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Wald zwischen Alfter und Swisttal: Kahlschlag am Eisernen Mann im Kottenforst

Wald zwischen Alfter und Swisttal : Kahlschlag am Eisernen Mann im Kottenforst

Am Eisernen Mann im Kottenforst zwischen Alfter und Swisttal hat das Forstamt vier Hektar Wald ausgedünnt. Dort sollen Blütenpflanzen Insekten anlocken und so für mehr Artenvielfalt in der Kulturlandschaft sorgen.

Es sieht derzeit schon ziemlich wüst aus am Eisernen Mann. Als hätten Planierraupen mit dem Unterholz unter den alten Eichen kurzen Prozess gemacht. Das räumt Klaus Striepen gerne ein. Der Bonner Biologe meint das etwa vier Hektar große Waldstück zwischen den beiden Wegen, die von der kleinen Lichtung mitten im Kottenforst in Richtung Buschhoven und in Richtung Dünstekoven führen.

Auf diesem Gelände wurden etwa 20 Eichen, 120 bis 130 Jahre alt, mit Motorsägen gefällt. Außerdem wurden der aus Hainbuchen und Linden bestehende Niederwald gerodet und die Entwässerungsgräben mithilfe von Baggern freigelegt. Die großen Stämme schafften die Arbeiter mit schwerem Gerät aus dem Waldstück, zersägten sie und stapelten sie am Wegesrand. Die Eichen werden zu Bauholz verarbeitet, das Kleinholz zu Pellets.

Was derzeit für den Wanderer wie Waldfrevel aussieht, soll dem Wald mittelfristig nützen. Die Aktion, die im Dezember über die Bühne ging, gehört zum seit 2014 laufenden Projekt „Life – Villewälder: Wald- und Wasserwelten“ des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft und der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Der 53-jährige Striepen leitet das auf fünf Jahre angelegte Projekt, das die Artenvielfalt erhöhen soll. Die Kosten von 3,3 Millionen Euro kommen je zur Hälfte aus den Kassen des Landes NRW und der Europäischen Union.

Wie Striepen bei einer Besichtigung am Eisernen Mann erläutert, kehrt das Forstamt innerhalb des Life-Projektes an sieben Gebieten in den Villewäldern und im Kottenforst zur Mittelwaldbewirtschaftung früherer Zeiten zurück. Es handelt sich bei den Flächen um zwischen drei und acht Hektar große Waldparzellen bei Walberberg, am Eisernen Mann, bei Buschhoven und bei Lüftelberg.

Kottenforst wurde schon zu Zeiten der Römer bewirtschaftet

Die Mittelwälder zeichnen sich durch eine Mischung aus Hoch- und Niederwald aus. Im Abstand von einigen Jahren wurden früher aus einer Parzelle drei 120-jährige Eichen als Bauholz und das Kleinholz als Brennmaterial entnommen. Dann kamen nach und nach die Nachbarparzellen an die Reihe. Jede „abgeerntete“ Parzelle ließ man 30 Jahre ruhen, sodass das Holz nachwachsen konnte. Dies wurde bis ins 19. Jahrhundert so gehandhabt, denn die Menschen brauchten Holz für den Bau ihrer Häuser und zum Heizen. Der Kottenforst wurde schon zu Zeiten der Römer bewirtschaftet. Darauf weisen Siedlungsreste im Wald sowie Relikte von Militärlagern und einer Villa rustica, einem landwirtschaftlichen Gut, hin.

Durch den aktuellen Kahlschlag wird mehr Licht und damit mehr Wärme auf den Waldboden gelangen. „Dadurch werden mehr Insekten angezogen, es werden mehr Blütenpflanzen wachsen, die ziehen wiederum mehr Schmetterlinge an. Es werden sich hier mehr Spechte und andere Vögel sowie Fledermäuse ansiedeln“, prophezeit Striepen. „Insgesamt wird sich die Artenvielfalt in diesem Gebiet deutlich erhöhen.“ Und die jetzt gerodeten vier Hektar würden bereits im Frühjahr wieder ganz anders aussehen. Dann würden sich die ersten Pflanzen angesiedelt haben und der Boden mit viel Grün bedeckt sein. Die Eichen vermehrten sich über herabfallende Eicheln. Oft würden Eichhörnchen die Früchte auch in ihren Depots als Nahrungsreserve vergraben, sie aber dann „vergessen“. So trügen auch die kleinen Nager, ebenso wie die Eichelhäher, zur Vermehrung der Bäume und damit zur Verjüngung des Bestandes bei. Alle fünf bis zehn Jahre verzeichne man eine starke Eichelmast.

Sollte es in den nächsten Jahren mal einen Mangel an Eicheln geben, habe das Forstamt immer noch die Möglichkeit, Setzlinge nachzupflanzen. „In zehn Jahren ist das Gebiet hier wieder so zugewachsen und dunkel wie zuvor“, sagt der Biologe. Sehr wichtig ist es für Striepen auch, absterbende Bäume im Revier zu belassen. Er erklärt: „Etwa ein Drittel aller Tierarten sind vom Totholz abhängig.“ Um Wanderern das Projekt zu erläutern, wird das Regionalforstamt in Kürze am Eisernen Mann eine Info-Tafel aufstellen – damit niemand mehr von Frevel oder Kahlschlag spricht.