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Brombeerwein als Alfter: Ein frisches Image fürs Rebellenblut

Brombeerwein als Alfter : Ein frisches Image fürs Rebellenblut

Die Produzenten wollen das Erscheinungsbild des bekannten Brombeerweins aus Alfter entstauben. Ideen dafür haben sie einige.

Wer Lastwagen mit der Aufschrift „Flüssig Liebe“ durchs Vorgebirge fahren sieht, sollte einmal genauer hinschauen. Zwischen den beiden Wörtern entdeckt man dann zwei gekreuzte Weinflaschen, eine stilisierte Brombeere und den Schriftzug „Rebellenblut“.

Das ist Teil der neuen Vermarktungskampagne, die Dirk und Bastian Schwadorf für das Traditionsgetränk aus Alfter aufgelegt haben. Denn um das einst vom Alfterer Landwirt Wilhelm Maucher erfundene Getränk zukunftsfähig zu machen, wird die Marke neu aufgestellt.

Heutzutage produziert Familie Schwadorf das Getränk, das man in Alfter und Umgebung hinlänglich kennt und das auch seine Fans hat.

Die Zielgruppe werde aber immer älter, sagt Dirk Schwadorf, und kleiner. Irgendwann würde sich die Herstellung nicht mehr lohnen. Doch es wäre schade um das Rebellenblut, das Schwadorf als ein Aushängeschild für Alfter und das Vorgebirge erachtet.

Landwirt und Pazifist: Wilhelm Maucher (1903-1993). Foto: Wolfgang Henry

Erstes Experiment im Sommer des vergangenen Jahres

Bereits im Sommer 2019 wagte Familie Schwadorf ein Experiment: Sie brachten den Brombeerspritz auf den Markt: perlend, frisch, weniger Alkohol als das Originalprodukt.

„Das schoss von null auf 100“, stellten sie fest. Im Herbst des vergangenen Jahres legten sie nach, mit Brombeer-Glühwein – eine Idee, die schon vor rund 25 Jahren auf dem Bonner Weihnachtsmarkt gut angekommen und dementsprechend schnell vergriffen war.

Die Schwadorfs sind überzeugt: „Da ist noch Potenzial.“

Sodann suchten sie nach einer geeigneten Werbeagentur und fanden das Bonner Büro Sons. Gemeinsam erarbeitete man das neue Vermarktungskonzept, das vor allem junge Leute ansprechen soll. Etwa mit Slogans wie „Gähn oder geil“, den man jetzt vermehrt im Getränkehandel sieht, oder „100% Leben“.

Auch die Flaschen sind neu

Gerade letzteres erscheint Dirk Schwadorf in Coronazeiten passend. Das Familienunternehmen beliefert normaler­weise Karnevalsvereine mit individuell bedrucktem Wurfmaterial. Dieser Geschäftszweig fällt in dieser Session weg. Schwadorf: „Wir können momentan alle nicht leben wie gewohnt, aber mit Rebellenblut erreichen wir 100 Prozent.“

Auch das Etikettendesign mit altbackener Brombeer-Abbildung und Frakturschrift, das gut 20 Jahre lang die Flaschen zierte, funktioniere nicht mehr, wenn man jüngere Menschen erreichen wolle, sagt er weiter. Der neue Aufdruck auf den schlanker gestalteten Flaschen zeigt das neue Logo mit den gekreuzten Flaschen, darunter steht in fescher Schrift, was man vom Inhalt erwarten kann: Der Original-Brombeerwein wird als „höchst fruchtig“, der Spritz als „beherzt spritzig“, der Glühwein als „freudig glühend“ charakterisiert. Was in der Flasche ist, erfährt man, wenn man sich mit dem Etikett intensiver befasst.

Plakat-Aktionen sollen folgen, vielleicht gar Werbevideos und mehr. „Wir möchten über das ganze Drumherum wieder eine richtige Marke schaffen“, sagt Schwadorf. Rebellenblut solle ein Lebensgefühl und ein Statement werden, kurz gesagt, ein Kultgetränk, das im Geschäft heraussticht. „Du bist anders, du hast Stil.“ Das solle das neue Image werden, sagt der Produzent.

Alkoholfreie Brombeerschorle in Planung

Zudem soll das Getränk auch überregional ein Begriff werden. Inzwischen gibt es auch kleine Flaschen, die in einen Bierkranz passen. Und wie soll es weitergehen? Im Frühjahr 2021, kündigt Schwadorf an, komme eine alkoholfreie Variante des Brombeerspritz in die Geschäfte. Der Glühwein, ihm zufolge aus Brombeere und natürlichem Orangenaroma hergestellt, soll für den Sommer als Sangria verkauft werden. „Er ist so ausgelegt, dass er kalt und warm schmeckt.“

Und dann habe ihn sein Nachwuchs mit der Frage „Papa, wann gibt es Kinderrebellenblut?“ auf die Idee für eine alkoholfreie Brombeerschorle gebracht. Diese sei aber noch in der Planungsphase, erläutert er weiter. Da sich der Begriff „Rebell“ nach Schwadorfs Ansicht dafür allerdings nicht eignet, soll dieses Getränk wahrscheinlich unter dem anderen Namen vermarktet werden, den man sich inzwischen hat schützen lassen: „Flüssigliebe“.

Denn der Name Rebellenblut bezieht sich auf den Vorgebirgsrebellen Wilhelm Maucher, mit dem die jungen Leute heute nichts mehr verbinden würden.