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Nosferatu-Spinne in Alfter - wie giftig ist die Spinne?

Spinnen-Art in unserer Region gesichtet : Wie gefährlich ist die Nosferatu-Spinne?

Sie hat acht Beine, ist gelb-bräunlich gefärbt, wird bis zu fünf Zentimeter groß und sorgt für Gesprächsstoff – nicht zuletzt, weil sie giftig ist. Nun wurde auch in Alfter eine Nosferatu-Spinne entdeckt. Wie gefährlich sind die Tiere?

Louise Roos wollte im Innenhof ihres Hauses nur ein wenig aufräumen – und machte dabei eine für die Familie aufregende Entdeckung. „Auf dem Tisch stand eine Plastikkiste“, berichtete die Frau aus Alfter. Ihr fünfjähriger Sohn Lennart habe dann gesehen, dass ein Tier in der Kiste sitzt: eine Spinne, eine für hiesige Verhältnisse recht große Spinne. Für Roos stand schnell fest, dass es sich um eine Nosferatu-Spinne handeln musste. „Ich habe viel darüber gelesen, wir interessieren uns für solche Tiere“, sagte die Alftererin im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Roos hatte recht. Hans-Joachim Krammer, Spinnenexperte aus dem Forschungsmuseum Koenig in Bonn, identifizierte das Tier aus Alfter anhand von Fotos, die ihm der GA geschickt hatte. Die Nosferatu-Spinne hat acht Beine, ist gelb-bräunlich gefärbt, wird bis zu fünf Zentimeter groß und sorgt derzeit für Gesprächsstoff – nicht zuletzt, weil sie giftig ist.

Nosferatu-Spinne ist nicht völlig neu in der Region

Auch wenn diesen Sommer vermehrt Sichtungen der Nosferatu-Spinne bekannt werden, ganz neu ist die Art in Deutschland – und auch in der Region Köln/Bonn – nicht. Krammer erinnert sich noch gut an einen Fall aus dem Jahr 2008. Schon damals sei in Brühl ein Exemplar der Spinne, Fachname „Zoropsis spinimana“, gesichtet worden. Zur Untersuchung sei die Spinne damals ins Museum Koenig gebracht worden. Dort ist das Tier noch heute anzutreffen – allerdings völlig ungefährlich, konserviert in einer alkoholischen Lösung.

Heimisch ist die Nosferatu-Spinne im Rheinland eigentlich nicht. „Ursprünglich ist das eine mediterrane Art“, sagte Krammer dem GA, „die sich inzwischen über ganz Deutschland verteilt hat“. Die ersten Exemplare seien in Süddeutschland gesichtet worden, vor wenigen Jahren seien die ersten Exemplare der Gattung sogar in Bremen nachgewiesen worden. Das Klima hat die Ausbreitung der Art möglich gemacht.

Obgleich sie giftig ist, gibt es laut Krammer keinen Grund zur Sorge. In ganz Mitteleuropa gebe es keine Spinne, die dem Menschen wirklich gefährlich werden könnte. Fachleute schätzen den Biss der Nosferatu-Spinne als vergleichbar mit einem Mücken- oder Bienenstich ein. Gefährlich sei der Biss in aller Regel aber nicht, es sei denn, man reagiere darauf allergisch, heißt es. Wer eine Nosferatu-Spinne im Haus entdeckt, kann ein Gefäß über das Tier stülpen, dieses abdecken und das Tier nach draußen bringen.

Wann Spinnen Menschen beißen können

Ob eine Spinnenart Menschen beißen könne, habe letztlich schlicht mit ihrer Größe zu tun, sagte Krammer. Je größer das Tier, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass es die menschliche Haut überhaupt durchdringen könne. Die meisten Spinnenarten, die in Deutschland leben, sind so klein, dass sie Menschen nicht beißen können.

Wer sich derzeit allgemein darüber wundert, warum schon jetzt so viele Spinnen in den Häusern unterwegs sind, findet die Antwort im Wetter begründet. Bei dem warmen und trockenen Wetter der vergangenen Wochen haben Spinnen beste Bedingungen vorgefunden, um sich zu vermehren und zu wachsen. Da in diesem Sommer auch viele Mücken und Fliegen unterwegs seien, hätten die Spinnen einen Grund mehr, in die Häuser zu kommen, erläuterte Krammer. Denn die Tiere ernähren sich etwa von Fruchtfliegen, Mücken oder auch Schaben.

Klimawandel bringt immer mehr Arten nach Deutschland

Louise Roos aus Alfter hatte die Nosferatu-Spinne nach der Entdeckung aus der Kiste in ein Glas umquartiert. Nicht nur sie, auch ihre Kinder sind von dem Tier begeistert. Nachdem es einen Tag und eine Nacht zu Anschauungszwecken in dem Glas blieb, setzte Roos es in der Natur aus. Vor geraumer Zeit hatte Tochter Mia (10) in der Sieg bereits eine Chinesische Wollhandkrabbe entdeckt. Auch diese Tierart ist in Europa ursprünglich nicht heimisch, hat sich aber als invasive Art hier etabliert.

Meldungen über Entdeckungen von Nosferatu-Spinnen sind noch kurios. Für Krammer haben sie aber einen ersten Hintergrund: den Klimawandel. Die Einwanderung der Spinne sei eine Folge davon, so der Experte. Und es werde nicht die letzte Art bleiben, die ob des Klimas von Süden nach Norden komme.