1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge

Literaturfestival Homochrom: Anwältin Nadja Kobler-Ringler aus Ließem war plötzlich Ghostwriterin

Literaturfestival Homochrom : Anwältin Nadja Kobler-Ringler aus Ließem war plötzlich Ghostwriterin

Die Godesberger Buchautorin Nadja Kobler-Ringler liest beim queeren Kölner Literaturwettbewerb „Homochrom“ im Finale. Wie sie zum Schreiben kam und Ghostwriterin wurde, hat sie dem GA im Gespräch verrraten.

Dieser Besuch der Tochter kommt dem biederen Elternpaar aus der Eifel von Anfang an etwas anders vor. Ihre Katharina („K“) ist vom neuen Mitbewohner ihrer Großstadt-Wohngemeinschaft ins Heimatdorf chauffiert worden. Sie stellt den jungen Engländer beruflich als Staatsanwalt und privat als keinesfalls ihren neuen Freund vor. Und dann findet sich dieser Callum im „nach Möbelpolitur und Wäschestärke“ riechenden Heim plötzlich im Gespräch unter Männern mit direkten Fragen von Katharinas Vater konfrontiert wie: „Sie sind nicht echt, oder?“ und „Sie sind Einer von denen, ja?“ Callum kann gerade mal ein überraschtes: „Sie meinen, ob ich homosexuell bin. Schwul. Queer?“ erwidern. Da klopft ihm dieser geradlinige Dörfler schon auf die Schulter und meint zwischen „Gelsenkirchener Barock“-Möbeln: „Wenn ich `nen Jungen gehabt hätte, und er wäre so ein Mann geworden wie Sie, Callum, dann wäre ich, verdammt noch mal, stolz auf ihn.“

Buchautorin Nadja Kobler-Ringler wird diese köstliche Szene ihres ersten Romans „Operation `Forever K`“ am 8. August ab 14 Uhr im Kölner Museum Ludwig beim Literaturwettbewerb „Homochrom“ lesen. Das queere Kinofestival im Filmforum NRW wird in diesem Jahr als literarische Präsenzveranstaltung organisiert. „Mein Wettbewerbsbeitrag wurde unter über 120 Einsendungen ausgewählt. Zudem bin ich für den Publikumspreis nominiert`“, berichtet Kobler-Ringler stolz. Die geborene Godesbergerin ist hauptberuflich in Wachtberg als Anwältin in eigener Kanzlei tätig. Daneben veröffentlicht sie Texte. „Schreiben bedeutet für mich, alle meine Fähigkeiten und Kenntnisse nutzen zu können. Es ist Hobby, Supervision, und es macht mir unendlich viel Freude“, erklärt die Autorin dem GA.

Sie ist in Lannesdorf aufgewachsen. „Alles, was Kindheit hier ausmacht, findet sich in meinen Erinnerungen“, sagt sie: Sankt-Martins-Singen durchs Dorf, Kinderprinzessin und Mariechen bei den Fidelen Möhnen Lannesdorf, Sommer im „Rüngsi“-Schwimmbad, Geschichten- und Malwettbewerbe der örtlichen Banken, Theaterspielen. Am Konrad-Adenauer-Gymnasium machte sie ihr Abitur. „Ich bin hier fest verwurzelt,“ sagt die Rheinländerin. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Sparkasse Bonn fand sie in deren Archiv sogar zu ihrem späteren Promotionsthema: Denn nach einem Wechsel ins Jurastudium forschte sie zur: „Instrumentalisierung der Sparkassen durch den Staat am Beispiel der Sparkassen in Bonn und Köln“. Der Titel der Arbeit habe dann doch etwas entschärft werden müssen, räumt Kobler-Ringler ein. „Ein paar harte Worte“ seien dann aber doch für die Sparkasse KölnBonn übriggeblieben.

Als selbstständige Anwältin habe sie dann schon bald begonnen, nebenbei „Hilfe bei Reden, beim Formulieren oder bei der Ausarbeitung von wissenschaftlichen Aufsätzen“ anzubieten. „Und plötzlich war ich Ghostwriterin“, berichtet die Autorin. Seit diesem Jahr schreibt sie auch Kolumnen für ein Anwaltsmagazin. „Das gab mir den Mut, auch die literarische Arbeit in den Wettbewerb zu werfen – mit überraschendem Erfolg“, sagt Kobler-Ringler. Nun will sie also beim Kölner „Homochrom“-Festival mit einem Kapitel aus ihrem 2022 erscheinenden Roman „Operation `Forever K`“ punkten. „Und nein, außer, dass ich als Jugendliche viel Zeit in Köln verbracht habe, hat das Werk keine autobiografischen Züge“, antwortet Kobler-Ringler.

Kontakt zum Festival: www.homochrom.de/litfest