Nach der Flutkatastrophe Kinder und Erzieher zurück im Waldorfkindergarten in Heidgen

Alfter-Heidgen · Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 stand der Kindergarten am Grünen Weg in Alfter-Heidgen unter Wasser. Nach beschwerlichen Monaten der Sanierung sind Kinder und Erzieher nun wieder zurück in den Heidgener Räumen.

 Von der Flut getroffen: Am Nachmittag des 15. Juli 2021 steht der Kindergarten in einem See.

Von der Flut getroffen: Am Nachmittag des 15. Juli 2021 steht der Kindergarten in einem See.

Foto: Caroline Lutz

Auf dem Außengelände des Heidgener Waldorfkindergartens herrscht reges Treiben. Es ist Freispielzeit, und die Kinder toben – warm in dicke Regenhosen eingemummelt – im Sand, schaukeln und buddeln. Kaum zu glauben, dass hier bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 das Wasser stand. Auf den ersten Blick erscheinen das Gebäude von außen und das Gelände unversehrt. Die Spielgeräte, der Schuppen und die Bäume haben den Wassermassen standgehalten.

„Wir hatten Glück, dass außen fast alles erhalten werden konnte, aber wir mussten den Sand austauschen, die Beete neu anlegen und neuen Rasen säen“, berichtet Florian Wolters, Vorstand der Elterninitiative des Kindergartens für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Gebäude selbst stellt sich die Situation anders dar. Wadenhoch stand hier das Wasser. Durch die starken, anhaltenden Regenfälle am 14. Juli hatte sich auf den umliegenden Feldern Oberflächenwasser angesammelt und drang schließlich durch die Türen ein.

Der Parkettholzboden, Heizkörper, Türen und Zargen wurden beschädigt, mussten herausgerissen und sogar Wände abgeschlagen werden. Das Mobiliar sowie Küchengeräte, Waschmaschine und Spielsachen konnten zum großen Teil dank schneller Reaktion des Kindergartens gerettet werden. Bereits am Abend des 14. Juli wurden die Eltern über das eingedrungene Wasser informiert und um Mithilfe gebeten. „Wir haben in der Nacht mit einigen Eltern alles hochgeräumt, was irgendwie ging und konnten so Schlimmeres verhindern“, erinnert sich die Kindergartenleitung Maike Wolters. Das war der Anfang eines langen Weges unermüdlicher Arbeit zur Beseitigung der Schäden.

Kindergarten musste zweimal umziehen

Die Kindergartenkinder und die Erzieherinnen brauchten in den Monaten nach dem Hochwasser während der Gebäudesanierung dringend eine neue Bleibe. Für etwa zwei Monate verteilten sich die 44 Kinder und das Kindergartenteam auf zwei verschiedene Standorte: eine Gruppe kam im Gemeindesaal des Pfarrhauses in Witterschlick unter, die andere im Gemeindehaus in Gielsdorf. Erzieherin Marga Duda erzählt: „Das war keine leichte Zeit für uns alle. Die Kinder waren sehr unruhig durch den Ortswechsel und den Wegfall des eigenen Außengeländes. Aber wir waren und sind sehr dankbar für die schnelle Lösung der Unterbringung. Wir sind so herzlich und freundlich aufgenommen worden.“

Da bereits abzusehen war, dass es lange dauern würde, bis der Kindergarten in die eigenen Wände zurückkehren könnte, musste aber eine langfristige Unterbringungsmöglichkeit gefunden werden. Der ehemalige Kindergarten am Verteidigungsministerium in Bonn stand seinerzeit leer und sollte abgerissen werden. Der Abriss wurde gestoppt, um der Elterninitiative ein temporäres Zuhause zu geben. „Das war Glück im Unglück“, so Florian Wolters. „Hier war ja bereits alles kindgerecht vorhanden, und wir hatten ein eigenes Gelände.“

Eltern und Kita-Team packten vielfach selbst mit an

Im Gebäude in Heidgen gab es jede Menge zu tun. Das Interieur musste eingelagert, das Mobiliar aufgearbeitet, neue Innentüren- und Zargen angefertigt werden. Nach den Abrissarbeiten an Böden und Heizkörpern und dem Abstemmen der unteren Wandbereiche wurden neuer Parkettboden und Fliesen verlegt sowie Wände beigeputzt und eine neue Heizungsanlage installiert. Da der Kindergarten nicht gegen Hochwasser versichert war, finanzierte die Elterninitiative die Arbeiten durch Spenden, finanzielle Rücklagen und mithilfe der Wiederaufbauhilfe des Landes. Rund 30.000 Euro an Spenden kamen laut dem Vorstand zusammen. Außerdem stemmten Eltern und Kindergartenteam vieles in Eigenleistung und halfen unermüdlich vor Ort, beispielsweise an Aktionswochenenden.

Thomas Rasten, Vorstand Haus und Hof, war in diesen Zeiten ständig gefordert. „Ich war täglich für den Kindergarten im Einsatz. Wenn ich nicht gerade vor Ort war, gab es unendlich viel zu klären. Die Instandsetzungsmaßnahmen mussten koordiniert, Anträge auf Kostenübernahme gestellt und Handwerker gefunden werden.“ Anfang Oktober 2022 war die Sanierung so weit abgeschlossen, dass die Kinder in ihre Räumlichkeiten zurückkehren konnten, wenn auch erst mal nur in einen der beiden Gruppenräume und nur mit 26 Kindern. Nach und nach wurde der zweite Gruppenraum, der zwischenzeitlich als Abstellfläche gedient hatte, leer geräumt und wieder eingerichtet. Anfang Februar war es dann endlich so weit: Auch der zweite Raum konnte wieder bezogen und genutzt werden. „Wir sind alle sehr froh, wieder hier zu sein“, strahlt Maike Wolters. „Es war eine so herausfordernde, intensive Zeit, aber die Hilfsbereitschaft war sehr, sehr groß und alle zusammen haben wir es geschafft.“

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