Auswirkungen des Fachkräftemangels So steht es um Kitaplätze in Alfter

Alfter · Viele Kinder haben in Alfter keinen Platz erhalten. Dabei wären theoretisch noch Kita-Plätze verfügbar, aber das Personal ist es nicht: Und für das kommende Kitajahr sieht es derzeit nicht besser aus.

 Keinen Kitaplatz erhalten haben in Alfter 19 Kinder unter drei Jahren und 31 über drei Jahren.

Keinen Kitaplatz erhalten haben in Alfter 19 Kinder unter drei Jahren und 31 über drei Jahren.

Foto: Benjamin Westhoff

In Alfter führt der Personalmangel in den Kindertagesstätten inzwischen zu gravierenden Einschnitten: 50 Kinder haben im laufenden Kitajahr keinen Platz erhalten. 67 Plätze konnten nicht vergeben werden, weil schlichtweg Fachkräfte fehlen, die die Mädchen und Jungen betreuen könnten. Das hat eine Nachfrage des General-Anzeigers beim Rhein-Sieg-Kreis ergeben.

„Nach einer aktuellen Auswertung sind 19 U3-Kinder (unter drei Jahren) und 31 Ü3-Kinder (über drei Jahren), die einen Bedarf ab dem 1. August 2023 angezeigt haben, bislang nicht versorgt“, teilt Kreis-Pressesprecherin Bettina Heinrichs-Müller mit. Bereits zum Beginn des laufenden Kitajahres im August konnten 27 U3- und 41-Ü3-Plätze in vier Einrichtungen aufgrund fehlenden Personals nicht vergeben werden, wie der GA seinerzeit berichtete.

Und die Lage hat sich nicht wesentlich verändert. Nach Auskunft der Sprecherin konnte seitdem nur ein weiterer Ü3-Platz vergeben werden. Noch immer sind also 27 U3- und 40 Ü3-Plätze, die theoretisch vorhanden wären, wegen der fehlenden Erziehenden nicht besetzt. Immerhin: „Nach Informationen des Kreisjugendamtes hat es in Einzelfällen Einstellungen gegeben“, so Heinrichs-Müller weiter. „Aufgrund dessen konnte in einer Kita die Beschränkung der Betreuung von vorher 35 Stunden auf dann 40 Stunden abgemildert werden.“

Oedekovener Eltern haben bereits Hilferuf gestartet

Weil die Einschränkungen der Öffnungszeiten in ihrer Kita seit Langem so massiv sind, dass die Kinder aufgrund von Personalmangel mehrere Wochen nur an drei von fünf Tagen in den Kindergarten gegangen sind, hat sich die Elternschaft der Oedekovener Kita „Sterntaler“ in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) bekanntlich mit einem Hilferuf an Kommunen und Politik gewandt. In einem Brief schildern sie die Belastungen, die sich dadurch für Kinder, Eltern und Erziehende ergeben und fordern Verantwortliche zum Handeln auf politischer Ebene auf.

Gefragt, ob der Kreis einen Überblick hat, in wie vielen Alfterer Kitas es eingeschränkte Öffnungszeiten oder Notbetreuung gibt, erläutert Heinrichs-Müller, dass das in der Gemeinde zuständige Kreisjugendamt Mitteilungen über Betreuungsreduzierungen aufgrund von Personalmangel erhält. Dieser könne sich sowohl durch unbesetzte Stellen als auch durch Ausfälle von Mitarbeitern aufgrund von Krankheiten oder Schwangerschaften ergeben. Beispielhaft teilt die Sprecherin mit, dass es im Monat Januar in drei Alfterer Kindertageseinrichtungen Betreuungseinschränkungen während des ganzen Monats gab. In zwei weiteren Einrichtungen sei dies an einzelnen Tagen der Fall gewesen.

Konkrete Informationen über offene Fachkraftstellen in den Kitas liegen dem Kreisjugendamt laut der Pressesprecherin nicht vor. Aufgrund des allgemeinen Personalmangels bestehe nach Ansicht des Amtes allerdings die Gefahr, dass auch im nächsten Kitajahr 2024/2025, das im August beginnt, Plätze aufgrund fehlender Fachkräfte nicht vergeben werden können.

Trägerwechsel in Gielsdorfer Kita noch nicht geklärt

Noch ungewiss ist auch die konkrete Zukunft der Kita St. Jakobus in Gielsdorf. Der Katholische Kirchengemeindeverband Alfter hat angekündigt, die Trägerschaft der zweigruppigen Kita zum 1. August 2024 aufzugeben. Als neue Trägerin ist seit Längerem die Johanniter-Unfallhilfe im Gespräch. Laut Heinrichs-Müller dauern die Verhandlungen zwischen der Katholischen Kirche und der Johanniter-Unfall-Hilfe noch an. „Ziel ist die Übernahme der Trägerschaft durch die Johanniter-Unfall-Hilfe und die Errichtung eines dreigruppigen Kindergartenneubaus“, so die Sprecherin. „Die Katholische Kirche hat zuletzt in Abstimmung mit der Johanniter-Unfall-Hilfe Elternanfragen dahingehend beantwortet, dass es ab dem 1. August 2024 in jedem Fall mit dem Kita-Betrieb weitergeht.“

Ein Neubau ist angedacht, da das bestehende Gebäude in die Jahre gekommen ist. Bereits im Oktober 2022 hatte der Katholische Kirchengemeindeverband Alfter angekündigt, die Trägerschaft für die Einrichtung im August 2024 abgeben zu wollen. Neben dem umfassenden Sanierungsbedarf an dem teils denkmalgeschützten Gebäude hatte der Verband auch die anhaltend schwierige Personalsituation als Begründung angeführt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort