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Alfter sucht Fähndelschwenker: Fähnrich Michael Melchior will den Nachwuchs in seinem Garten trainieren

Alfter sucht Fähndelschwenker : Fähnrich Michael Melchior will den Nachwuchs in seinem Garten trainieren

Fändelschwenker brauchen Kraft und Geschicklichkeit. Und sie sollten trinkfest sein, denn die Kunst, eine Fahne minutenlang zu schwingen, wird meist bei Festen im Dorf vorgeführt. Der Ortsausschuss Alfter sucht nun junge Männer und hat zwecks Ausbildung schon eine Übungsfahne gekauft.

Fähndelschwenken ist nicht einfach. Die Fahne vor der Brust, hinter den Rücken oder über den Kopf zu schwenken kostet viel Kraft. Und es ist eine Kunst, eine Fahne minutenlang in Bewegung zu halten, in die Höhe zu werfen und wieder auffangen zu können. Zahlreiche Figuren und Schnappschläge (Werfen der Fahne) gehören zum Repertoire des Fähndelschwenkens. Diese uralte Tradition wurde in der Neuzeit zu einer Spezialität der Junggesellenvereine. 1910 führten die Kierer Junge das Fähndelschwenken in Alfter ein. Seitdem ist diese Kunstfertigkeit bei Brauchtumsveranstaltungen wie Pfarr- und Schützenfesten, Köttzügen oder Kirmes ein Muss.

Bei solchen Veranstaltungen wird in Alfter dann immer zurückgegriffen auf die Fähnriche Michael Melchior und/oder Robert Lülsdorf, der zur Zeit wegen einer verletzten Hand nicht zur Verfügung steht. „Da die Anzahl der bisherigen Alfterer Fähnriche aus alters- beziehungsweise gesundheitlichen Gründen immer weiter abnimmt, muss diese lieb gewordene Tradition wohl oder übel in naher Zukunft eingestellt werden“, befürchtet Klaus Hergarten.

Der Vorsitzender des Ortsausschusses und seine Stellvertreterin Gabi Haag haben aber Vorbereitungen getroffen. Für möglichen Nachwuchs hat der OA kürzlich eine Übungsfahne gekauft. Auf junge Leute, die das Fähndelschwenken lernen möchten, hofft auch Michael Melchior. Seit 2008 schwingt er verschiedene Fahnen für den Ortsausschuss, die Schützenbruderschaft und auf der Kirmes in Roisdorf. Als Mitglied des Roisdorfer Junggesellenvereins hat er das „Handwerk“ durch seinen Freund Franz Georgi kennen und lieben gelernt. „Seitdem habe ich immer versucht, ihm nachzueifern“, sagt der Familienvater und schmunzelt.

Wenn er den kurzen Griff mitsamt dem Blei gefüllten Stockende als Kontergewicht zum Fahnentuch in der Hand hält, beginnt der Afterer automatisch mit leichten Schwingbewegungen. Anfangs hat er im Garten zwei- bis dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten geübt. Das Einüben von Figuren wie Sonne oder Engel kosteten – auch wenn das Training Spaß macht - Zeit und jede Menge Kraft und Konzentration, „Die Fahne wiegt schon einige Kilo“, sagt der 35-jährige Melchior. Die „Sonne“, bei der sich die Fahne in der Luft um 180 Grad dreht, gehört zu den schwierigeren Figuren; ebenso der „Engel“, bei dem der Schwenker auf einem Bein steht, sich beugt und wendet und die Fahne um den Hals über den Rücken zur Hüfte führt. „Ein wenig Akrobatik gehört dazu. Die ist auch wichtig, wenn man beim Junggesellenfest – nach einigen Bierchen – auf einem leeren Bierfass zu später Stunde noch die Fahne schwenken muss“, erzählt der Service-Techniker, der für einen Bonner Konzern arbeitet.

2010 und 2012 hat Melchior bei den Vorgebirgs-Meisterschaften im Fähndelschwenken als Dritt- und Zweitplatzierter jeweils einen Pokal gewonnen. Über einen jungen Fähnrich, der in seine Fußstapfen treten könnte, würde er sich sehr freuen und mit ihm in seinem Garten regelmäßig üben. Fitness sei nicht unbedingt erforderlich, aber künftige Fähnriche sollten traditionsbewusst und zudem mit Dorf und Verein eng verbunden sein. „Allerdings sollte er bei Junggesellenfesten standfest sein“, sagt Melchior mit einem Augenzwinkern.

Wer das Fahnen schwenken erlernen möchte, kann sich bei Klaus Hergarten (☏ 01 57/83 02 57 99) melden oder eine E-Mail an ortsausschuss-
alfter@t-online.de schicken.