Keine Kreide mehr an den Fingern Alfter hat 900.000 Euro in die Digitalisierung der Grundschulen gesteckt

Alfter · Board statt Tafel und noch einiges mehr. 900.000 Euro hat die Gemeinde Alfter in die Digitalisierung ihrer Grundschulen investiert. Doch was haben Schüler und Lehrer davon?

Jannik Dropmann fotografiert ein Bild mit dem Tablet ab und sendet es direkt aufs digitale Board. Das erleichtert den Unterricht für ihn, Petra Kelter und Tobias Swaroll.

Jannik Dropmann fotografiert ein Bild mit dem Tablet ab und sendet es direkt aufs digitale Board. Das erleichtert den Unterricht für ihn, Petra Kelter und Tobias Swaroll.

Foto: Stefan Knopp

Tablets und ein digitales Board statt einer Tafel. Also keine Kreide mehr an den Fingern. Als Erwachsener kann man große Augen bekommen, wenn man sieht, was heute an einer Grundschule technisch möglich ist. Die Kinder wachsen wie selbstverständlich damit auf. In der Gemeinschaftsgrundschule Oedekoven stellte Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher nun vor, wie die Investitionen in die Digitalisierung dort sowie an den anderen beiden Alfterer Grundschulen (siehe Info-Kasten) umgesetzt wurden.

Nach Angaben der Gemeindeverwaltung war der Medienentwicklungsplan schon ab 2019, also vor der Pandemie, ausgearbeitet worden. Dieser brachte die Einrichtung von 42 digitalen Boards in den Klassenräumen mit sich. Außerdem wurden für jede Schule 78 Tablets angeschafft sowie insgesamt 59 Laptops für das Lehrpersonal.

900.000 Euro, doch die Gemeinde musste nicht alles selbst bezahlen

Vorher mussten die Schulgebäude aber technisch angepasst werden. Alles zusammen hat laut Schumacher rund 900.000 Euro gekostet. Ein Drittel der Summe sei über Fördergelder abgedeckt worden. Silke Simon vom technischen Gebäudemanagement der Gemeinde zufolge war man früher fertig als geplant.

Die grüne Kreidetafel ist Geschichte, der Unterricht findet an Boards und Tablets statt, die miteinander verbunden sind. Lehrer Tobias Swaroll führte das vor: Ein Schulkind hat einen Schneemann aus runden weißen Filzgleitern gebastelt. Jetzt müsse er diesen nicht mehr herumzeigen, sondern könne ihn mit dem Tablet abfotografieren und direkt aufs digitale Board übertragen, so Swaroll.

Das Board kann für Präsentationen, als Schreibtafel oder zur Auflistung von Aufgaben genutzt werden und auch Schulbücher digital anzeigen. „Wir können unfassbar kreativ mit dem Board arbeiten. Und es spart Zeit“, sagte der Lehrer. Außerdem motiviere es die Kinder ganz anders.

Einen weiteren Vorteil erklärte Lehrer Jannik Dropmann. Die Klassenlehrerin der Pinguinklasse war erkrankt, konnte aber ihren Unterrichtsplan zu Hause ausarbeiten und digital an die Schule senden. So hatte die Vertretung trotzdem eine Grundlage, um mit den Kindern zu arbeiten. Die Lehrer kamen zu dem Schluss: „Das entlastet den Vormittag auf jeden Fall.“

Hausaufgaben werden noch analog erledigt

Mit der Installation und Anschaffung der Geräte ist aber nicht alles erledigt. „Wir versuchen, einen wöchentlichen Austausch mit den Schulen stattfinden zu lassen“, sagte Stephan de Bond, der als IT-Sachgebietsleiter der Gemeinde die Umsetzung begleitet hat. Dabei könnten Fragen geklärt und etwa neue Apps für den Unterricht besprochen werden.

Schumacher bezeichnete diese digitale Ausstattung, mit der auch das neue Gymnasium gestartet ist, als wichtige Investition in die Zukunft. Und für Susanne Petram von der Alfterer Schulverwaltung wurde ein „Meilenstein in der Entwicklung“ erreicht. Der Weg sei aber noch nicht vollendet.

Und die Digitalisierung, sagte die kommissarische Oedekovener Schulleiterin Petra Kelter, habe ihre Grenzen bei den Hausaufgaben. Die würden noch analog erledigt, weil nicht jede Familie über die digitale Ausstattung verfüge. Und ganz auf haptische Schulbücher und Arbeitsblätter verzichten, das gehe auch nicht, schon weil die Kinder ja das Schreiben lernen sollen. Das gehe nicht am Tablet.

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