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30-Millionen-Euro-Projekt: Schulgebäude soll kleiner werden

30-Millionen-Euro-Projekt : Schulgebäude soll kleiner werden

Nach Widerstand der Bürger reagiert der Bauherr auf die Kritik am Campus der Freien Christlichen Schulen Bonn/Rhein-Sieg in Oedekoven. Um die genaue Planung geht es in der Versammlung am 5. Juni im Rathaus.

Das Gesamtschulgebäude des geplanten Schulcampus der Freien Christlichen Schulen Bonn/Rhein-Sieg (FCSB) in Oedekoven soll kleiner werden als geplant. Dadurch wolle er auf die Kritik der Anwohner eingehen, sagt Andreas Wiegel vom Trägerverein der staatlich anerkannten Privatschule im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Er habe den Architekten beauftragt, Pläne für ein Gebäude zu entwerfen, das zur Straßenseite nur noch dreigeschossig sei. Das gesamte Gebäude solle tiefer gesetzt werden. „Dabei darf die Funktionalität nicht beeinträchtigt werden“, sagt Wiegel mit Blick auf das von der Bezirksregierung Köln vorgeschriebene Raumprogramm. In der nächsten Bürgerversammlung (siehe Kasten) wolle er die neuen Pläne vorstellen.

Wie mehrfach berichtet, wollen die FCSB an der Straße Am Klostergarten einen Campus mit einer Gesamtschule für rund 850 Schüler, einer Turnhalle und einer Kita bauen. Anlass für das 30-Millionen-Euro-Projekt, das ein privater Investor realisiert, ist, dass der bisherige Standort der FCSB am Schöntalweg aus allen Nähten platzt. Dort befindet sich neben der Gesamtschule auch eine Grundschule, die dort bleiben soll.

Schreiben an den Petitionsausschuss des Landes

Begleitet wird das Projekt von viel Kritik. Unter anderem haben Oedekovener ein Schreiben an den Petitionsausschuss des Landes sowie an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, an NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach, an Regierungspräsidentin Gisela Walsken und an Landrat Sebastian Schuster aufgesetzt. Darin listen die Oedekovener um Reinhild Matzies, Christine Annen und Eugen Pfennings auf, warum das geplante Projekt aus ihrer Sicht „in vielfacher Hinsicht kritikwürdig“ sei.

Im Gespräch mit dem GA erläutern Matzies, Annen und Pfennings ihre Punkte. „Braucht Oedekoven zwei Gesamtschulen?“, fragt Annen etwa mit Blick auf das laufende Verfahren zur Einrichtung einer Dependance der Rheinbacher Gesamtschule. Diese soll, wie berichtet, im Gebäude der ehemaligen Hauptschule untergebracht werden, allerdings nur für die Klassen fünf bis zehn. Laut Annen sollte man abwarten, wie sich das Verfahren entwickelt. Im Zweifel könnten die FCSB doch in das alte Hauptschulgebäude ziehen, meint sie.

„Wo liegt der Vorteil für Alfter?“, fragt sich wiederum Matzies. Auch stellt sich die Frage, welche Schüler an der staatlich anerkannten Privatschule aufgenommen werden. „Die Schule wird nicht errichtet, um primär den Bedarf in Alfter aufzufangen“, sagt Pfennings. Seiner Ansicht nach soll durch die Schule der Bedarf in anderen Kommunen im weiteren Umfeld und der Bedarf der Freien Christlichen Schule gedeckt werden. „Das Problem der fehlenden Gesamtschule in Alfter wird hiermit nicht gelöst, zumal Andersgläubige nur in geringem Umfang aufgenommen werden“, so Pfennings.

Weiter monieren die drei die Dimension des avisierten Schulgebäudes. „Die Raumhöhen sind nicht wegzudiskutieren“, sagt Matzies. Ihren Ausführungen nach beträgt die Geschosshöhe im Schulbau 3,75 Meter. „Alle angrenzenden Wohngebäude haben eine Geschosshöhe von 2,75 Metern.“ Generell sind die Flächen an der Straße Am Klostergarten aus Sicht der Oedekovener nicht für das Projekt geeignet. Matzies: „Der städtebauliche Bedarf der Gemeinde sollte sich nach der Bürgerschaft richten und nicht an den Renditewunsch eines Investors.“

Neues Verkehrsgutachten gefordert

Annen kommt auf die Verkehrsproblematik im Bereich der geplanten Schule zu sprechen. „Ich fahre zu unterschiedlichen Tageszeiten, auf der Alma-Brücke gibt es nicht nur zu den Hauptverkehrszeiten einen Rückstau.“ Nach Ansicht von Matzies muss das vorliegende Verkehrsgutachten neu erarbeitet werden, um den Verkehr in den morgendlichen Stoßzeiten besser herauszuarbeiten. „Für etliche Bürger tun sich Fragen auf“, sagt Matzies. Etwa auch, was passieren könnte, wenn die gesamte Baumaßnahme mit Außenanlagen nicht endgültig fertiggestellt wird und damit Bauruinen zurückbleiben könnten.

Wiegel setzt weiter darauf, die Schule zu bauen. Der Campus sei eine Bereicherung für Alfter, findet er. „Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander“, sagt er zum Gegenwind aus der Bürgerschaft. Er habe bei vielen Anwohnern persönlich vorgesprochen. Und: Die Schule werde „niemals mehr“ als vierzügig – vielleicht auch nur dreizügig, das hänge vom Bedarf ab. Auch verweist Wiegel darauf, dass das Schulgebäude nach den bisherigen Plänen so massiv sein würde, weil man der Forderung der Anwohner nach Lärmschutz nachgekommen sei und die Pausenhöfe nach innen verlegt habe.

Zugleich wehren sich Wiegel und der stellvertretende Schulleiter Lutz Giltjes gegen verschiedene Kritikpunkte. Etwa gegen eine starke Zunahme des Verkehrs. Laut Wiegel steigen Gesamtschüler, wenn sie älter werden, mehr und mehr auf den öffentlichen Nahverkehr um, weswegen die Eltern den Schulbus kündigen. Überdies weisen sie den Vorwurf des Schultourismus zurück. Wie Giltjes betont, kommen 25 Prozent aller Gesamtschüler aus Alfter und nur 13 von 247 Schülern nicht aus der Region. Nach Wiegels Angaben werden auch muslimische Kinder aufgenommen. Aktuell seien es etwa zehn. Diese müssten aber am christlichen Religionsunterricht teilnehmen – „und am Krippenspiel“, ergänzt Giltjes.