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"Stadt.Land.Bus": Theaterprojekt aus Alfter als Webserie im Stream

„Stadt.Land.Bus“ : Alfterer Theaterprojekt wird als Webserie umgesetzt

Das Projekt „Stadt.Land.Bus“ aus Alfter wirft einen Blick zurück aus der Zukunft. Eigentlich sollte es ein fahrendes Theater werden, das Stadt und Land verbindet. Jetzt findet es statt - aber anders als eigentlich geplant.

Es sollte ganz anders stattfinden: Ein großer roter Omnibus hätte die Zuschauer an Bahnhöfen in Köln oder Bonn abgeholt und hautnah durch das „Freilichtmuseum Rheinland“ geführt. Der knallrote „Stadt-Land-Bus“ mit rund 100 Menschen an Bord wäre zu kleinen Bahnstationen, durch hektische Innenstädte, in die beschauliche Ruhe von mittelalterlichen Kirchplätzen, durch Braunkohletagebaue und die ewige Weite landwirtschaftlicher Nutzflächen gefahren.

Es sollte ein fahrendes Theaterprojekt werden, das Stadt und Land verbindet. Die Fahrt in dem Bus sollte den Teilnehmern suggerieren, sich 100 Jahre in der Zukunft zu befinden und durch die Busscheiben einen Blick auf das Leben vor 100 Jahren zu werfen. Auf das Leben in 2020.

Somit wäre man im Hier und Jetzt angekommen. Hätte aus der Zukunft heraus seinen Blick auf das schärfen können, was zurzeit alles falsch läuft. 2020 war der Zeitpunkt, an dem in der fiktionalen Theater-Geschichte den Menschen von Außerirdischen ein Friedensgen eingesetzt wurde.

„Drei Generationen lang hatte es seine Wirkung nicht verfehlt“, sagt Regisseur Olaf Sabelus über das Stück, das er in zwei Jahren zusammen mit den Schauspielern Sophie Botschek, Anna Moebus und Tobias Novo entwickelt hat. Es sollte zum Kölner Kulturfestival Sommerblut (8. bis 24.Mai) uraufgeführt werden.

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie machten jedoch die Busfahrten mit Publikum unmöglich. In wenigen Wochen Tag- und Nachtarbeit erfuhr das Projekt, „Stadt.Land.Bus. – Eine Reise aus der Zukunft“, nun eine rettende multimediale Wandlung. Um den Charakter der geplanten Veranstaltung zu erhalten, entschied man sich für eine Live-Übertragung im Internet.

„Um es realisieren zu können, brauchten wir noch die Genehmigung unserer Förderer“, beschreibt Sabelus den aufwendigen Wandlungsprozess. Einen erheblichen Teil der Produktionskosten von rund 100.000 Euro steuerten die NRW-Stiftung für Umwelt und Entwicklung sowie die Robert Bosch Stiftung bei.

15.000 Flugblätter

Die Intention des Stücks, die von den Vereinten Nationen erarbeiteten 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zum Thema zu machen, brachte auch die Alanus Hochschule dazu, die Trägerschaft für das Projekt ihres Schauspieldozenten Sabelus zu übernehmen.
Während auf Plakaten und in den sozialen Medien die Bekanntmachung von „Stadt.Land.Bus.“ auf vollen Touren lief, zudem 15.000 Flugblätter rund um Alfter und Bonn verteilt wurden, entstand in der Alfterer Kronenhalle eine Studiosituation, in der mit hohem technischen Aufwand das Projekt von der ursprünglich geplanten Bustour kongenial in ein Live-Streaming-Format umgesetzt werden konnte.

Sechs Folgen à 20 Minuten

Am Samstagabend startete die erste von sechs 20-Minuten-Folgen im Internet. Rechtzeitig, um mit der Premiere noch während des Sommerblut-Festivals auf Sendung zu gehen. Folge zwei wurde am Sonntagabend gesendet. Wer am Montag live in die dritte Folge um 20.20 Uhr einsteigen möchte, findet dort die Möglichkeit, sich auch die bereits gesendeten ersten beiden Folgen anzusehen.

Die drei Schauspielenden, die als „Dreischaft“ auftreten und die Stars der Zukunftsgesellschaft darstellen, führen vor, was triebhafter Egoismus aus der menschlichen Gesellschaft gemacht hat: Kriege, Klimaveränderung, Welthunger. Den globalen Herausforderungen wollte die Weltgesellschaft mit den siebzehn Entwicklungszielen begegnen. „Doch warum änderte sich so wenig, wo sich doch alle so einig waren?“.

An dieser Frage entlang entwickelt sich das Stück um die fiktive Zukunft. „Die Menschheit strahlt nicht mehr das Licht aus, das sie einmal gestrahlt hat“, ist das Fazit der außerirdischen Intelligenz, die daraus ihr Handeln ableitet.

Was mit dem Verblassen des Friedensgens wieder seinen Lauf nimmt und die Menschen zurück in den Kampf um Macht und Reichtum führt, macht deutlich, wie tödlich das Verlassen eines auf zugewandte Gemeinschaft ausgerichteten Wegs sein kann, der friedvoll gegangen werden könnte. „Theater ist dafür da, Fragen zu stellen“, so Sabelus. „Stadt.Land.Bus.“ provoziert mögliche Antworten.

„Stadt.Land.Bus“ - Eine Reise aus der Zukunft. Sechs etwa 20-minütige Folgen des multimedialen Theaterstücks sind noch bis zum 28. Mai täglich um 20.20 Uhr kostenlos auf www.stadtlandbus.org zu sehen.