Prozess gegen Erzbistum Kölner Landgericht sieht im Fall Melanie F. keinen Missbrauch im Amt

Bonn · Kirchenexperten üben nach einem sogenannten Hinweisbeschluss im Fall der von einem Priester missbrauchten Melanie F. scharfe Kritik am Kölner Landgericht. Dieses ist der Ansicht, dass der frühere Pfarrer U. die Taten nicht im Amt, sondern als Privatperson begangen hat.

 Melanie F. vor dem Pfarrhaus von Sankt Matthäus in Alfter. Hier lebte sie Ende der 1970er Jahre als Pflegekind mit dem damaligen Diakon U. und einem weiteren Pflegekind.

Melanie F. vor dem Pfarrhaus von Sankt Matthäus in Alfter. Hier lebte sie Ende der 1970er Jahre als Pflegekind mit dem damaligen Diakon U. und einem weiteren Pflegekind.

Foto: Bernd Eyermann

Für das Kölner Landgericht hat der frühere Pfarrer U. die ungezählten sexualisierten Gewalttätigkeiten gegen seine damalige Pflegetochter Melanie F. nicht als Priester, sondern nur im privaten Bereich ausgeübt. Wörtlich erklärte die Justizbehörde, dass die „vorgetragenen Missbrauchshandlungen in den Jahren 1979 bis 1985 kein Handeln in Ausführung eines öffentlichen Amtes darstellen dürften“. Diese seien „ausschließlich außerhalb der Tätigkeit als Pfarrer im privaten Bereich als Pflegevater“ von Melanie F. erfolgt. In Betracht komme, dass kirchliche Verantwortliche eine Aufsichts- oder Schutzpflicht für die Pflegetochter verletzt hätten.