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Landgericht ordnet Einweisung in Klinik an: 44-Jähriger wirft in Bornheim Steine auf Radfahrer

Landgericht ordnet Einweisung in Klinik an : 44-Jähriger wirft in Bornheim Steine auf Radfahrer

Das Bonner Landgericht hat einen 44-Jährigen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Grund dafür sei die Gefahr, die von ihm ausgehe, und die Schwere seiner Erkrankung. Der Mann hatte im September 2020 in Bornheim Steine auf Radfahrer und Anwohner geworfen und zwei Menschen verletzt.

Die Krankheit kam schleichend – und war weder für den Kurden, der mit seiner Familie 2015 vor dem Islamischen Staat (IS) aus dem Irak geflohen war, noch für seine Umgebung erkennbar. Erst als der heute 44-Jährige am 1. September 2020 in Bornheim gezielt mit Steinen nach Radfahrern und Anwohnern warf und die Menschen teilweise verletzte, wurde er bis zum Prozess vorläufig eingesperrt. Das Bonner Landgericht hat jetzt endgültig die Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

Die Konzentrationsschwächen des ehemaligen IT-Studenten beim Sprachkursus und die lähmende Traurigkeit waren zuerst mit der erlebten Todesangst in der Heimat und der darauffolgenden Flucht erklärt worden. Aber als sich der Mann im Februar 2020 in einer Kölner Kneipe um einen Job bewarb und eine Absage bekam, drehte er komplett durch und zettelte eine Schlägerei an. Es kam zu ersten kurzen Klinikaufenthalten, aber wie krank die Seele des 44-Jährigen bereits war, wurde lange nicht erkannt.

„Ein geschlossener Klinikaufenthalt war alternativlos“, erklärte der Kammervorsitzende Jens Rausch am Montag in der Urteilsbegründung. Denn die Gefahr, die von dem Mann ausgehe, sei schlichtweg zu groß und die Erkrankung zu schwerwiegend.

Angeklagter entschuldigte sich

Der Angeklagte hatte sich im Prozess wiederholt entschuldigt, Reue gezeigt und gehofft, dass er schnellst möglichst wieder freigelassen wird. Aber der 44-Jährige sei nicht in der Lage, zu erkennen, wie sehr die Krankheit ihn – trotz der Medikamente – steuere, hieß es im Urteil. Am Auffälligsten sei, dass er auf „Abwertungen völlig unangemessen“ reagiere.

So war es auch am 1. September 2020: Da hatte der Angeklagte zunächst im Bornheimer Stadtteil Widdig an einer Haustür geklingelt und um ein Glas Wasser gebeten. Eine Hausfrau öffnete ihm und versprach, ihm Wasser zu holen. Dass sie daraufhin die Tür schloss, damit ihr Hund nicht weglaufen konnte, empfand der Mann, der die deutsche Sprache nur bruchstückhaft verstand, allerdings als Abweisung.

Als wenige Minuten später der Hausherr die Tür wieder öffnete, fühlte sich der Angeklagte beleidigt und bewarf den 71-Jährigen mit dem ersten Stein. Es folgte eine Serie von Angriffen.

An diesem Tag attackierte der Mann insgesamt fünf Personen, drei davon wurden von den Steinen getroffen, zwei hatten Glück. Eine Radlerin in Urfeld trug einen Fahrradhelm, an dem der Stein abprallte. Auch eine 71-Jährige, ebenfalls aus Widdig, verfehlte das Wurfgeschoss knapp. Die Rentnerin hatte gerade im Vorgarten Unkraut gejätet, als ein 150 Gramm schwerer Granitstein haarscharf an ihr vorbei flog. Die Rentnerin spürte einen scharfen Luftzug und erlitt einen Schock.

Senior wurde schwer verletzt

Am schwersten verletzt wurde ein 70-jähriger Radfahrer, der auf dem Weg von Sechtem nach Wesseling war. Der Stein traf den Senior so heftig, dass er mit einer Gesichtsschädelfraktur ins Krankenhaus musste. Auf der Kölner Landstraße hatte der Angeklagte zuvor mit einem „walnussgroßen“ Geschoss auf einen Fußgänger gezielt. Der 71-Jährige erlitt eine schmerzhafte Platzwunde am Hinterkopf.Kurz darauf wurde der Steinewerfer gefasst. Für die Straftaten konnte er aufgrund seiner Erkrankung nicht zur Verantwortung gezogen werden.