Angebot für 14- bis 18-Jährige Jugendliche aus Alfter sollen jetzt mitreden können

Alfter · Rund 1280 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren leben in Alfter. Am 23. Mai gehört der Ratssaal der Gemeinde ihnen: Für was und wozu sie die Wahl haben

Laden zur Wahl des ersten Jugendbeirats im Ratssaal ein: Markus Jüris und Heike Reis von der Gemeinde Alfter.

Laden zur Wahl des ersten Jugendbeirats im Ratssaal ein: Markus Jüris und Heike Reis von der Gemeinde Alfter.

Foto: Antje Jagodzinski

Wo fehlt ein geeigneter Ort zum Treffen, wie soll der neue Spielplatz gestaltet werden und wie bewerten junge Menschen die Diskussion der Kommunalpolitik zu einem Schulthema? Damit Jugendliche mitreden und sich einbringen können, will die Gemeinde Alfter nun einen Jugendbeirat ins Leben rufen. Rund 1280 junge Alfterer zwischen 14 und 18 Jahren hat die Verwaltung per Post angeschrieben und für diesen Donnerstag (siehe Info-Kasten) zur ersten Wahl der neuen Jugendvertretung in den Ratssaal eingeladen.

Warum möglichst viele kommen sollen? Weil es um eine neue Möglichkeit für Jugendliche gehe, „sich Gehör zu verschaffen und eigene Ideen einzubringen“, sagt Markus Jüris. Als Leiter des Fachgebiets Soziales und Bildung bei der Gemeindeverwaltung wird er zusammen mit Sachbearbeiterin Heike Reis die Arbeit des Jugendbeirats begleiten.

Kein Stimmrecht in Ausschüssen und Rat

Bisher gebe es in Alfter keine direkte Beteiligungsmöglichkeit für Kinder und Jugendliche, so Jüris. Der neue Jugendbeirat soll nach dem Wunsch der Gemeinde zu einer Plattform werden, auf der junge Bürger sich austauschen und ihre Ideen in die Entscheidungsprozesse von Verwaltung und Politik einbringen können.

Zwar habe der Jugendbeirat kein Stimmrecht in Ausschüssen und Rat, erklärt Jüris, aber die Gremien sollen die jungen Vertreter zu Themen anhören, die Jugendliche betreffen: wenn es zum Beispiel um Freizeitgestaltung oder Offene Ganztagsschulen gehe.

Auf diese Weise soll der Nachwuchs auch erste Erfahrungen mit Kommunalpolitik machen können. Auch Veranstaltungen oder Projekte für Kinder und Jugendliche in Alfter zu organisieren, ist als mögliches Engagement für den neuen Beirat in einem Schreiben der Gemeinde an die Jugendlichen aufgeführt.

Mindestens 20 Jugendliche müssen kommen

Demokratie erleben können die Mädchen und Jungen gleich beim ersten Termin zur Wahl ihrer Vertretung. Mit Wahlzetteln und in Wahlkabinen können sie darüber abstimmen, wer von den anwesenden Jugendlichen dem neuen Beirat angehören soll. Alle 14- bis 18-Jährigen können kommen – entweder nur, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen oder auch, um sich als Kandidat für den Jugendbeirat aufstellen zu lassen.

Entscheidend ist, dass die Jugendlichen in Alfter wohnen. Staatsangehörigkeit und Nationalität seien nicht von Belang, betont Jüris. Das Gremium soll für zwei Jahre gewählt werden und aus mindestens sieben sowie maximal 17 Jugendlichen bestehen. Mindestens 20 junge Alfterer müssen anwesend sein, damit der Beirat gewählt werden kann – und das passenderweise am Tag des Grundgesetzes, das am 23. Mai vor 75 Jahren verkündet wurde.

Er könne nicht einschätzen, wie viele Jugendliche wohl kommen werden, so Jüris. In der Nachbarstadt Bornheim ruht das Kinder- und Jugendparlament seit einigen Jahren angesichts schwindender Resonanz. Dass es Interesse bei jungen Menschen an solchen Angeboten gibt, zeigt wiederum der Blick nach Bonn: In der Bundesstadt hat sich erst vor wenigen Monaten ein neuer Kinder- und Jugendbeirat konstituiert. „Wir werden uns nicht entmutigen lassen, wenn es beim ersten Mal nicht klappt“, betont Jüris.

Durch den ältesten seiner drei Söhne bekommt der 49-Jährige die Arbeit eines anderen Jugendgremiums sehr intensiv mit: Denn Raphael Jüris (19) ist Vorsitzender des Jugendbeirats in Sinzig. Ein Projekt für legale Graffitiwände hätten die jungen Sinziger beispielsweise umgesetzt sowie zur Landratswahl im Kreis Ahrweiler die Kandidaten zu einer Online-Befragung eingeladen, erzählt Vater Jüris.

In Alfter hatten die Grünen bereits 2022 die Gründung eines Jugendbeirats angeregt. Die anderen Ratsfraktionen hatten dem Vorhaben zugestimmt. Unterschiedliche Vorstellungen gab es bei Politik und Verwaltung jedoch bezüglich der Satzung, sodass der finale Beschluss erst 2023 erfolgte. Nun wird das Ganze also konkret. Zwei bis vier Mal im Jahr soll der Alfterer Jugendbeirat künftig zusammenkommen.

Die Vertreter, die am Donnerstag gewählt werden, treffen sich als nächstes zur ersten, konstituierenden Sitzung. Auch ein kleines Budget für Aktivitäten ist im Haushalt der Gemeinde Alfter vorgesehen. Eines sei klar, sagt Jüris: Verwaltung und Politik müssten sich nun groß auf die Fahnen schreiben, sich um die jungen Vertreter auch zu kümmern: „Wenn die Jugendlichen sich nicht ernst genommen und mitgenommen fühlen, dann werden sie schneller wieder weg sein als uns lieb ist.“

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