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Haftstrafen für Mitglieder der Autobetrügerbande aus dem Vorgebirge

Autobetrügerbande aus dem Vorgebirge : Haftstrafen für den Handel mit gestohlenen Luxusautos

Mit etwa 20 Luxus-Limousinen im Wert von 500.000 Euro hat eine Autobetrügerbande gehandelt. Vor dem Bonner Landgericht brachte das ihren Mitgliedern nun Haftstrafen ein. Zwei Bandenmitglieder kommen aus Alfter und Wachtberg.

Die Reise nach Marokko war lange schon geplant: Für die Fahrt nach Nordafrika hatte eine Familie aus dem Ruhrgebiet eigens eine Limousine gesucht, die groß genug und auch bequem war, um sie auf den teils widrigen Straßen in Marokko zu kutschieren. Im Internet wurde sie fündig: Eine Autofirma aus dem Vorgebirge bot einen gebrauchten Range Rover für günstige 31.000 Euro an.

Im Juli 2018 schließlich startete die Ehefrau mit ihrer 17-jährigen Tochter gen Süden: An der spanischen Grenze jedoch war bereits Schluss. Der Zoll erklärte den Rover für gestohlen, so hatte es ein europäisches Informationssystem angezeigt. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt, die Fahrerin kam 24 Stunden in spanische Haft – und die Tochter saß plötzlich allein und hilflos auf der Straße.

Ein Wachtberger und ein Alfterer im Fokus der Justiz

Eine bittere Geschichte, die im Bonner Prozess gegen eine Autobetrügerbande aus dem Vorgebirge jetzt eine Rolle spielte: Denn der Range Rover war tatsächlich in Italien geklaut, nach Deutschland überführt, mit gefälschten Papieren im Bonner Straßenverkehrsamt zugelassen – und für ein Vielfaches im Netz angeboten worden.

Kein Einzelfall, so die Vorsitzende der 3. Großen Strafkammer, Claudia Gelber, die jetzt zwei weitere Mitglieder der Bande verurteilt hat: Demnach muss der Initiator des kriminellen Schieberei, ein 34-jähriger Wachtberger, wegen gewerbsmäßiger Hehlerei dreieinhalb Jahre in Haft; ein 51-Jähriger aus Alfter, den der Staatsanwalt für den eigentlichen „Strippenzieher“ hält, bekam wegen Beihilfe nur zwei Jahre und zehn Monate Haft. Ihm konnte die Kammer – trotz seiner undurchsichtigen Geschäfte – lediglich eine Vermittlung nachweisen. Ein Dritter, der mit gefälschten Ausweisen als Strohmann fungierte und sich um die Zulassungen gekümmert hatte, war vorab bereits zu viereinhalb Jahren Haft (inklusive einer alten Vorstrafe wegen Drogendelikten) verurteilt worden.

Die ganze Geschichte, so hatte es der 34-Jährige im Prozess erzählt, hatte damit angefangen, dass er selber betrogen worden war. Für 100.000 Euro hatte der Angeklagte bei einer Mailänder Autofirma einen Ferrari gekauft.

Das Vergnügen jedoch war denkbar kurz: Denn keine 500 Meter, nachdem er vom Hof gefahren war, wurde er von Carabinieri gestoppt, der ebenfalls nicht ganz legitime Flitzer (was er damals nicht wusste) konfisziert – und nie mehr wieder gesehen. Das ganze Geld,  gerade bar hingeblättert, war futsch. Nach dieser bösen Falle hatte der Wachtberger die Idee, just in dieser betrügerischen Branche seine Verluste wieder aufzufüllen.

Es geht um 20 Luxus-Limousinen im Wert von 500.000 Euro

Insgesamt 20 Limousinen, die aus illegalen Quellen stammten, hatte er einer italienischen Bande günstig abgekauft, darunter Modelle von Jaguar, Volvo, Porsche, Mercedes oder auch Range Rover. Der Schaden konnte im Prozess nicht endgültig aufgeklärt werden, die Anklage war von über einer halben Million Euro ausgegangen.

Der 34-jährige Angeklagte hatte sich im Prozess bei allen Geschädigten entschuldigt, vor allem bei der Frau, die unschuldig in spanische Haft gekommen war: Er überreichte ihr als Entschädigung freiwillig 3000 Euro. Sein Verteidiger Michael Hakner versprach zudem, sich zu kümmern, dass sie den Range Rover – weiterhin in spanischer Obhut – wiederbekommt, sobald das Bonner Urteil belegt, dass die Frau einem Betrug aufgesessen ist.