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Voreifelbahn S 23: Neuer Fahrplan, alte Probleme

Voreifelbahn S 23 : Neuer Fahrplan, alte Probleme

Bereits die ersten Tage nach dem Fahrplanwechsel zeigen, dass noch immer teils chaotische Zustände auf der Voreifelbahn, der S 23, herrschen.

Am vergangenen Wochenende herrschte allseits gute Stimmung. Mit schönen Worten und warmen Getränken wurden am Sonntag die neuen Haltepunkte der Voreifelbahn in Alfter-Impekoven und Bonn-Endenich eröffnet. Ebenso wurde das neue zweite Gleis zwischen Duisdorf und Witterschlick in Betrieb genommen. Aus der RB 23 wurde die S 23.

Alles neu, alles besser, hatte die Bahn versprochen. Schließlich brauchten die Reisenden in der Vergangenheit starke Nerven: Ausfälle und Verspätungen waren an der Tagesordnung. Darüber hinaus sorgte nicht selten ein zu geringes Platzangebot für großen Ärger unter den Passagieren, die sich wie Ölsardinen in der Dose vorgekommen waren. Und nun? Bereits die ersten Tage nach dem Fahrplanwechsel zeigen, dass noch immer teils chaotische Zustände auf der Voreifelbahn herrschen. Fahrgäste haben sich in den vergangenen Tagen beim General-Anzeiger gemeldet und ihre negativen Erfahrungen mit der S 23 geschildert.

Wie Christoph Droste aus Alfter-Gielsdorf berichtet, habe am Montag der Zug, der um 7.22 Uhr von Alfter-Impekoven nach Bonn fahren sollte, fast 20 Minuten Verspätung gehabt. "Der verspätete Zug war dermaßen voll, dass ich kaum hineinkam und mich per Handy davon überzeugen musste, dass meine Töchter es geschafft hatten", berichtet Droste. "Augenscheinlich blieben aber einige Personen am Bahnhof zurück." Statt geplanter 40 Minuten habe er anderthalb Stunden zur Arbeit benötigt, seine Töchter seien zu spät zur Schule gekommen. "Ich bin seit mehr als zehn Jahren Abonnent im Verkehrsverbund und habe eine permanente Verschlechterung meiner Verbindung erlebt", sagt Droste, und: "Ich werde jedenfalls ernsthaft überlegen, ob ich wirklich bereit bin, für das immer schlechter werdende Angebot weiterhin fast 1200 Euro im Jahr auszugeben."

Früh am Dienstagmorgen hatte Ralf Manns aus Alfter-Witterschlick Ärger mit der S 23. "Der erste Zug fährt nun im neuen Fahrplan ab meinem Wohnort schon vier Minuten später los", sagt er. "An der Haltestelle Bonn-Endenich Nord erfolgte ein längerer Aufenthalt, da aufgrund von 'Verzögerungen im Betriebsablauf' keine Einfahrt nach Bonn möglich war", fügt er hinzu. Als der Zug dann am Bonner Hauptbahnhof angekommen sei, sei der Anschluss nach Köln für viele Fahrgäste weg gewesen. Damit aber nicht genug. Manns berichtet von weiteren Zugausfällen am Montag und Dienstag, ebenso wie von Zügen, die nur mit einem Fahrzeug statt mit zwei unterwegs gewesen seien.

Von solchen "Sardinenbüchsen" und zahlreichen Ausfällen kann auch Gaby Cremer berichten. Beinahe täglich pendelt sie beruflich zwischen Blankenheim, Euskirchen und Bonn. "Seit dem Einsatz der neuen Züge gab es kaum eine Fahrt, bei der es nicht zu Verspätungen kam", sagt sie. Zum Teil seien die Verspätungen so gravierend, dass - trotz verlängerter Umsteigezeiten in Euskirchen - Anschlusszüge verpasst würden. Ihre Kritik geht aber noch weiter. Die Bahn nutze die verlängerte Umsteigezeit in Euskirchen nur dazu, bereits eingeplante Verspätungen gegebenenfalls abzufangen, findet sie. Außerdem seien die neuen Züge vom Typ Coradia Lint, die unter dem Namen Vareo fahren, gar nicht für eine Strecke mit so vielen Haltepunkten geeignet. "Was der Lint an Endgeschwindigkeit rausholen könnte, macht die verlangsamte Türtechnik der zu wenigen Türen zunichte." Für Benedikt Engel (17) führen die Verspätungen wiederum zu großen Problemen auf dem Schulweg. Von Rheinbach muss er morgens die S 23 nach Euskirchen nehmen.

Dort steigt er in einen Zug (RE 12) nach Urft, um den Schulbus zum Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld zu erreichen. Am Montag habe der Zug Euskirchen nicht anfahren können, weil das Gleis blockiert gewesen sei. Als der Zug nach zehn Minuten eingefahren sei, sei der Anschluss schon fort gewesen. Den Rest der Woche habe sein Vater ihn dann direkt zum Bahnhof Euskirchen gefahren. Nun wolle sich die Familie überlegen, ob die Schule für ihren Sohn noch erreichbar sei. Bahnsprecher Dirk Pohlmann gibt sich zerknirscht. "Es läuft in der Tat nicht richtig rund", sagt er.

Die aktuellen Zustände lägen an einem Bündel von Problemen: neue Arbeitsabläufe und Betriebsprogramme, das neue elektronische Stellwerk in Euskirchen sowie weiterhin Probleme mit den neuen Fahrzeugen. Aufgrund der Probleme mit den Vareos würden zeitweilig auch die alten Talent-Züge eingesetzt. Man sei diesbezüglich in Kontakt mit dem Hersteller der Vareos, der Firma Alstom. Am Fahrplan werde wohl nichts geändert werden können. Der jetzige Fahrplan sei unter anderem eine Reaktion auf die aus Sicherheitsgründen längeren Öffnungs- und Schließzeiten der Türen.

"Wir hoffen, die Situation bis zum neuen Jahr zu verbessern", sagt Pohlmann. Den Reisenden mag das Mut machen. Es bedeutet aber auch, dass sie bis dahin sicher noch so manchen Ärger mit der Voreifelbahn haben werden.