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Gründung im Revolutionsjahr 1848: Schützen in Alfter feiern 170 Jahre Bruderschaft

Gründung im Revolutionsjahr 1848 : Schützen in Alfter feiern 170 Jahre Bruderschaft

Im Wald an einer großen Eiche gründete sich 1848 die St. Hubertus-Matthäus-Schützenbruderschaft. Gefeiert wird der runde Geburtstag am Wochenende mit einem Festkommers, einem Umzug und Schießwettbewerben - und dem 79. Bezirksschützenfest.

Man schreibt das Revolutionsjahr 1848. Neue gesellschaftliche Gruppierungen fordern Freiheit, nationale Einigung und politische Teilhabe in Deutschland. „Um Arme und Schwache vor Freiheitskämpfern und anderen Freischärlern zu beschützen“, wie es in der Vereinschronik heißt, schließen sich in jener Zeit in Alfter „mutige Männer“ zusammen, die auch dann weiter einen Verbund bilden, als „wieder Ruhe und Ordnung“ eingekehrt sind.

Es ist die Geburtsstunde der heutigen St. Hubertus-Matthäus-Schützenbruderschaft, die an diesem Wochenende mit einem Festkommers, einem Umzug, Schießwettbewerben und mehr ihr 170-jähriges Bestehen feiert. Zudem richtet sie das 79. Bezirksschützenfest des Bezirksverbandes Bund Vorgebirge aus.

Zurück zu den Anfängen: Nach der Gründung, damals noch im Wald an einer großen Eiche, wurde 1850 Matthias Forschlach als erster Alfterer Schützenkönig ermittelt. Den Vorsitz führte Hauptlehrer Linden, und Fürst Salm Reifferscheid stellte dem Verein, als dessen Schutzpatron der heilige Hubertus fungiert, ein Grundstück für den Bau eines Schießstandes zur Verfügung. Auch sozial engagieren sich die Männer in den folgenden Jahrzehnten. Beispielsweise, indem sie 1870/71 inmitten des Deutsch-Französischen Kriegs eine Unterstützungskasse für in Not geratene Schützen und arme Mitbürger im Dorf einrichten.

Natürlich haben die Alfterer auch sportliche Ambitionen. Um bei auswärtigen Schützenfesten konkurrenzfähig zu bleiben, schaffen sie 1897 neue Büchsen an. „Der Vorderlader wurde durch den Hinterlader abgelöst. Die Patronen dazu wurden von den Schützen aus Kostengründen selbst angefertigt“, ist in der Chronik nachzulesen. 1927 wird das erste Bezirksbundesschießen veranstaltet, bei dem sich die Alfterer die erste Bundeskette sichern. Und seit dem Beitritt der St. Matthäus Schützengilde im Jahr 1947 nennt man sich St. Hubertus-Matthäus Schützenbruderschaft Alfter.

Seit 1998 können auch Frauen Mitglied werden

Die Gleichberechtigung hält schließlich 1998 Einzug: Die Generalversammlung beschließt in geheimer Wahl mit Zweidrittelmehrheit die Änderung der Satzung, um künftig Frauen als Mitglieder aufzunehmen. Von den aktuell 43 aktiven Mitgliedern sind mittlerweile elf Frauen. „In der heutigen Zeit müssen Vereine sich verändern, um überlebensfähig zu sein“, sagt Gabi Haag.

Mit ihrer Wahl zum ersten weiblichen Brudermeister 2017 zeigte die Schützenbruderschaft, dass sich Tradition und Wandel nicht ausschließen. Bei den Jungschützen dagegen war die Entwicklung gegenläufig. In den 90er Jahren gab es mehr als 20 Jungschützen, darunter viele Mädchen, aktuell sind es noch drei Jungschützen.

Das Vereinsleben macht vieles aus: Schützen- und Patronatsfest, das Ostereierschießen und das Frühlingsfest am Pfingstsonntag sowie der enge Kontakt zu den Ortsvereinen und Schützenbruderschaften im Vorgebirge, frei nach dem Leitgedanken „Glaube, Sitte, Heimat“. Auch der Kirche sind die Schützen eng verbunden. Dafür stehen die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und die Übernahme der Patenschaft des Wegekreuzes an der Jakob-Reuter-Straße.

Zurzeit unterhalten die Schützen vier Schießgruppen. Trainiert wird montags ab 18 Uhr auf dem Schützenplatz, Görreshof 100.