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Jubiläum: 100 Jahre Germania Impekoven

Vereinsjubiläum : SV Germania übernimmt seit 100 Jahren sportliche und soziale Verantwortung für Impekoven

Der SV Germania Impekoven ist seit 100 Jahren aktiv. Das feiert er auf einem frisch gestaltete Dorfplatz und schaut auch zurück. Zum Beispiel auf gleich mehrere Anlässe, den Sportplatz neu anzulegen.

Wie gut, dass der örtliche Dorfplatz rechtzeitig fertig geworden ist. Das erspart es dem Vorstand des SV Germania Impekoven, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wo der Verein am Wochenende sonst sein 100-jähriges Jubiläum feiern könnte. Natürlich ginge das auf dem Dorfplatz in Oedekoven, aber der SV übernimmt laut dem Vorsitzenden Uwe Rolef ja auch „soziale Verantwortung in der Dorfgemeinschaft“ und deshalb möchte er auch im Zentrum von Impekoven feiern. Also wird ein großes Festzelt aufgebaut, es gibt ein buntes Programm über drei Tage (siehe Infokasten) und man erinnert sich an die Anfänge.

Vor 100 Jahren gab es eine Gruppe junger Männer, die im Fahrwasser der Körperertüchtigungsbewegung von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn Sport treiben wollten, und zwar Fußball, laut Chronik des Vereins eine damals noch eher verpönte Sportart. Sie setzten ihren Kopf durch, kratzten ihr letztes Taschengeld für Fußballausrüstung und einen Ball zusammen und gründeten am Ostermontag 1922 den Sportverein Germania Impekoven, der bald auch Faustball, Turnen und Leichtathletik anbot.

Der erste Sportplatz hatte Hanglage

Der erste Sportplatz lag zwischen Impekoven und Ramelshoven am „Riesigen Broich“ in Hanglage, man spielte in rot-weißen Trikots. Unbefriedigend war, dass man Meisterschaftsspiele unter regelkonformen Bedingungen auf dem Hardtberg austragen musste. Der SV Germania löste das Problem auf eine Weise, die heute nicht mehr möglich wäre: Er rodete ein Waldstück, ebnete den Bereich ein und hatte in seinem fünften Jahr eine Anlage, die den Anforderungen genügte. 1929 stieg die Mannschaft in die Gauklasse auf – was mitunter weitere Wege zu den Auswärtsspielen bedeutete und mancher Autofahrt einen Eintrag in die damalige Vereinschronik einbrachte. Da ist beispielsweise überliefert: „Das Auto blieb im Vorgebirge im Morast stecken, Rückkehr also per Bahn, Ankunft gegen Mitternacht“. Solche Geschichten gibt es auch heute noch. „Als ich noch in der Jugend gespielt habe“, erinnert sich Geschäftsführer Detlef Hofmeister, „wurden wir im Anhänger zu den Auswärtsspielen gefahren: Decke drüber, fertig.“

Heimspiele in Witterschlick und Volmershoven

In 100 Jahren gab es beim SV Germania Impekoven mehrfach Grund zum Jublen. Hier feiert der Aufstiegstrainer und heutige zweite Vorsitzende Angelo Sicorello am Ende der Saison 2014/15.
In 100 Jahren gab es beim SV Germania Impekoven mehrfach Grund zum Jublen. Hier feiert der Aufstiegstrainer und heutige zweite Vorsitzende Angelo Sicorello am Ende der Saison 2014/15. Foto: privat

Nach dem Zweiten Weltkrieg rafften sich bald einige Impekovener wieder auf, bildeten 1947 eine neue erste Mannschaft und mussten wieder ein Waldstück roden, weil nach dem Krieg ein neuer Sportplatz vonnöten war. Es folgten gute und schlechte Saisons, in den 80ern kam der Frauensport hinzu, Ende der 90er gab es keine Jugendabteilung mehr.

In der Zeit gab es viel Gerangel um den Heimspielort: Nach der politischen Neuordnung der Gemeinde Alfter stand der Sportplatz Impekoven nicht mehr zur Verfügung, die Mannschaften absolvierten ihre Heimspiele erst in Witterschlick und dann in Volmershoven-Heidgen, ehe endlich 2012 mit dem SV Blau-Weiß Oedekoven der gemeinsame Sportplatz am jetzigen Standort eingeweiht wurde.

Ein Jahr in der höchsten Kreisliga

Sportlich waren das Jahr 2004 mit dem Aufstieg der ersten Mannschaft in die Kreisliga B und 2020 in die A-Liga die Höhepunkte der vergangenen 20 Jahre. Für die höchste Kreisliga musste eigens ein Container für den Schiedsrichter angeschafft werden – der SV Germania Impekoven blieb dort aber nur ein Jahr, und im Vorstand ist man nicht traurig darum.

Inzwischen floriert die Jugendabteilung wieder, man zählt 321 Mitglieder – „bei 2230 Einwohnern keine so schlechte Quote“, meint Hofmeister, der seit rund 40 Jahren im Vorstand ist. Man stellt das Miteinander über den Erfolg: „Aufstieg kann, muss aber nicht“, so der Geschäftsführer. Man zahlt den Spielern auch kein Geld.

Kunstrasen in Eigenregie

Zuletzt war an der Sportanlage viel gemacht worden. „Hier hat es vorher ausgesehen wie in der Wüste“, sagt Rolef. Den Kunstrasen hat der SV Germania mit dem SV Blau-Weiß in Eigenregie erstellt, die Vereine hat das insgesamt 400.000 Euro gekostet. Das Vereinshaus ist erneuert, die Gemeinde hat die Flutlichtanlage aus den 1950ern durch moderne LED-Technik ersetzt, der Parkplatz wurde vergrößert, neue Ballfangzäune sollen auch noch kommen. Zudem muss die Corona-Zeit aufgearbeitet werden, die laut Rolef viel kaputt gemacht habe in Sachen Fitness und Miteinander.

Deswegen sieht man für die kommenden Jahre die Hauptaufgabe darin, „das Niveau zu halten und möglichst qualitativ zu verbessern“, sagt er. Man will weiter im Dorf präsent sein, mit dem traditionellen „Schlachtfest“ zum Beispiel und der Kirmes, die es im kommenden Jahr wieder geben soll.

Und es gilt, den Nachwuchs für die Vorstandsarbeit zu begeistern. Denn auch wenn der jetzige Vorstand im Schnitt jünger ist als der von manch anderem Traditionsverein werden auch die aktuellen Macher nicht jünger. „Mit 70 sitze ich nicht mehr hier“, stellt Rolef klar. Man sei aber „ganz positiv gestimmt“, dass irgendwer die Arbeit weiterführen wird. Zum Beispiel spielten fünf „Vorstandssöhne“ in der ersten Mannschaft.