Gruppen aus.

 Die Kita "Sonnenblume" in Alfter-Oedekoven hat bereits eine eigene kleine Bibliothek mit einem Tipi als Lese-Ecke.

Die Kita "Sonnenblume" in Alfter-Oedekoven hat bereits eine eigene kleine Bibliothek mit einem Tipi als Lese-Ecke.

Foto: Antje Jagodzinski

Als Einrichtung mit dem Gütesiegel „Buchkita“, das eine Initiative von Buchhandlungen und Bibliotheken in Deutschland vergibt, stehe in der Kita „Sonnenblume“ die Lese- und Sprachentwicklung von Kindern besonders im Fokus, erklärt Klein. So gebe es auch eine Zusammenarbeit mit einer nahe gelegenen öffentlichen Bücherei, gelegentlich ein Bilderbuchkino mit Leinwand und Popcorn sowie im Bibliotheksraum ein Erzähltheater mit einem sogenannten Kamishibai. In diesen Holzkasten mit klappbaren Türen können die Erziehenden Bildkarten stecken, die dann wie in einem kleinen Kino oder Theater sichtbar werden. Anhand dessen könnten die Fachkräfte die Geschichte zu den Bildern erzählen, und es böten sich viele schöne Gesprächsanlässe mit den Kindern, erklärt Klein.

Auch das Lesen zu Hause fördern

Der rollbare Bücherschrank für die wöchentliche Ausleihe, der auch mehrsprachige Titel enthält, habe wiederum auch den gewünschten Nebeneffekt, dass nicht nur die Kinder sich mit den Büchern befassten, sondern sie mit nach Hause brächten: „Das hat schon einen Aufforderungscharakter für die Eltern.“ Denn auch dass in den Familien mehr gelesen werde, gelte es zu fördern, ist dem Awo-Vorsitzenden Schäfer wichtig. Vier der 19 Awo-Kitas in Bonn und dem Kreis hätten solche Bücherschränke schon, die laut Klein jeweils rund 1300 Euro kosten. Der Wunsch sei, alle Kitas damit auszustatten, ebenso wie mit einer eigenen kleinen Bibliothek oder je nach räumlichen Möglichkeiten zumindest einer Bibliotheksecke, so Schäfer. Auf rund 70.000 Euro schätzt die Awo den Bedarf dafür.

Eine erste Spende, um das Anliegen zu unterstützen, gibt es aus dem kleinen Ort Breidt in Lohmar: Die Initiative „Weihnacht em Dörp“, die seit 2006 jedes Jahr ein Weihnachtsprogramm für gute Zwecke aufführt, unterstützt das Vorhaben mit 3500 Euro. Vor allem die nachhaltige Wirkung des Projekts habe die Initiative überzeugt, so Sprecher Uwe Deger. Nun solle unter anderem die Kita „Sternschnuppe“ in Lohmar zu den fünf Kitas gehören, in denen die Awo mit der Umsetzung von „Bibs für Kids“ beginnen möchte, sagt Fachberaterin Klein. Auch per Flyer wirbt die Awo nun um Spenden und bemüht sich um die Zusammenarbeit mit Buchhandlungen. Mit der Bonner Kinder- und Jugendbuchhandlung „Der kleine Laden“ sei bereits eine Liste für eine geeignete Grundausstattung der Kita-Bibliotheken erstellt worden.

Weitere Infos auf www.awo-bonn-rhein-sieg.de

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