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Gravierende Mängel bei der S 23: Lahme Türen, Störungen im Getriebe

Gravierende Mängel bei der S 23 : Lahme Türen, Störungen im Getriebe

Schon der Blick von Dirk Helfert sprach Bände. Mit versteinerter Miene trat der Leiter der Abteilung Verkehrsbetrieb Rheinland der Deutschen Bahn (DB) Regio NRW am Freitag in Köln vor die Presse.

Mit dabei: die beiden Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR), Heiko Sedlaczek und Norbert Reinkober. Das Thema: die zahlreichen Verspätungen, Ausfälle und damit verbundenen die zu geringen Sitzplatzkapazitäten im sogenannten Kölner Dieselnetz, zu dem neben den Strecken von Köln über Euskirchen in die Eifel auch die S 23 (Voreifelbahn) zwischen Bonn und Euskirchen beziehungsweise Bad Münstereifel gehört.

Wie berichtet, klagen Reisende seit langem über die aus ihrer Sicht teils katastrophalen Zustände auf diesen Verbindungen - sowohl vor als auch nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember. Gestern nun präsentierte Helfert in den Räumen des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland eine ganze Liste an Erklärungen dafür. Etwa die jüngsten Witterungsverhältnisse. So seien durch Unwetter in der Eifel Strecken teils nicht befahrbar gewesen und Fahrzeuge beschädigt worden.

Zugleich musste Helfert aber auch gravierende Mängel an den neuen Fahrzeugen vom Typ Coradia Lint eingestehen. Unter anderem seien Schläuche abgeplatzt, als die Heizungen eingeschaltet wurden, berichtete er. Im Führerhaus sei dadurch die Steuerungselektronik nass geworden und ausgefallen, so Helfert. Und: "Wenn Sie mich fragen, ob wir mit dem Föhn dagestanden haben, um die Züge zu trocknen: Ja."

Damit aber nicht genug. Auch berichtete der DB-Mann von vier Getriebestörungen, die seit Inbetriebnahme der Lints vor einem halben Jahr aufgetreten seien. "Normalerweise halten Getriebe zehn Jahre", so Helfert. Der Hersteller der Züge, die Firma Alstom, habe dafür noch keine Lösung. Daher habe man vorsorglich Reservegetriebe gekauft. "Für den Preis könnte man sich auch ein schönes Einfamilienhaus in Köln leisten", sagte Helfert. Dazu kämen 231 kleinere Mängel an 52 Zügen innerhalb von vier Wochen. In allen Punkten stehe man in Kontakt mit dem Hersteller, so Helfert. Dieser habe versprochen, dass ab Februar die größten Probleme beseitigt sein werden. Bis dahin würden wieder 14 alte Fahrzeuge vom Typ Talent auf den Strecken eingesetzt.

Auch in Sachen Türen beim Lint soll sich etwas tun. Hier klagen Reisende darüber, dass sich diese viel zu langsam öffnen und es so zu Verspätungen komme. Laut Helfert hat Alstom die Software zur Türsteuerung überarbeitet. Sobald dafür die Betriebsgenehmigung vorliege, könne man ein paar Sekunden herausholen. Auch gebe es weitere Überlegungen, um die Türen schneller zu öffnen. Zugleich verwies Helfert auch auf geänderte Sicherheitsnormen, die sich auf die Öffnungs- und Schließzeiten auswirkten.

Um die Pünktlichkeit der Züge zu erhöhen, wolle die DB Regio Nordrhein-Westfalen überdies interne Arbeitsabläufe ändern. Dazu machte Helfert aber auch deutlich, dass nach dem Fahrplanwechsel nicht alles schlechter geworden sei. So habe die S 23 immer noch eine Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent.

"Ich bitte Sie, sich Gedanken zu machen, wie man den Fahrgästen eine Entschädigung zukommen lassen kann", sagte NVR-Geschäftsführer Sedlaczek sodann in Richtung Helfert. Zugleich forderte er die DB und Alstom auf, die Leistung zu erbringen, die der NVR bei der Bahn bestellt habe. Und zwar "ohne das Schauen auf die Bilanzen." Nachbesserung forderte der NVR-Mann auch in Sachen Fahrgastinformation bei Verspätungen und Ausfällen.

Kritik gab es auch von der Politik. In einer Erklärung fordern die im NVR vertretenen Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP/Freie Wähler "nachdrücklich alle Beteiligten auf, unverzüglich sämtliche Maßnahmen zu ergreifen, die eine Erhöhung der Zuverlässigkeit im Kölner Dieselnetz und eine Optimierung der Fahrpläne zum Inhalt haben." Sedlaczek gab sich dahingehend auch selbstkritisch. Man müsse sich fragen, ob die Zeiträume zwischen der Ausschreibung von Strecken, dem Zugschlag und der Inbetriebnahme lang genug seien, um neue Züge richtig zu testen. Laut Sedlaczek hat der NVR im Jahr 2014 Strafzahlungen im einstelligen Millionen-Bereich von der DB Regio NRW erhalten. Dieses Geld wolle man nutzen, um zusätzliche Fahrzeuge zu finanzieren, etwa für die Strecken in die Eifel. Für die S 23 gebe es aktuell einen Antrag aus der Politik an die NVR-Geschäftsführung, eine vorgezogene Elektrifizierung der Strecke zu prüfen - also nicht erst, wenn der Dieselnetz-Vertrag mit der DB im Jahr 2033 ausläuft. Sedlaczek schätzt die Kosten dafür auf 50 Millionen Euro.