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82-Jährige half bei der Festnahme: Bonner Landgericht verurteilt falsche Polizisten

82-Jährige half bei der Festnahme : Bonner Landgericht verurteilt falsche Polizisten

Sie waren als Teil einer aus der Türkei gelenkten Bande darauf spezialisiert, Seniorinnen am Telefon einzuschüchtern und ihr Geld zu ergaunern. Bis eine 82-Jährige aus Alfter sie in die Falle lockte. Drei falsche Polizisten sind jetzt in Bonn zu Haft- oder Geldstrafen verurteilt worden.

Die drei Angeklagten gehörten zu einer Bande, die als falsche Polizisten vor allem älteren Frauen das Geld aus der Tasche zieht. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Angst, die sie den Opfern machen und sie dazu bringen, ihr Geld herauszugeben. Zwei der Angeklagten hatten die Aufgabe, dieses Geld bei den Opfern abzuholen.

Am Freitag verurteilte sie die 1. Große Strafkammer des Bonner Landgerichts wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in drei Fällen und versuchten Betrugs in zwei Fällen und schickte den 26-jährigen Angeklagten für vier Jahre und drei Monate, den 24-jährigen Komplizen für drei Jahre und neun Monate in Haft. Der Dritte im Bunde kommt wegen Beihilfe zum Versuch in einem Fall mit 4500 Euro Geldstrafe davon.

Oberstaatsanwalt Patrick Wilhelm ist anzusehen, dass er die Strafen zu niedrig findet: Er hatte für die zwei Haupttäter sechseinhalb Jahre Haft gefordert.

Drahtzieher rufen aus dem Ausland an

Wie Kammervorsitzender Jens Rausch ausführte, geht die Organisation, deren Drahtzieher in der Türkei sitzen, nach einer perfiden Masche vor: Die Opfer, meist alleinstehende Seniorinnen, erhalten den Anruf eines angeblichen Polizisten, der ihnen eine angsteinflößende Geschichte erzählt.

In der Nachbarschaft würden sich Einbrecherbanden herumtreiben. Man habe einige gefasst und bei ihnen Listen gefunden, auf denen auch ihr Name stehe. Deshalb solle sie zur Sicherheit ihr Bargeld sowie ihren Schmuck zusammensuchen und ihr Bargeld bei der Bank abheben und der Polizei zur Verwahrung geben, bis es wieder sicher sei.

„Hat der Fisch angebissen“, so Richter Rausch, „wird die Schnur angezogen.“ Dann werde dem Opfer erklärt, gleich komme ein Beamter vorbei und hole das Geld ab. Die Masche sei dabei, so lange auf die Opfer am Telefon einzureden, bis der falsche Beamte, der sogenannte Läufer der Organisation, klingele und das Geld in Empfang nehme.

Opfer um insgesamt 170.000 Euro erleichtert

Die beiden Hauptangeklagten waren die Läufer, die in Deutschland auf die Anrufe der Hintermänner aus der Türkei warteten. Vier Seniorinnen übergaben ihnen aus Angst ihr ganzes Geld, insgesamt 170.000 Euro.

Dass die Angeklagten geschnappt wurden, ist einer 82-jährigen Frau aus Alfter zu verdanken: Als sie am 2. März angerufen wurde, merkte sie, dass etwas nicht stimmte. Sie alarmierte die echte Polizei, und die griff zu, als die Täter am Haus abkassieren wollten.

Das Gericht hielt den Angeklagten nun zugute, dass sie geständig und innerhalb der Bande nur die kleinen Fische waren, die für ihre Läuferdienste jeweils 1000 Euro erhielten. Den großen Gewinn machten die unbekannten Hintermänner in der Türkei, denen das Geld geschickt wurde.