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Kommunalwahl: Sandra Semrau will für die Freien Wähler Alfterer Bürgermeisterin werden

Kommunalwahl in Alfter : Sandra Semrau will Alfterer Bürgermeisterin werden

Dass Sandra Semau für die Freien Wähler in Alfter antritt, hat auch mit Wasser zu tun. Mit viel Wasser, das auf ihrem Grundstück stand.

Dass Sandra Semrau Bürgermeisterin werden will, hat unter anderem mit Wasser zu tun. Mit ziemlich viel Wasser. Im Juli 2008 stand es nach starken Regenfällen rund einen Meter hoch im Hof des Hauses, in dem die Familie seit 2005 wohnt. Viele Menschen litten damals und bei anderen Unwettern unter Fluten aus dem Görresbach, mussten sich mit hohen Sachschäden beschäftigen.

Sie habe recherchiert, warum ein solches Hochwasser überhaupt möglich sei und was die Alfterer Gemeindeverwaltung dagegen unternimmt, berichtet die 50-Jährige. Die Kurzfassung: Bis heute hat die Gemeindeverwaltung laut Semrau längst nicht alles Notwendige zum Hochwasserschutz umgesetzt. Möglicherweise könnte sich das ändern, wenn sie die Wahl gewinnt.

2012 aus der CDU ausgetreten

Und das für die Freien Wähler, deren Vorsitzende sie seit dem Jahr 2014 ist und im Gemeinderat mit vertritt. Für Semrau, verheiratet und Mutter zweier Söhne, ist es die zweite politische Karriere. Vor rund 20 Jahren war sie Mitglied im Rhein-Erft-Kreistag sowie im Brühler Stadtrat.

Damals allerdings für die CDU, der sie 2012 den Rücken kehrte. Der Grund sei die Einführung der Herdprämie gewesen, die für Semrau, die zeitweilig als Tagesmutter arbeitete, eine „Geringschätzung der Frauen“ sei. Von Haus aus ist Semrau Verwaltungsfrau, unter anderem mit einem berufsbegleitenden Studium im Bereich Verwaltungsmanagement. Seit 2010 arbeitet sie im Kulturreferat des Amtes für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Sie kommt mit Bauherren in Kontakt, wenn es um archäologische Funde bei Bauvorhaben geht.

Kein Wachstum um jeden Preis

Und warum nun Bürgermeisterin? „Ich habe den Wunsch, in eine Gestaltungsebene zu kommen“, sagt sie – und ergänzt: „Alfter wird seit Jahren verwaltet und nicht gestaltet.“ Gestalten würde sie als Bürgermeisterin indes maßvoll. Das zeigt sich, als das Gespräch auf das große Gewerbegebiet Alfter-Nord und auf das auch nicht gerade kleine Witterschlicker Baugebiet „Buschkauler Feld“ kommt. Die Freien Wähler drängen darauf, zu erfahren, ob diese Vorhaben ein finanzieller Gewinn oder Verlust für die Gemeinde sind.

Solange man die Daten zur Wirtschaftlichkeit nicht kenne, befinde man sich im Blindflug, meint Semrau. Wohnbau müsse effektiv und fokussiert ausgerichtet sein, etwa durch die Schließung von Baulücken und den Ausbau von Dachflächen, erläutert sie.

Zwei Themengebiete hat Semrau nach eigener Aussage besonders im Fokus. Da ist der Bereich Familie. Es gelte, Familien und Alleinerziehende schon früh zu unterstützen, Angebote besser zu vernetzen, aber auch den Bedarf an Kindergartenplätzen genauer zu ermitteln und die Schulen mit Sozialarbeitern auszustatten. Apropos Schule: Semrau will sich weiter für eine weiterführende Schule in Trägerschaft der Gemeinde engagieren.

Ein Blumenstrauß für die Sekretärin

Thema Nummer zwei ist das Klima. „Der Klimawandel ist im Ort angekommen“, sagt Semrau und verweist  auf den geschädigten Alfterer Wald. Dem Klimawandel zu begegnen bedeutet ihr zufolge unter anderem, Gebäude im Eigentum der Gemeinde energetisch zu sanieren oder bei den Menschen im Ort für den Umweltschutz zu werben. Nachhaltigkeit müsse an jeder Stelle mitgedacht werden, findet sie.

Semrau hat Pläne für Alfter – und formuliert, was der Gemeinde fehlt: Transparenz in der Haushaltsführung und ein Leitbild. Letzteres wolle sie mit den Kommunalpolitikern im Gemeinderat erarbeiten. Auf dessen Basis sollten dann Ziele entwickelt, operationalisiert und somit das Handeln der Verwaltung messbar gemacht werden. Auch in ihrer Freizeit ist Semrau gerne aktiv. Durch die Natur geht sie in Wanderschuhen oder fährt mit dem Fahrrad. Gerne trifft sie sich mit Freunden. „Ich bin ein geselliger Mensch“, sagt sie. Davon könnte die Sekretärin im Bürgermeisterbüro nach einem Wahlsieg Semraus profitieren. Ihr würde Semrau am ersten Tag als Bürgermeisterin erstmal einen Blumenstrauß überreichen.