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Radfahrer stürzt über Draht: Kinder für Unfall in Alfter verantwortlich

Radfahrer stürzt über Draht : Kinder für Unfall in Alfter verantwortlich

Nachdem in Alfter ein Radfahrer über ein gespannten Draht gestürzt war, meldeten sich Eltern von Schulkindern bei der Polizei. Die Kinder hätten dort "gespielt".

Ist es jugendlicher Übermut, ein dummer Streich oder aber eine Straftat, wenn laut Bonner Polizei „Schüler“ einen Draht in Kniehöhe über einen viel frequentieren Trampelpfad spannen? Genau dieser Draht hat am Dienstagabend den 48-jährigen Pädagogen Ferdinand Fendel zu Fall gebracht, als er auf dem Hirnsberg-Pädchen am Jakob-Wahlen-Park in Alfter mit dem Fahrrad unterwegs war.

Wie Ruth Braun, Sprecherin der Bonner Polizei, gestern mitteilte, waren Kinder für den Unfall auf dem Weg verantwortlich. Nach einem Zeugenaufruf hatten sich Eltern mehrerer Grundschülern bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass die Kinder dort gespielt hätten, so die Pressestelle.

Für Ferdinand Fendel war das allerdings alles andere als ein Spiel. Als er aus voller Fahrt über den Draht stürzte, zog er sich einen Jochbeinbruch und einen Kieferanbruch zu. Geklärt werden muss nun in den nächsten Tagen, ob er noch operiert werden muss. Folgeschäden seien nicht auszuschließen. Dementsprechend hat er Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Wie Fendel gestern bei einem Ortstermin mit Georg Melchior, Vorsitzender des Alfter Heimatvereins, berichtete, hatte er mit seinem Rad „noch eine Tour drehen“ wollen. Aus Richtung Jakob-Wahlen-Park war er dann auf dem Weg nach Alfter und benutzte dazu das abschüssige Hirnsberg-Pädchen. Eine Art Trampelpfad, „den viele als Abkürzung benutzen“, erklärte Melchior, dessen Verein der Park gehört.

„Ich war nicht sehr schnell mit etwa 15 bis 20 Stundenkilometern unterwegs“, erinnert sich Fendel. An mehr allerdings nicht: „Nach dem Sturz war ich eine Zeit lang bewusstlos.“ Wie lange er auf dem Trampelpfad gelegen hatte, weiß er nicht mehr. Aber kurz nachdem er wieder bei Bewusstsein war, sei ein Frau mit ihrem Kind vorbeigekommen, die ihm Folgendes berichtet habe: Etwa fünf bis zehn Minuten vor dem Unfall will die Frau den Draht an der Unfallstelle beseitigt haben. Sprich: Stimmt die Darstellung, müssen die unbekannten Kinder sofort wiedergekommen und den Draht neu gespannt haben, über den Fendel dann stürzte.

Für Georg Melchior kein einfacher Streich. Schließlich sei der etwa 2,5 Millimeter dicke, verchromte Draht so massiv gewesen, dass er kaum gerissen wäre. Er geht davon aus, dass der Draht locker eine Tragkraft von rund 200 Kilogramm habe. Zudem war die Metallschnur aus seiner Sicht vergleichsweise aufwendig befestigt worden: „Da der Draht so massiv ist, bekommt man ihn ohne Werkzeug wie eine Zange gar nicht gebogen.“

Was Melchior zudem empört: Um den Draht auf dem Hirnsberg-Pädchen spannen zu können, hatten sich die Unbekannten auf der einen Seite des Pfades Zutritt zu einem eingezäunten und mit einer verschlossenen Holztür gesicherten Grundstück verschaffen müssen. Melchior zeigt auf die Tür, die – offensichtlich umgetreten – im Zugangsbereich des Grundstückes liegt.

Erklärungen wie: „Es war doch nur ein Spiel und keine böse Absicht“ will der Fachlehrer für Sonderpädagogik nicht gelten lassen. Fendel: „Kinder müssen Wiedergutmachung lernen, sonst entsteht keine Empathie.“ So wäre aus seiner Sicht eine Entschuldigung bei ihm „das Mindeste“. Polizeisprecherin Ruth Braun sagt dazu: „Die Ermittlungen zu dem Unfall sind noch nicht abgeschlossen.“