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Ortsvorsteher in Witterschlick: Mit Leidenschaft auf dem kleinen Dienstweg

Ortsvorsteher in Witterschlick : Mit Leidenschaft auf dem kleinen Dienstweg

Nach 16 Jahren hört Sigrid Pippon als Ortsvorsteherin von Witterschlick und Volmershoven-Heidgen auf

Sigrid Pippon legt Wert auf die Schreibweise ihres Vornamens: Sie bevorzugt das weiche „d“ statt des harten „t“. „Mein Vater hatte das „t“ durchgesetzt. Aber es gefiel mir noch nie“, schmunzelt die CDU-Ratsfrau und ehemalige Ortsvorsteherin von Witterschlick und Volmershoven-Heidgen. Nach 32 Jahren im Alfterer Gemeinderat und 16 Jahren als Ortsvorsteherin hat sich die 77-Jährige aus der Kommunalpolitik verabschiedet.

„Wegen Corona war es ein ideales Jahr zum Aufhören. Da fanden keine Sitzungen mehr statt. So konnte ich mich daran gewöhnen“, erzählt die leidenschaftliche Politikerin. 1943 in Thüringen geboren, floh sie 1952 mit ihrer Mutter in die Eifel – der Vater war bereits im Westen – und wuchs in Blankenheim auf. Nach dem Scheitern einer ersten Ehe kam die damals 23-Jährige nach Witterschlick, um bei ihrem Bruder zu arbeiten.1969 heiratete sie den Christdemokraten Heinz Pippon.

Sie gehörte zu den Gründerinnen

der Alfterer Frauen-Union

1970 trat sie in die Junge Union ein und wurde später Mitglied der CDU. Seitdem engagiert sich die „Zugezogene“ für die Menschen ihrer Wahl-Heimat. Zügig wurde sie in den Vorstand der CDU Witterschlick, 1974 das erste Mal in den Alfterer Rat gewählt, außerdem gehört sie zu den Gründungsmitgliedern der Alfterer Frauen-Union. Der Gang in die Politik war für die lebhafte und kommunikative Neu-Bürgerin ein logischer Schritt nach einem Besuch an der Berliner Mauer. „Außerdem bin ich gerne mit Menschen zusammen und wollte, dass es im Dorf weitergeht.“

Die Gestaltungen der Dorfplätze in Witterschlick und Volmershoven-Heidgen, die Einrichtung eines Museums im Haus Kessenich, die energetischen Sanierungen der Turnhallen in beiden Dörfern, der Anbau an der Witterschlicker Grundschule, die Ausweisung von Neubaugebieten, barrierefreie Bushaltestellen und zwei Kunstrasenplätze sind nur einige der Projekte, die Pippon seit ihrer zweiten Ratsmitgliedschaft ab 1994 und ihrer späteren Tätigkeit als Ortsvorsteherin auf den Weg gebracht hat.

Häufig klingelt bei ihr noch abends das Telefon, weil irgendetwas nicht funktionierte. „Ich kann als Ortsvorsteherin nichts entscheiden. Manchmal genügt allerdings der kleine Dienstweg und ein Anruf bei der Verwaltung, um Probleme zu beseitigen“. Dass nicht jeder ihren Einsatz für die Allgemeinheit zu würdigen weiß, hat die 77-Jährige auch erlebt, als Unbekannte nicht nur ihr Auto mit Eiern bewarfen, sondern auch die Reifen zerschnitten und den Lack mit Farbe besprühten.

Kritisch verweist sie auch auf Probleme, die sie bisher nicht lösen konnte. Wie zum Beispiel die Verkehrsberuhigung auf der Hauptstraße. Mehrere Wochen lang wurde von der Kreuzung Nordstraße/Am Missionskreuz bis zu Edeka Schwindt die Einhaltung von Tempo 30 überwacht. Ergebnis: 70 Prozent der Fahrer halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung.