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Herausforderungen in der Pandemie: So geht es Gastronomen im Vorgebirge und in der Voreifel

Herausforderungen in der Pandemie : So geht es Gastronomen im Vorgebirge und in der Voreifel

Es gibt verspätete Sofortzahlungen und Unklarheiten darüber, wie es weitergeht: Hoteliers und Gastronomen aus Vorgebirge und Voreifel erzählen von den Herausforderungen inmitten der Pandemie.

Kaum eine Branche ist von den Folgen der Corona-Krise so stark betroffen wie die Gastronomie. Hotels und Restaurants dürfen nur eingeschränkt öffnen, Liefer- und Abholservice sind unter Auflagen erlaubt, die Vermietung von Unterkünften zu Urlaubszwecken ist untersagt – ein Ende der Auflagen ungewiss. Auch das Gastgewerbe in der Region hat mit dem Wegbleiben der Kundschaft zu kämpfen, berichtet Eva Konrath, Geschäftsführerin der Rhein-Voreifel Touristik.

Der Verein versteht sich als zentraler Ansprechpartner für die touristischen Belange der sechs Kommunen Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die Bewerbung der Region auf Messen und Veranstaltungen oder die Vermittlung von Unterkünften und Tagungsmöglichkeiten. „Eine Umfrage unter unseren Mitgliedsbetrieben vor den Osterferien hat ein heterogenes Bild ergeben“, berichtet Konrath. Restaurants, für die Kommunionsfeiern, Hochzeiten oder Geburtsgesellschaften wegfielen, treffe es hart. Auch Burgen und Schlösser in der Region mussten für ihre Mitarbeiten zu 100 Prozent Kurzarbeit anmelden. Weniger betroffen seien dagegen Besitzer von Ferienwohnungen, die die Vermietung nicht im Haupterwerb betreiben.

Ausflüge ohne Einkehrmöglichkeiten

Positiv sei, dass derzeit viel Radfahrer die Region „vor der Haustür“ entdecken und Angebote wie die Apfelroute nutzen – leider ohne entsprechende Einkehrmöglichkeiten. Normalerweise wäre auch der Außenbereich des Widdiger Hotel-Restaurants „Rheinterrassen“ beim Traumwetter der vergangenen Wochen voll besetzt gewesen. Stattdessen hatte Inhaber Herbert Kaebe den schönen Ausblick auf Rhein und Siebengebirge fast für sich allein. Nur am Wochenende bietet er derzeit Waffeln, Kuchen und Eis zum Mitnehmen an. „Einen Lieferservice einzurichten, lohnt sich für unser Restaurant nicht“, so Kaebe.

Der Privattourismus im Hotelbetrieb mit 52 Betten ist vollständig zum Erliegen gekommen und der Geschäftsreisemarkt ist zu 80 Prozent eingebrochen. Die Mitarbeiter sind zu 90 Prozent in Kurzarbeit. Besonders macht dem Gastronomen die Ungewissheit zu schaffen: „Wir waren die ersten, die schließen mussten und keiner kann sagen, wie und wann es für uns weitergeht.“

Auch, dass die von ihm beantragte Soforthilfe des Landes nach einem Monat noch nicht eingegangen ist, ist für ihn ein Unding. „Bei diesem Zeitraum kann man nicht mehr von Soforthilfe sprechen“, ärgert sich Kaebe. Ein ähnliches Bild zeichnet Dieter Piel, Geschäftsführer der Hotel- und Gasthauses Spargel Weber in Alfter. Durch Geschäftsreisende sei der Hotelbetrieb von montags bis freitags noch in Gang, doch am Wochenende bleibt für die sieben festangestellten Mitarbeiter und Aushilfen, die sonst im Einsatz sind, nicht viel zu tun. Empfindlich trifft den Betrieb der Wegfall von Familienfeierlichkeiten.

Personal ist zu 100 Prozent in Kurzarbeit

Michael Plötner vom Hotel „Zur Krone“ in Bornheim-Walberberg berichtet: „Im März haben wir von der Krise nur wenig gemerkt, doch seit Beginn der Osterferien ist es sehr ruhig geworden.“ Die Hotelzimmer werden überwiegend von Geschäftsreisenden genutzt. Derzeit ist aber auch diese Kundschaft deutlich weniger geworden. „Wir sind mittendrin in der Krise“, sagt Jens Pfannkuch. Er führt gemeinsam mit seiner Ehefrau Katharina das Waldhotel in Rheinbach mit Restaurants, Festsälen, Tagungsräumen und Biergarten sowie das Stellwerk mit Bar und Restaurant im Bahnhof Meckenheim. Zwar habe er noch keine Mitarbeiter entlassen müssen, aber das gesamte Personal sei zu hundert Prozent in Kurzarbeit. Der Hotelbetrieb mit den 16 Doppelzimmern – die Eröffnung des Erweiterungsbaus mit 32 weiteren Doppelzimmern war für diesen Sommer geplant – sei fast vollständig zum Stillstand gekommen.

Im Stellwerk in Meckenheim habe es bislang Speisen als Take-away-Angebot gegeben. Das soll nun, wie auch im Waldhotel, auf einen Lieferdienst umgestellt werden, so Pfannkuch. Allerdings sieht er für seinen Betrieb ein weiteres Problem: „Der Bankett-Betrieb, der mehr als die Hälfte unseres Jahresumsatzes ausmacht, steht auf der Kippe. Es muss dringend eine vernünftige Entscheidung her. Die Politik soll offen und ehrlich sagen, wie es mit dem Bankett-Betrieb weitergehen soll. Die Gäste hängen ebenso in der Luft wie wir.“ Die Höhe der bisherigen Soforthilfe, die er bekommen habe, helfe für seinen Betrieb angesichts der Kosten wie für die Pacht ebenso wenig wie eine reduzierte Mehrwertsteuer, die zudem ohnehin schon für Teilbereiche gelte. Stattdessen plädiert Pfannkuch: „Das Sinnvollste wäre eine auf den prognostizierten Jahresumsatz ausgerichtete Soforthilfe.“

„Nahezu Null Gäste“

Auf „schwere Wochen mit nahezu Null Gästen“ blickt Elisabeth Weidenbrück für ihr „Landidyll Hotel Weidenbrück“ in Heimerzheim mit 39 Zimmern, Tagungsräumen, Festsälen und Restaurant zurück. Gerade erst hatte sie mit hohem finanziellem Aufwand das Restaurant renoviert. „Am 1. März haben wir eröffnet und am 15. März wieder geschlossen“, bedauert sie. Ein detailliertes Hygienekonzept werde strikt umgesetzt. So herrsche im gesamten Haus Maskenpflicht. Das Frühstück gebe es nicht mehr in Büffet-Form sondern werde den Gästen am Tisch serviert. Die Mitarbeiter des Familienbetriebs seien zwar in Kurzarbeit, aber nicht alle zu hundert Prozent. Sie betont: „Wir werden niemanden entlassen. Die Krise trifft uns zwar wirtschaftlich sehr, aber wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns im Eigentum befinden und keine Pacht zahlen müssen.“

Von einer „verheerenden Situation“ spricht Markus Bergmann, Geschäftsführer des City-Hotels in Meckenheim mit 105 Zimmern, Tagungsräumen und Restaurant. „Wir haben zwar geöffnet. Im Schnitt haben wir aber nur etwa acht Übernachtungen pro Tag, meist Monteure von Handwerksunternehmen“, sagt er. In dem großen Restaurant könnten problemlos die Abstandsregeln eingehalten werden. Er führe den Betrieb zurzeit nur mit den fünf Auszubildenden, die fünf festangestellten Mitarbeiter des Hotels seien in Kurzarbeit.

„Die wenigen Übernachtungen sind nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Wir lechzen nach der Wiederaufnahme der geschäftlichen und touristischen Übernachtungen“, so Bergmann. „Wir setzen unsere Hoffnungen in das Sommergeschäft und darauf, dass in diesem Jahr mehr Inlandsreisen stattfinden werden.“ Da sehe er das Hotel aufgrund seiner Lage nahe Rheintal, Ahrtal, Köln und Bonn in guter Position.