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Bonn, Rhein-Sieg-Kreis: Maskenpflicht an Schulen

Maskenpflicht an Schulen : Meinungen über Maskenpflicht gehen im Vorgebirge weit auseinander

Schulen im Vorgebirge und in der Voreifel starten am kommenden Mittwoch mit Präsenzunterricht und kompletten Klassen. Eltern üben Kritik - Schulleiter hält das Tragen des Mund-Nase-Schutzes für alternativlos.

Am Mittwoch kommender Woche geht die Schule wieder los, und die Maskenpflicht hat für den Schulbetrieb in der Region Konsequenzen. Klaus Hannak, Leiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Bornheim, sagte dem GA auf Nachfrage: „Ich halte die Maskenpflicht für sinnvoll und quasi alternativlos. Aber ich hätte mir gewünscht, dass wir nicht direkt zu Beginn den komplett normalen Schulplan fahren müssen.“

Denn so müssten die Schüler ab dem Zeitpunkt, in dem sie den Bus betreten, bis zum Schulende ununterbrochen die Maske tragen – abgesehen vom Mittagessen. Für die Lehrer sei es auch in den Klassenräumen möglich, Abstand zu halten und die Maske zeitweise abzusetzen. Jedoch wird der Unterricht nicht mehr zeitversetzt durchgeführt, die Klassen starten alle um 8.15 Uhr. Auch für die Anreise der Schüler gibt es keine zusätzlichen Busse.

Eltern hätten sich schon mit ihren Sorgen an die Schule gewandt. „Sie berichten beispielsweise davon, dass ihren Kindern bereits während der Busfahrt mit Maske schlecht geworden sei, und können sich nicht vorstellen, wie dies einen ganzen Tag lang funktionieren soll.“ Schulleiter Eike Brandt von der Europaschule Bornheim hingegen sagt: „Wir haben das eigentlich erwartet. Und es ist besser als das, was wir vorher hatten. Mit Abstand konnten wir schließlich nur sporadisch unterrichten.“

Schulleiter plädiert für Ruhe statt Hektik

Am Erzbischöflichen St. Joseph-Gymnasium in Rheinbach startet der Schulbetrieb ebenfalls wie vorgeschrieben mit allen Klassen am kommenden Mittwoch. „Es wird ähnlich sein wie vor den Ferien, nur dass wir die Situation mit den Masken noch nicht erlebt haben“, sagt Schulleiter Michael Bornemann. Die Maßnahmen hätten auch vor den Ferien Einfluss auf die Lebendigkeit der Schüler und die Art des Unterrichtens gehabt.

In den ersten anderthalb Wochen sollen die Schüler zunächst eine sogenannte Angleichphase durchlaufen, um sie wieder an den regulären Schulbetrieb heranzuführen. „Das Homeschooling hat gut geklappt, trotzdem lief es ja komplett anders für eine lange Zeit“, sagt Bornemann. Er ist dennoch froh, dass der Präsenzunterricht trotz besonderer Umstände wieder losgehen kann. „Wichtig ist es, die Lage in Ruhe einzuschätzen und nicht hektisch zu reagieren“, sagt er mit Blick auf die Regelungen, die erst einmal bis Ende August gelten sollen. Schon vor den Ferien habe man viele Gespräche mit Schülern und Eltern geführt, um die Situation und die Auswirkungen besser einschätzen zu können.

Für die Grundschulen gibt es eine Ausnahmeregelung: Wenn Schüler im Unterricht an festen Plätzen sitzen, dürfen sie auf die Maske verzichten. Unter den Eltern sind die Meinungen gespalten. Michaela Schättgen kritisiert die Maskenpflicht. „Ich finde es unmöglich, dass sie in einem Klassenzimmer, was sowieso schon schlecht gelüftet wird, den ganzen Tag sitzen und die verbrauchte Atemluft wieder einatmen müssen.“

Eltern sehen die Umsetzung eher kritisch

Brigitte Winter hingegen findet: „Mir ist eine Maskenpflicht an Schulen viel lieber als die Gefahr, dass die Schulen wieder schließen und es erneut nur Zuhause lernen gibt. Die Kinder haben im vergangenen Schuljahr so viel Unterrichtsstoff verpasst, von der sozialen Distanz mal ganz abgesehen“, sagt die zweifache Mutter aus Bornheim. Stephanie Fastabend ist Krankenschwester und findet die Maskenpflicht sinnvoll, wenn sie richtig angewandt wird. „Allerdings sind mehr als 95 Prozent der Menschen sehr nachlässig was die Hygiene damit betrifft“, sagt Fastabend. Ihre Tochter wechselt an eine weiterführende Schule und ist somit von der Maskenpflicht betroffen. „Für den Schulstart habe ich ihr jetzt noch mal zehn Masken nähen lassen, da sie pro Tag mindestens sieben Stück brauchen wird.“

Damit spielt sie darauf an, dass eine Maske lediglich für wenige Stunden den gewünschten schützenden Effekt hat. Wenn im Unterricht mehr gesprochen und die Maske schneller feucht wird, lasse ihre Wirkung deutlich nach. Ihr geht es jedoch nicht um eine generelle Kritik an den Masken, sondern um die ungleichen Regeln. „Partys bis 150 Personen sind erlaubt, 30 Grundschulkinder ohne Masken sind erlaubt, 30 Kinder in weiterführenden Schulen verboten.“

Dirk Barbian sieht das ähnlich. Sein Sohn besucht die Gesamtschule in Rheinbach. „Wir finden es ungerecht, dass Grundschüler, die nur vormittags Unterricht haben, von der Pflicht befreit sind. Schüler der weiterführenden Schulen, die Unterricht bis zum Nachmittag haben, müssen bei diesen Temperaturen die Maske den ganzen Tag tragen. Das finde ich unverantwortlich.“ Die 18-jährige Jannika Melzer aus Rheinbach besucht eine Berufsschule und bezeichnet die Entscheidung als „völlig legitim. Ich habe jeden Tag acht Stunden Unterricht und finde es völlig okay. Besser so als krank sein. Nebenbei arbeite ich im Krankenhaus, da müssen wir acht bis zehn Stunden Masken tragen. Wir alle finden es nervig, aber es gibt Schlimmeres.“