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Großbrand zu Übungszwecken: Feuerwehr Alfter rettet 20 Menschen aus Lagerhalle

Großbrand zu Übungszwecken : Feuerwehr Alfter rettet 20 Menschen aus Lagerhalle

Wie lassen sich rund 20 Menschen bei einem Großbrand aus einer Lagerhalle retten? Dieses Szenario hat am Samstagnachmittag die Freiwillige Feuerwehr Alfter bei ihrer großen Jahresübung in Witterschlick geübt.

Aus dem Dach der Lagerhalle quillt Rauch. Davor liegt Miriam Demary, an ihrem Arm eine klaffende Wunde, das Blut spritzt – allerdings nicht hoch genug, wie Valeria Korth und Nico Messerschmidt feststellen. Wenn in wenigen Minuten die Jahresabschlussübung der Alfterer Feuerwehr beginnt, soll das Szenario so echt wie möglich sein. „Realistische Unfalldarstellung“ nennt sich das Fachgebiet der beiden, dazu haben sie 20 Mitglieder der Malteser als Statisten geschminkt und vorbereitet.

Rund 150 Teilnehmer sind während der Übung am Samstagnachmittag auf dem Gelände der Deutschen Steinzeug in Witterschlick aktiv. Alle vier Löschgruppen der Alfterer Feuerwehr, Rettungskräfte vom Roten Kreuz und den Maltesern, Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes stellen sich der Aufgabe.

Deren Inhalt erfahren sie allerdings erst mit Beginn der Übung um Punkt 14 Uhr. Brand 4 mit zahlreichen Verletzten, lautet die Alarmierung. „Brand 4 bedeutet Brand in einem Industriebetrieb“, erläutert Hauptbrandmeister Michael Hesse, Pressesprecher der Alfterer Feuerwehr. Die Halle hat das Unternehmen zur Verfügung gestellt, es ist bereits die zweite Jahresübung dort.

Das erste der später mehr als 20 Fahrzeuge, das auf das Gelände einbiegt, gehört der Löschgruppe Witterschlick. Was auffällt: Niemand springt panisch aus dem Auto, spurtet oder rennt. Stattdessen geht Einsatzleiter Thorsten Ohm um 14.03 Uhr erst einmal zu den „Verletzten“ hin und fragt, was überhaupt passiert sei. „Zu viel Hektik ist auch nichts“, sagt Hesse. Aber das heißt ja nicht, dass gar nichts getan wird. Während sich die Witterschlicker Feuerwehrleute absprechen und die Gruppe aus Impekoven eintrifft, leisten einige bereits Erste Hilfe bei Miriam Demary.

Bald sind alle vier Löschgruppen, Notärzte und Rettungswagen da. Auf dem Gelände wird es eng. Zwei Feuerwehrmänner führen ein Mädchen, aus dem verqualmten Gebäude, andere tragen einen Verletzten. Die „Opfer“ spielen ihre Rollen vorbildlich: Sie husten, weinen verzweifelt oder stöhnen, wenn sie falsch gehalten werden. Und dann sieht man doch die ersten Feuerwehrleute im Laufschritt, sie rollen Schläuche aus. Heißt es schon Wasser marsch? Hesse verneint. „Erst holen wir alle Leute raus, bevor wir löschen.“ Menschenrettung gehe immer vor. „Im Ernstfall wäre die Halle hinterher ohnehin abrissreif“, so Hesse.

Miteinander reden wird ebenfalls geübt

Um 14.25 Uhr sind die ersten Angriffstrupps im Gebäude beim Löschen, aber es sieht immer noch so aus, als würden viele gar nichts tun. Stimmt nicht, betont Hesse, während zwei Kameraden Klappstühle gebracht bekommen. Sie tragen Atemschutzausrüstung und stehen schon die ganze Zeit still neben einem schlaffen Schlauch. Hesse erklärt: „Das ist der Rettungstrupp.“ Sollte einem Kameraden drinnen etwas passieren, gehen diese beiden sofort rein. Und damit sie dann fit genug sind, um 120 Kilo Feuerwehrmann, inklusive Ausrüstung, zu tragen, dürfen sie sich auch setzen, in der Übung wie im Einsatz.

Etwas anderes wird ebenfalls geübt: miteinander reden. Nicht nur Rettungsdienste und Feuerwehr müssen sich absprechen. Die Polizei, vertreten von Wolfgang Eifinger, Wachleiter in Duisdorf, sowie Alfters Ordnungsamtsleiter Hans Kremer und Sabine Zilger von der Gemeindeverwaltung sind ebenfalls eingebunden. Sie entscheiden im Ernstfall beispielsweise, ob man einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse braucht, zusätzlich eine Straftat aufgeklärt werden muss oder ob der Verkehr umgeleitet werden muss. Bei dieser Übung klappt das alles gut. Nach einer halben Stunde sind die meisten Verletzten an der Sammelstelle medizinisch betreut und gegen die Kälte mit Decken versorgt. Ein Zelt wird aufgebaut, die Übungsbeobachter in den violetten Westen sehen zufrieden aus.

Das bestätigt auch Hesse. Detailliert wird die Übung noch ausgewertet, aber das Ziel habe man erreicht. „Wir haben alle Verletzten gerettet“, so Hesse. Und die Kommunikation habe auch funktioniert.