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Probleme mit der Bahn: Züge fuhren in Witterschlick bei offener Schranke

Probleme mit der Bahn : Züge fuhren in Witterschlick bei offener Schranke

Witterschlicker berichten, dass der Übergang an der Duisdorfer Straße, der auch Teil des Schulwegs ist, monatelang gestört war. Laut Bahn habe aber keine Gefahr bestanden.

Es ist vermutlich Zufall, dass nichts Schlimmes passiert ist. Wie Anwohner aus Witterschlick jetzt dem General-Anzeiger berichtet haben, ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu zeitweisen Störungen am Bahnübergang an der Duisdorfer Straße gekommen – insofern, dass Züge den Bahnübergang überfahren hätten, obgleich die Schranke geöffnet gewesen sei.

Der Übergang wird nicht nur von vielen Autofahrern und Passanten genutzt. Auch empfiehlt die Gemeinde Alfter in ihren Schulwegsplänen, dass die Kinder aus dem östlichen Teil Witterschlicks, jenseits der Gleise, möglichst diesen Übergang auf dem Weg zur Grundschule nutzen sollen.

Gefährdung von Schulkindern

Im Spätsommer 2016 seien die Störungen erstmals aufgetreten, berichtet die Mutter eines Drittklässlers. Sie wohnt mit ihrer Familie in unmittelbarer Nähe der Schranke, möchte aber namentlich nicht genannt werden. Die Familie hat die Störungen nach eigenen Angaben dokumentiert. Mitunter sei das Problem an jedem zweiten Tag aufgetreten.

Massiv sei das Problem in den letzten Wochen gewesen, berichtet die Mutter. Allerdings hätten vor einigen Tagen Bahn-Mitarbeiter an der Schranke gewerkelt, führt sie weiter aus. In der Tat sind nach GA-Informationen in den vergangenen Tagen keine Störungen an der Schranke aufgetreten.

Es habe aber keinerlei Information vonseiten der Bahn über die Situation gegeben, so die Witterschlickerin. Es sei so gewesen, dass die Züge bei geöffneter Schranke vor dem Bahnübergang abgebremst und laut gehupt hätten und dann langsam weitergefahren seien.

Anwohner wurden nicht informiert

Die Störungen seien nachts und tagsüber aufgetreten. Einmal sei ihr Kind auf dem Weg vom Sportplatz an den Übergang gekommen, als ein Zugführer die Hupe betätigt habe. Die Mutter: „Ich bin sehr verwundert, das bisher nichts passiert ist.“

Dem GA liegen Berichte anderer Eltern von Grundschulkindern vor, die die Störungen am Bahnübergang bestätigen. Zugleich kritisieren sie, dass es keine Information über die Probleme gegeben habe – weder von der Bahn noch von der Gemeindeverwaltung.

Wie Alfters Pressesprecherin Maryla Günther auf Anfrage des General-Anzeigers mitteilte, habe am vergangenen Mittwoch eine Bürgerin telefonisch Kontakt mit dem Ordnungsamt aufgenommen und gemeldet, dass der Zug an der besagten Stelle mit einem Signal warne und dann nur schrittweise den Bahnübergang passiere. Günther: „Der Außendienst ist dann vor Ort gewesen und hat den Sachverhalt überprüft. Zu diesem Zeitpunkt funktionierte aber die Schranke.“

Ursache ist „schlussendlich lokalisiert und behoben“

Bürgermeister Rolf Schumacher ergänzt, dass weder er noch die Leitung der Witterschlicker Grundschule auf die „offensichtlich zeitweise bestehende Problematik der defekten Schranke Duisdorfer Straße hingewiesen worden“ seien. Vor einigen Tagen sei Schulleiterin Bettina Habeth von einer Mutter informiert worden, dass die Schranke nicht zuverlässig funktioniere, der Schaden aber von der Bahn behoben worden sei.

Daraufhin habe sich die Schulleiterin nicht zu einem Elternbrief entschieden, sondern habe persönlich alle Klassen besucht und mit den Kindern die Verhaltensweisen an Bahnübergängen besprochen, sagte Schumacher. Zugleich betont er: „Die Gemeinde Alfter wird sich mit der Bahn in Verbindung setzen und um Aufklärung des Sachverhaltes bitten.“

Die Reaktion der Bahn

Auf GA-Anfrage teilt ein Bahnsprecher mit, dass der Übergang nicht durchgängig defekt, sondern über einen längeren Zeitraum immer wieder gestört gewesen sei. Es sei nicht einfach gewesen, das Problem zu finden und zu beheben. Schließlich sei die Ursache am vergangenen Montag „schlussendlich lokalisiert und behoben“ worden, erklärt der Bahnsprecher.

Trotz der Störung waren gefährliche Situationen laut Bahn ausgeschlossen. „Die betroffene Anlage ist mit einem Hauptsignal überwacht. Das heißt, dass die Anlage im Falle einer Störung in 'Halt-Stellung' geht – der Lokführer muss sein Triebfahrzeug also zum Stehen bringen“, so der Sprecher. Dann müsse der Lokführer mit Schrittgeschwindigkeit bis zum Übergang fahren, ein Pfeifsignal abgeben und mit Schrittgeschwindigkeit bis zur Mitte des Übergangs fahren. „Anschließend kann der Lokführer seine Fahrt wie gewohnt fortsetzen.“ Dass die Bahn nicht auf die Störung hingewiesen habe, liege am dort vorhandenen Andreaskreuz, das als grundsätzliche Warnung fungiere.