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Prinzengarde Alfter stellt sich neu auf: Der Nachwuchs steht im Fokus

Prinzengarde Alfter stellt sich neu auf : Der Nachwuchs steht im Fokus

Die Alfterer Prinzengarde hat mit Nachwuchsmangel und Kostendruck zu kämpfen und setzt jetzt auf Öffentlichkeitsarbeit. Um auf sich aufmerksam zu machen, wurde ein Flyer an 300 Gesellschaften in der Region verschickt.

Die Alfterer Prinzengarde 1926 hat eine lange Tradition. Es wird für sie wie für andere Gesellschaften aber immer schwieriger, genügend aktive Mitglieder zu finden und am Ende der Session auf eine schwarze Null zu kommen, sagt Pressewart Dieter Beutner.

Stellprobe im Lokal „Spargel Weber“ in Alfter, in dem an diesem Samstag die Prunksitzung der Alfterer Großen Karnevalsgesellschaft (AGK) stattfindet. Neben drei Tanzgarden, der Gardeinfanterie und den Marketenderinnen gehört zur Prinzengarde auch ein eigener Musikzug. Nur wenige Gesellschaften in der Region haben noch einen eigenen Musikzug, sagt Beutner. Deshalb wird die Garde gerne auch für Karnevalsumzüge gebucht.

Insgesamt hat die Prinzengarde pro Session 25 Auftritte und ist damit ausgelastet. „Wir sind alle Laien, einige sind im Hauptberuf Krankenschwester oder Briefträger, müssen im Schichtdienst oder am Samstag arbeiten“, sagt Beutner. 90 aktive Mitglieder zählt die Truppe, dazu kommen 140 inaktive. Es werde immer schwieriger, alle Posten zu besetzen, so Beutner. Besonders am Herzen liegt ihm das Amt des Tanzoffiziers, schließlich hat er es bis zu seinem 60. Geburtstag vor anderthalb Jahren selber ausgefüllt. Momentan gibt es keinen Tanzoffizier in der Garde. In Köln sei das Amt eine Ehre. Warum das in Alfter anders ist?

Die Leute zwischen 20 und 40 Jahren seien oft beruflich und familiär sehr eingespannt. Und viele Männer fänden das Tanzen „uncool“. Bei den Frauen ist die Lage entspannter, Tanzmariechen finden sich noch eher. Eigentlich sei die Tanzausbildung im Verein ein attraktives Angebot, so Beutner: „Wir trainieren das ganze Jahr, und das mit der diplomierten Tanzpädagogin Marion Schurz.“ Doch nicht alle Mitglieder der Garde kämen zu allen Auftritten.

„Wir möchten eine Marke bilden und bewerben“

Scherzhaft geht im Verein der Begriff „Veilchendienstags-Gardisten“ um: Es bezeichnet die Aktiven, die nur an Veilchendienstag zu sehen sind. Wenn die Truppe für eine Veranstaltung gebucht ist, hat sie manchmal Probleme, den Vertrag zu erfüllen, denn eine bestimmte Anzahl von Akteuren ist festgelegt: „Wenn wir einen Vertrag für 60 haben, und es kommen nur 50, sieht das mager aus“, so Beutner.

Um neue Mitglieder zu gewinnen, hat die Garde schon Flyer in den Neubaugebieten verteilt. Dadurch fand sich Nachwuchs für den Musikzug. Momentan stehen sogar 20 Kinder auf der Warteliste. Das Angebot ist für Familien attraktiv: Wer in der Garde ein Instrument erlernt, muss nur die Hälfte der Kosten selber tragen, das Instrument stellt in der Regel die Garde. Musiktrainer ist der Alfterer Georg Melchior.

Manchmal sei es schon schwierig für die Ehrenamtlichen, schwarze Zahlen zu schreiben, sagt Beutner. Denn schließlich habe die Garde auch Kosten, unter anderem Gema-Gebühren, Uniformen und die Tanz- und Musikausbildung.

„Der Karneval hat sich verändert, vom Proklamationsgedöns weg, hin zum extremen Unterhaltungskarneval“, findet Beutner. Die großen Kölner Karnevalsgesellschaften engagierten Gruppen wie Brings oder Querbeat. „In Köln ist der Karneval ein riesiger Wirtschaftszweig geworden, und wir müssen uns hier so lang machen“, so der Unternehmensberater.

Die Prinzengarde will sich aber nicht unterkriegen lassen und investiert jetzt in die Öffentlichkeitsarbeit. So hat Beutner Flyer drucken lassen und an 300 Gesellschaften in der Region verschickt, um neue Aufträge zu bekommen: „Wir möchten eine Marke bilden und bewerben.“