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Ausstellung am Wochenende: Hsieh Tsan Yu zeigt Arbeiten in Alfter

Ausstellung am Wochenende : Hsieh Tsan Yu zeigt Arbeiten in Alfter

Den taiwanesischen Künstler Hsieh Tsan Yu kennt man in Alfter vor allem durch seine Wandmalereien - wie den turnenden Jungen in der Bahnhofstraße. Dieses Wochenende sind kleinere Arbeiten von ihm im Restaurant Gourmetgarten zu sehen.

Die Spuren, die der taiwanesische Künstler Hsieh Tsan Yu in Alfter hinterlassen hat, sind im wahren Sinne des Wortes groß. Seine Wandmalereien sind seit 2007 an vielen Stellen Alfters zu sehen. So stammt der kopfüber turnende Junge, der eine ganze Hauswand an der Bahnhofstraße einnimmt, genauso von ihm wie die Ballstudie am Alfterer Bahnhof, die inzwischen durch übersprühte Graffiti kaum noch zu erkennen ist.

Dabei sind an diesen Stellen die Malereien von Yu entstanden, da Veranstalterin Eugenie Hellmann vom Kulturkreis Alfter schon damals den Ansatz verfolgte, mit gestalteten Wänden, die oft als Schmiererei bezeichnete Graffiti zu verhindern. Was sie damals mit dem Bemalen von Stromkästen durch Kinder begann, setzte sich in einem Projekt der Alanus Hochschule fort, an dem auch Yu beteiligt war, der von 2007 bis zu seiner Meisterschülerschaft in 2013 dort studierte. Inzwischen hat der 32-Jährige im heimatlichen Taipeh selber eine Kunstprofessur inne.

Anlässlich der Alfterer Kulturtage ist Yu auf Einladung von Hellmann für drei Wochen nach Deutschland gekommen, um sich neben einer Ausstellung seiner aktuellen Arbeiten zudem auch vor Ort mit der europäischen Kunst der Moderne zu beschäftigen. Nur wenige Tage ist seine Ausstellung „Gesichter der Welt“ im Restaurant Gourmetgarten zu sehen. Es sind meist modelhaft gefällige Frauenporträts in Aquarelltechnik entstanden, die durch Übermalungen und eine spezielle Schlagschnurtechnik gebrochen werden.

Yu: Kunst in Asien ist ohne Aussage

„Ich bin auf der Suche nach der Tiefe der Kunst“, erklärt Yu seine Werke. In China und Taiwan sei Kunst nicht frei. Alles müsse dort nur perfekt sein. So sei auch die Technik der asiatischen Künstler unbestritten bravourös, doch der Inhalt, die Aussage ihrer Arbeiten, gleich null. Seine Suche nach den Fragen, ‚Wer bist du? - Wer bin ich?‘, sei für ihn immer wieder der Antrieb, neue Gesichter zu malen und ihnen mit den Überarbeitungen die Tiefe zu geben, von der er glaubt, etwas sichtbar zu machen, was nur durch die Kunst möglich sei. Dass sich diese Interpretation nicht jedem Betrachter seiner Arbeiten unmittelbar erschließt, dürfte an der unterschiedlichen Umgangsweise mit Kunst in China und Europa liegen.

„In Taiwan möchten die Menschen nur schöne Gesichter, in Deutschland will man die Wahrheit sehen“, sagt Hsieh Tsan Yu und resümiert, dass die Wahrheit jedoch nicht immer schön sei.

Die Ausstellung „Gesichter der Welt“ ist am Samstag und Sonntag zwischen 12 und 15 Uhr sowie 17 und 22 Uhr im Restaurant Gourmetgarten, Alfterer Straße 2, zu sehen.