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Interview mit Hans Kemp: Schauspiel ist seine Leidenschaft

Interview mit Hans Kemp : Schauspiel ist seine Leidenschaft

Der Herseler Hans Kemp ist seit 70 Jahren Mitglied im Theaterverein „Edelweiß“. Fast die Hälfte davon war Kemp Vorsitzender. Auf der Bühne stand er zunächst nur als Statist.

Theater und Schauspielerei sind für Hans Kemp Leidenschaft und zugleich Lebenselixier. Seit 70 Jahren ist der 86-Jährige Mitglied im Theater-Verein „Edelweiß“ Hersel-Uedorf. In 157 Auftritten ist Kemp seit 1950 in mehr als 60 Rollen geschlüpft. 28 Jahre lang war er zudem Vereinsvorsitzender und fungierte mehrere Jahre als Spielleiter. Zahlreiche Ehrungen wurden dem Herseler im Laufe der Jahre zuteil.

Der Vorsitzende Toni Breuer überreichte dem Mitglied „mit der längsten Mitgliedschaft aller Vereine in Hersel“ eine Ehrenurkunde und mit dem „Schauspieler“ eine Figur,  die es so nur einmal gibt. Zum ersten Mal vergab der Theater-Verein die „goldene Mitgliedschaft“. Mit der Karte können Hans Kemp und seine Frau Thea in Zukunft alle Aktivitäten des Vereins kostenlos mitmachen. Über den Wandel des Laientheaters im Laufe der Jahre sprach Hans Kemp mit Susanne Träupmann.

Warum traten Sie mit knapp 16 Jahren in den Verein ein?

Hans Kemp: Der Theaterverein entstand 1924 aus dem sogenannten Jünglingsverein, einer Art Junggesellenverein oder Männerreih. Im Laufe der Jahre hatte sich „Edelweiß“ unter den örtlichen Vereinen einen Namen gemacht, und jeder, der im Ort Rang und Namen hatte, wurde dort Mitglied. Auch mein Vater Johann war kurz nach der Gründung eingetreten, auch wenn er nie als Schauspieler auf der Bühne stand. So war für mich klar, dass ich mich dort ebenfalls engagieren werde – gemeinsam mit vier weiteren Jugendlichen.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Rolle?

Kemp: Ich war noch 15 Jahre alt, als ich bei den Proben zum Passionsstück „Herr der Welt“ mitmachen durfte – als Statist. Meine erste Sprechrolle erhielt ich mit 17 in der Inszenierung „Das Glücksmädel“. Das war ein Volksstück mit Gesang von Max Reimann und Otto Schwartz, das auch beim Willi Millowitsch-Theater auf dem Spielplan gestanden hatte. Der Spielleiter hatte mich als „alten Baron“ besetzt, der die Hochzeit seines Sohnes mit einer Bürgerlichen verhindern wollte, dann aber vom Wohlstand ihres Vaters erfährt und der Eheschließung zustimmt.

Welche Rollen sind Ihnen besonderes gut im Gedächtnis?

Kemp: Das kann ich nicht mehr so sagen. Bei der Vielfalt der Texte gab es immer welche, die leicht zu erlernen waren und andere, die mehr Zeit benötigten. Entscheidend war immer, dass zur Aufführung Text und Choreografie perfekt sitzen mussten. In jungen Jahren wurde ich häufiger mit der Rolle des jugendlichen Liebhabers besetzt, was mir gut gefiel. Als schwierig empfand ich das Stück „Die Zirkusgründung“, in dem ich einen Betrunkenen mimen musste. Das kostete viel Einfühlungsvermögen.

In welcher Form hat sich Ihr Verein im Laufe der Zeit verändert?

Kemp: Der Fokus ist heute ein anderer. Während wir früher im Frühjahr Dramen und im Herbst Lustspiele aufführten und die Schauspieler also zwei unterschiedliche Rollen pro Jahr lernen mussten, bringen wir seit Jahren nur noch eine Inszenierung und da meistens ein Lustspiel auf die Bühne.

Warum Lustspiele?

Kemp: Die Leute möchten sich bei einem Theaterbesuch amüsieren und vom Alltag abschalten. Das bieten wir ihnen mit Komödien und Verwechslungsgeschichten.  Außerdem haben sich Technik und Dekorationen gewandelt. Beide sind aufwändiger in der Bedienung und in der Fertigung, haben aber zu einer größeren Professionalität bei uns geführt. So haben wir statt wärme-erzeugender Lampen nun LED-Leuchten auf der Bühne und durch Headsets sind die Schauspieler problemlos in den hintersten Reihen unseres Theaters, der Widdiger Mehrzweckhalle, zu hören.

Sie waren jahrelang Spielleiter. Was ist das Besondere an dieser Funktion?

Kemp: Der Spielleiter wählt in Frage kommende Stücke aus, verteilt die Rollen, setzt Leseproben an und führt Regie. In dieser „Rolle“ muss man sich in die Personen der Stücke hinein versetzen, um die entsprechenden Rollen zu vergeben. Das ist nicht immer ganz einfach. Außerdem: Wenn der Spielleiter ein Stück gut findet, aber nicht die entsprechenden männlichen oder weiblichen Mimen zur Verfügung stehen, oder Aktive, die ja Laien sind, aus beruflichen oder privaten Gründen kurzfristig absagen, ergeben sich Probleme, die dann kurzfristig gelöst werden müssen. Dann müssen Alternativen her. Das kostet den Spielleiter Zeit, die er zusätzlich investieren muss.

Mit „Alter schützt vor Liebe nicht“ standen Sie 1998 zum letzten Mal auf der Bühne. Vermissen Sie die Schauspielerei?

Kemp: Schon ein wenig. Aber im Verein gibt es auch sonst immer viel zu tun. Er ist im Herseler Ortsleben sehr aktiv. Und da helfe ich bei den Vorbereitungen der verschiedenen Veranstaltungen. Für mich war es immer wichtig, mit dem Verein und seinen Mitgliedern zu leben.

Worüber haben Sie sich als Schauspieler am meisten gefreut?

Kemp: Eine erfolgreiche Inszenierung war immer das Wichtigste. Ein großer persönlicher Erfolg für mich war die Verleihung des Theater-Bambis 1959, 1971, 1972 und 1975. Denn die Auszeichnung als bester Schauspieler einer Inszenierung erfolgt durch die Abstimmung von Kollegen und Publikum –  eine große Ehre.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Kemp: Ich hoffe, dass der Verein mit seinen heute 50 Mitgliedern weiterhin so aktiv ist. Und natürlich möchte ich in vier Jahren das 100-Jährige erleben und mitfeiern.