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Belästigung: 56-Jähriger stellt Swisttalerin nach und wird vom Gericht ermahnt

Ermahnung vom Gericht : 56-Jähriger stellt Swisttalerin nach

Er stand plötzlich an ihrer Terrassentür, warf Steine und drohte schließlich per WhatsApp: Die Nachstellungen brachten einen 56-Jährigen am Ende vor Gericht.

Nicht mehr im eigenen Garten die Sonne genießen und nicht mehr im Wohnzimmer mit den großen Fenstern sitzen und arbeiten – aus Angst vor einem ehemaligen Bekannten fühlte sich eine 61-jährige Swisttalerin über Monate in ihrer Freiheit eingeschränkt und bedroht. Nun musste sich der 56-jährige Bonner wegen Nachstellung vor dem Strafrichter am Rheinbacher Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: Von Mitte August bis Oktober 2018 soll der Angeklagte mehrmals im Garten der Frau aufgetaucht sein, Gesicht und Hände gegen die großen Wohnzimmerscheiben gedrückt oder Steine geworfen und Einlass gefordert haben, weil er mit ihr sprechen wolle.

Als die Frau das verweigerte, drohte er auch per WhatsApp, sich mit ihrem inzwischen geschiedenen Ehemann „zusammenzutun, um sie fertig zu machen“. Um Ruhe vor ihm zu haben und sich zu schützen, sah sich die Zahnärztin auf Anraten von Sicherheitsexperten gezwungen, die Sicherheitsvorkehrungen rund um Garten und Haus aufrüsten zu lassen. Auch forderte sie auf deren Anraten den 56-Jährigen schriftlich auf, die Nachstellungen zu unterlassen und keinen Kontakt mehr zu ihr zu suchen. Daran habe er sich auch bislang gehalten, so die Zahnärztin.

Es begann mit Nachbarschaftshilfe

Der Bonner habe sie zunächst mit Gartenarbeiten und Fahrdiensten unterstützt, schilderte sie, als es ihr gesundheitlich und familiär nicht gut gegangen sei. „Er brauchte Geld, ich brauchte Hilfe“, sagte sie. Daraus sei aus ihrer Sicht eine Freundschaft entstanden und sie habe ihm auch ihre Hausschlüssel anvertraut, damit er sich um Haus und Garten kümmern konnte, wenn sie im Urlaub war. „Ich war ihm tief dankbar, dass er mich unterstützt hat. Aber er wurde immer fordernder und kleistriger. Er tat immer so, als ob ich seine Lebenspartnerin oder Zweitfrau sei“, sagte die Zahnärztin.

Zum Bruch kam es, als unter anderem wertvoller Schmuck verschwand und sie Anzeige wegen Diebstahls erstattete. Weil ihm die Tat aber nicht nachgewiesen werden konnte, wurde das Verfahren eingestellt, so der Strafrichter. In dieser Diebstahls-Anzeige hatte auch die Anklage wegen Nachstellung ihren Ursprung. „Ich bin sicher kein Streithammel. Ich wollte einfach mein Leben zurückhaben mit der Anzeige“, so die Zahnärztin. Sie sei maßlos enttäuscht und der Angeklagte sollte „zumindest einen Denkzettel“ bekommen. Ihr Leben habe sie ja inzwischen zurück und einen Denkzettel habe er schon allein dadurch, dass es überhaupt zu diesem Verfahren gekommen sei.

Nach einer Sitzungsunterbrechung, in der Verteidiger, Staatsanwalt und Strafrichter die Sachlage erörterten, erklärte der Strafrichter, dass alle entschlossen seien, das Verfahren an dieser Stelle einzustellen. Ansonsten hätte es einer weiteren erheblichen Beweisaufnahme und weiterer Zeugen bedurft. Inzwischen sei ja auch Ruhe. Er gehe davon aus, dass das auch so bleibe, ermahnte der Richter den Angeklagten.